Warum eine Städtereise nach Marrakesch

Marrakesch – Djamaa el Fna
der Ort der Vollstreckung

Marrakesch eine Reise die verändert!

In Städtereisekatalogen steht: Besuch des Hauptplatzes Djamaa el Fna (UNESCO Kulturerbe); Besuch der Medina und Souks (UNESCO Weltkulturerbe) … Hebt euch das vom Hocker? Wisst ihr, warum eine Städtereise nach Marrakesch für jeden zu einem Erlebnis wird? Nein! Weil der Djamaa el Fna, der Ort des wahren Lebens ist.

Früher wurde der Djamaa el Fna als Platz der Geköpften bezeichnet. Nicht ohne Grund. Vor ein paar Jahrhunderten wurden Rebellen und Verbrecher auf diesem Platz hingerichtet. Ihre Köpfe solange zur Schau gestellt, bis nur noch die kahlen Schädel übrig waren.

Der Djamaa el Fna – die Seele Marrakeschs   

Hektisch und schrill verinnerlicht ihr als die ersten Attribute, eh euch das Schauspiel dieses Platzes tief beeindruckt. Akrobaten zeigen ihre Kunststücke, es werden volkstümliche Tänze aufgeführt, die Rhythmen der Gnaoua-Musiker sind schon tagsüber allgegenwärtig, Kobras richten ihre Köpfe auf und zischen ihre Beschwörer an, Märchenerzähler tragen gestikulierend ihre Geschichten vor und Wasserverkäufer läuten mit ihren Glocken.

Überwältigend, einfach überwältigend! Ungewohntes Geschehen lässt euch an ein riesiges Touristenspektakel glauben. Genau das, ist hier nicht der Fall. Touristen sind eine gute Zusatzeinnahme für die Händler. Haupteinnahmequell sind die Einheimischen, die noch heute aus dem ganzen Handelsgebiet kommen.

Die Händler und Künstler des Platzes verdienen mit Waren und Darbietungen ihren Lebensunterhalt. Mit dem Kauf von Waren, wie Kleider, Schuhe, Gemüse sind Europäer gut vertraut. Ein Preis findet sich schnell.

Was ist aber mit einer Geschichte? Welchen Wert besitzt sie? Solche Preise für immaterielle Werte können Europäer nicht verwirklichen. Wüstenvölker handeln damit, seid eh und je. Denn Geschichten waren für Wüstenvölker der einzige Quell für Bildung. Analphabeten sind noch heute darauf angewiesen. Dieser Handel ist für viele Marokkaner lebenswichtig.

Von einem Restaurant aus kann man das Treiben auf dem Platz gut beobachten

Auf dem Djemaa el Fna werden bis heute immateriellen Werte gehandelt. Grund genug für die UNESCO, diesen Platz 2001 in die Liste der “Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit” aufzunehmen.

Wie gesagt, Händler verdienen mit Waren und Darbietungen ihren Lebensunterhalt. Da ist es verständlich, dass Schlangenbeschwörer, Wasserverkäufer, Musiker oder Akrobaten aggressiv reagieren, wenn Touristen unerlaubt fotografieren. Und glaubt mir, bevor ihr euch in Stellung gebracht habt, seid ihr ertappt. Dafür haben die Händler einen sechsten Sinn.

Geständnis: Ich habe nicht glauben wollen, einen Wasserverkäufer vorher bezahlen müssen, ehe ich ihn fotografieren darf.

Mein nach unten gestreckter Arm mit der Kamera hat nichts geholfen. Ein Wasserverkäufer kam sofort auf mich wild gestikulierend zugeeilt. Er wollte die letzten Aufnahmen meines Fotoapparates sehen. Verlegen lachend zeigte ich die Bilder! Als er die verschwommenen Bilder sah, lachte er und nahm mich mit zu den anderen Wasserträgern.

Die drei Exklusivfotos sind nicht gerade schön, erinnern mich aber immer wieder an diese Begebenheit. Bezahlen musste ich nun auch. Gefeilscht wurde zäh aber herzlich. Die drei Bilder kosteten mich vier US-Dollar. Normal ist zwischen 15 und 100 Dirham je Bild. Ich habe es als Lehrgeld verbucht.

Wasserverkaeufer
Ertappt

Kleines Einmaleins des Handelns

Handeln bedeutet für Marokkaner überleben. Daher gibt es keine Richtlinien, um wie viel, der Preis überzogen werden darf. Den Richtigen zu finden ist für uns Europäer ein Fischen im trüben Wasser.

Gut zu wissen ist es da, wie Marokkaner über Deutsche denken:

Deutsche sind groß hellhäutig und dick. Sie tragen ein Buch als Reiseführer bei sich. Die Deutschen haben moderne Kameras und tragen funktionelle, zweckmäßige aber einfache Kleidung. Sie sind nicht elegant, haben aber die Taschen voller Geld.

von einem marokkanischem Guide

Sind wir einmal erkannt, bekommen wir Waren mit besonders hohen Preisen angeboten. Und, sie merken sofort, ob sie mit einem Profi handeln. Darum ein paar Tipps, wie ihr beim Handeln besser abschneidet:

  • Informiert euch in Geschäften mit festen Preisen (auch wenn diese schon überteuert sind).
  • Oder handelt an mehreren Ständen, ohne zu kaufen. Bis ihr das Gefühl habt, einen fairen Preis erzielt zu haben.
  • Manchmal ist es hilfreich, zu sagen: Bei Händler Abraham bekomme ich das für 100 Dirham.
  • Gut ist auch, ein Gespräch über die zu erwerbende Ware zu beginnen.
  • Wenn beim Handeln der Verkäufer schimpfend den Rücken dreht, dann tut das auch. Kommt der Händler hinterher, dann wisst ihr, dass er bei diesem Preis auch noch ein Geschäft gemacht hat.
Souks Holzbearbeitung
Souk Holzverarbeitung

Handeln ist eine der marokkanischen Lebensphilosophien. Probiert es einfach aus. Eines solltet ihr unbedingt beachten:

Gehandelt wird nicht mit Grundnahrungsmitteln und Wasser.

Der Kleine Rat für die Souks

Einfach reingehen, ist nicht der beste Rat. Ihr wärt nicht die Ersten, denen in den Souks die Orientierung verloren gegangen ist. Diese Tipps sollten das verhindern.

  • Schreibt euch zu Hause auf eure Packliste einen Kompass. Der Djamaa el Fna liegt von den Souks aus gesehen in südlicher Richtung. Damit könnt ihr an Weggabelungen eure Gehrichtung besser bestimmen.
  • Oder ihr folgt den Schildern, die unterhalb der Decke angebracht sind. In den ganz schmalen Gassen sind diese jedoch nicht zu finden.
Wegweiser in den Souks

Empfehlenswert ist es die Souks, um die Mittagszeit zu besuchen. Zu dieser Zeit sind keine Touristengruppen unterwegs. Genießt diese Ruhe. Schaut euch orientierend um. Besuche am späten Nachmittag offenbaren trotz großen Gedränges, manch unerwartete Ereignisse. Auf dem Teppichmarkt finden noch regelmäßig Teppichauktionen statt. Ein Eldorado für Fotografen und Liebhaber exotischen Lebens.

Souks Lampen
Lampen Souk

Essen in Marrakesch

Marokko bietet sehr gute regionale Gerichte an. Ohne einmal Kuskus probiert zu haben, sollte keiner aus Marrakesch zurückkehren. Verführerisch sind auch die Süßigkeiten. Und auf einen marokkanisch verabreichten Pfefferminztee dürft ihr auch nicht verzichten. Mit anderen Worten, ohne einzukehren, ist der Trip nur eine halbe Reise.

Kuskus

Viele Lokalitäten in Marokko halten auf Hygiene und werden überwacht. Hütet euch vor frischem Ost und Gemüse. Vor allem, wenn es nicht geschält ist. Das ist nicht eine Frage der Hygiene, sondern der fremden Keime. Gegen die sind wir nicht geschützt. In eurer Reiseapotheke sollten immer Tabletten gegen Magenverstimmung und Durchfall sein. Achtet beim Kauf der Trinkflaschen, dass der Verschluss der Flaschen versiegelt ist.

Jenseits der Souks

Die Souks und der Djemaa el Fna sind ganz bestimmt die Hauptattraktionen. Doch die Entwicklung von Marrakesch begann schon viel früher. Ursprünglich um 1078 mit den berberischen Almoraviden. Für das Wüstenvolk war dieser Ort hinter dem Atlas zuerst ein strategischer Ausgangspunkt für Eroberungen im Norden. Sultan Ali Ibn Yussuf baute diesen Ort zur damaligen Hauptstadt Marrakesch aus.

Marrakesch Bab Agnaou
Marrakesch – Bab Agnaou

Dabei sind sehenswerte geschichtliche Zeugnisse entstanden. Darüber könnt ihr in jedem guten Reiseführer selbst nachlesen. Ich benenne hier nur die Wichtigsten. Da habt ihr eine Orientierung, wohin euch eure Beine tragen können.

  • Das monumentale Minarett der Kutubya Moschee seht ihr schon vom Djamaa el Fna aus. Im Garten findet ihr Ruhe, sollte euch der Trubel zu viel werden. Im Garten gibt es allerdings nur wenige schattige Plätzchen.
  • Der Medersa Ibn Youssef, ist eine bekannte Koranschule des Maghreb für die Bildungselite.
  • Das Judenviertel mit seinem gedeckten Mellah-Markt ist eine Herausforderung für Besucher. Man fühlt sich, wie in vergangenen Zeiten.
  • Beliebt ist der El-Badi-Palast mit seinen unterirdischen Gefängnissen und den vielen Störchen, die auf den Mauern nisten.
  • Abseits gelegen sind die Saadier-Gräber. Ein Mausoleum für Angehörige der Saadier-Dynastie.
  • Das Bab Agnaou ist, das heute noch einzig erhaltene von ehemals acht Toren in das Kasbah-Viertel von Marrakesch.
  • Ebenfalls abgelegen und eine Oase der Ruhe, des Schattens und angenehmer Temperaturen ist der öffentlich zugängliche Garten Jardin Majorelle. Wenn es zu heiß wird, ist es im Garten angenehm (Eintritt).

Mein Fazit

Der Djamaa el Fna in Marrakesch ist ein Ort der Vollstreckung. Hier treffen Menschen aus aller Herren Länder zusammen, um Handel zu treiben. Handel mit materiellen und immateriellen Werten. Gehandelt wird mit allem. Es gibt hier nichts, mit dem man auf diesem Platz nicht gehandelt wird. Handeln heißt hier – überleben!

Marrakesch genießen diejenigen am besten, die sich gerne ins Getümmel stürzen. Freude am Handeln haben und Menschen beobachten können, die über ihr tun Werte weitergeben. Die Souks und der Djamaa el Fna sind die Hauptattraktionen.

Über Jahrhunderte entstanden in der Medina von Marrakesch Bauwerke mit grazilem, künstlerischen Geschick. Manchmal bekommt ihr den Eindruck, die Zeit ist hier stehen geblieben. Eine Stadtführung hilft euch diese Bauwerke besser zu verstehen.

Ich glaube, das Beschriebene ist ausreichend für eine 5-tägige Städtetour nach Marrakesch. Eine Reise durch eine Stadt lebt am meisten davon, abseits der ausgetretenen Routen zu wandeln. Denn da wird das wirkliche Leben entdeckt. Aber vergesst nicht, auch das Fragen nach dem Weg muss finanziell ausgehandelt werden.

Der Innenhof eines Riad ist auch bei 30° angenehm erfrischend

Wer einheimische Übernachtungen bevorzugt, wählt ein Riad. Riad heißt übersetzt – Garten. Innenhöfen sind nach oben offen und bepflanzt. Hier ist es angenehm bei höheren Temperaturen. Fenster an äußeren Fassaden, sind wenig zu finden. Von den Dachterrassen gibt es oftmals eine sehr schöne Sicht auf die Medina und den Atlas. Luxuriöse Riads sind sind untypisch und meistens in der Hand ausländischer Besitzer. Die Unterkünfte erinnern an eine Märchenwelt von 1001 Nacht.

Nach einer Reise in die Medina von Marrakesch sagt niemand: Da war ich schon. Nach einer Reise in Medina von Marrakesch sagt man beeindruckt: Ich habe Marrakesch erlebt.


Eine Städtereise nach Marrakesch kann man auf verschiedene Weise unternehmen:

  • Online über ein Reiseportal (Flug und Unterkunft) – zum Angebot
  • Sich ein Angebot erstellen lassen (Flug und Unterkunft) – Angebot erstellen
  • Kleingruppenreise 5 Tage Marrakesch – zum Angebot
  • Eine Rundreise Marokko inkl. Marrakesch unternehmen

Empfehlung Reiseführer Reise Know How City|Trip Marrakesch


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