Vinales und Kubas Westen

Vinales, wo die kubanischen Tabakpflanzen wachsen

Eine Kubareise ohne Vinales Tal ist, wie ein Mojito ohne Minze. Das sagen die Kubaner. Ein Abstecher in die Hochburg der kubanischen Zigarren muss also sein. Können die Landschaften von Vinales einen eisgekühlten Mojito bei 33 Grad wirklich toppen?

Aufbruch nach Vinales

Leise rauscht die Klimaanlage. Es ist noch dunkel, plötzlich krächzt mein Smartphone kikeriki, kikeriki, kikeriki. Bis ich dem endlich mit dem richtigen Wisch ein Ende setzen kann.

Die Fenster sind beschlagen und Wassertropfen rutschen über die Scheiben. Ist das ein Zeichen, dass heute früh angenehme Temperaturen erwarten? Ich öffne das Fenster – wow, da knallt mir eine schwülwarme Wolke ins Gesicht. Mir verschlägt es den Atem. Regen bringt demzufolge keine Abkühlung. Nach dem morgendlichen Ritualen fahren wir mit unserem Kleinbus gen Westen.

Über Kubas Autobahnen hört man im Allgemeinen nichts Gutes. Nach den Beschreibungen erlebt man Horrorfahrten. Das erinnert mich an die Straßen von Nepal. Klar, herrschen hier keine deutschen Straßenverhältnisse. Das sollte auch niemand erwarten. Gegenüber nepalesischen Straßen sind Kubas jedoch im Top Zustand. Wobei es schon wunderlich ist, dass auf kubanischen Autobahnen Fußgänger, Radfahrer und Eselfuhrwerke anzutreffen sind.

Als wir von der Autobahn abfahren wird es steil. Unser Kleinbus schlängelt sich um mögliche Schlaglöcher. Plötzlich wird stark gebremst. In langsamer Fahrt weicht unser Busfahrer den großen Schlaglöchern aus. Das passiert. Die Fahrer sind an diese Situationen gewöhnt.

Kurz nach Mittag kommen wir im Hotel Los Jazmines an. In Reiseführern ist es, das Hotel in der Region. Der Ausblick auf die Karstlandschaft ist überwältigend. Einfach inspirierend, wie die bewachsenen Felsbuckel aus der eisenhaltigen Erde aufragen.

Vinales Tal Blick vom Hotel Loz Jazmines
Vinales-Tal Blick vom Hotel Loz Jazmines

Ein Blick auf die Uhr unterbricht den andächtigen Blick auf die Landschaft. Wir werden am Bus erwartet.

Ein Leben für Zigarren und Kaffee

Ein schmaler Pfad führt zu einer kleinen Hütte. Pedro wohnt hier mit seiner Familie. Er erzählt über den Anbau von Zuckerrohr und Kaffee. Natürlich produziert Pedro „Vitamin R“. Damit sein Rum sich von staatlichen Sorten abhebt, wird dieser mit selbst angebauten und selbst gerösteten Kaffee veredelt. Klar, kosten mussten wir auch.

Pedro baut Kaffee Arabica an. Nach der Ernte wird dieser getrocknet, gestampft und anschließend geröstet. Von den Erträgen müssen die Bauern 25 Prozent an den Staat abgeben. Den Rest dürfen die Kleinbauern für sich behalten. Alles wird in Handarbeit hergestellt, wie das die Bilder zeigen.

Ein paar Hundert Meter weiter ist eine kleine Tabakfarm. José weiht uns in das Herstellen kubanischer Zigarren ein. Allein das Rollen einer Zigarre ist eine Wissenschaft. An Hand von Bildern zeigt uns José, welche teile der Tabakpflanze beim Rollen einer Zigarre verwendet werden. Für das Rollen einer Zigarre wird von den Arbeitern sehr viel Fingerfertigkeit abverlangt.

Anschließend raucht José genüssliche eine Zigarre. Ich wusste noch gar nicht, dass das Rauchen kubanischer Zigarren zelebriert wird. Dabei schaut José uns Männer mit scharfen Blicken an.

Jetzt kommt der Verkauf. Seit 18 Jahren bin ich nun schon Nichtraucher und mich gelüstet es auch heute nicht danach. Wie es scheint, sind wir drei Männer in unserer Reisegruppe alles Nichtraucher. Keiner will Zigarren kaufen.

Aber woher kommt die Magie der kubanischen Zigarren? Mal abgesehen von den verlangten Fingerfertigkeiten müssen die verwendeten Blätter der Pflanze bestimmte Qualitäten haben. Zum anderen sind es die klimatischen Bedingungen und die Qualität des Bodens, die den unschlagbaren Rauchgenuss hervorbringen.

José zeigt, wie eine Zigarre von Hand hergestellt wir

Kubaner haben einmal kubanischen Pflanzen in der Dominikanischen Republik angebaut. Selbst das Rollen wurde den Kubanern nachgeeifert. Was ausgeblieben ist, ist der Rauchgenuss.

Übrigens, dass die besten kubanischen Zigarren auf dem Schenkel einer kubanischen Jungfrau gerollt sein müssen, kommt aus dem Reich der Legenden.

Ich will nichts anderes sein – als Bauer

Jetzt stellt Katharina, ASI-Reiseleiterin, Antonio unseren Local-Guide vor. Mit ihm besuchen wir die Plantagen der Bauern. Zuerst wandern wir durch den Ort. Da stehen schmucke Datschen. Oft werden diese an Einheimische und Ausländer vermietet. Je weiter wir in den Bereich der kleinen Felder gelangen, ändert sich das Bild. Aus vornehmen Datschen werden sprichwörtlich immer mehr Hütten. Umgeben sind diese von einer traumhaften Landschaft.

Hier lernen wird den Bauern Angel kennen. Stolz raucht der 79-Jährige eine kubanische Zigarre. Antonio erzählt uns, dass der Bauer trotz seines Alters seine Felder auf herkömmliche Weise bestellt. Seit seinem sechsten Lebensjahr arbeitet Angel. Das sind 73 Arbeitsjahre. Niemand sagt etwas. Ich möchte jetzt nicht wissen, was jeder darüber denkt. Noch sieht Angel fit aus. Wie lange wird Angel diese Arbeit noch machen können?

Kubaner und ihre Unabhängigkeitsbewegung

Um die kubanische Entwicklung nur Ansatzweise zu begreifen, schaut man sich Kubas Unabhängigkeitsbewegung an. Mit klischeehaften Einordnen in Demokratie oder Diktatur kann man die kubanische Gesellschaft nicht charakterisieren.

Für Kubaner beginnt die kubanische Revolution nicht mit Fidel Castro, sondern bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Kubaner reden eher über ihre Unabhängigkeitsbewegung. Da fallen Namen, wie Carlos Manuel de Céspedes, der die Sklaverei auf Kuba beendete. José Marti der das koloniale Joch mit Aufständen beenden wollte und Fiedel Castro der die Kubaner von der Marionette Fulgencio Batista befreite. Alle drei Befreier werden gleich verehrt. Fidel ist dabei noch etwas schillernder. Ist aber auch klar. Schließlich haben viele Kubaner seine Befreiungstat selbst miterlebt.

Als ich Orestes unseren kubanischen Reiseleiter fragte: Welchen Weg Kuba nun einschlägt. Da sagt er nur: Das kann gegenwärtig keiner sagen.

Während der Reise durch Kuba ist mir jedoch immer wieder aufgefallen, dass die Unabhängigkeit und die Gleichberechtigung der Frauen eine gewichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung des Landes spielen. Letztendlich zeigt das aber auch keinen kubanischen Trend.

Derweil sind wir von Vinales 80 km über die Autobahn zurückgefahren. Im Biosphärenreservat Las Terrazas werden wir schon erwartet.

Ein Dschungel-Gesundheitstrip mit Carlo

Katharina stellt uns unseren heutigen Local-Guide vor. Carlo führt uns drei Stunden durch den Dschungel El Contento im Biosphärenreservat Las Terrazas. Sein Wissen über Naturheilpflanzen beeindruckt mich sehr. Es gibt so gut wie für alle Krankheiten Heilkräuter. Carlos Wissen darüber kommt nicht von ungefähr.

Nach der Castro-Revolution gab es in entlegenen Wohngebieten keinerlei medizinische Versorgung. Auch nach der Revolution war diese Versorgung auf Jahre nicht möglich.

Als Guerillakämpfer und Arzt ließ Ernesto Che Guevara die Bevölkerung in Naturheilkunde ausbilden. Damit war viele Jahre die Erste Hilfe für Kranke und Verletzte gesichert.

Weit sind wir noch nicht gegangen, da sind T-Shirt und Hosen klatschnass. Der Flüssigkeitsverlust ist enorm. Zum Glück habe ich genug zu trinken mit. Bei Guerillakämpfern war das nicht immer der Fall, berichtet uns Carlo. Der Zugang zu den Wasserquellen wurde ihnen oftmals versperrt.

Carlo schlägt mit seiner Machete einen daumenstarken Ast ab, hält diesen über seinen Mund und trinkt das gespeicherte Wasser. Das erinnert mich an den Film „Die Tribute von Panem“, als Katniss während der Spiele einen kleinen Hahn in den Baum schlägt, aus dem Wasser fließt.

Der letzte Tropfen Wasser für Guerillakämpfer überlebenswichtig

Endlich – der Fluss San Juan

Wisst ihr, wie anstrengend eine dreistündige Wanderung bei gefühltem Saunaklima sein kann? Das T-Shirt nimmt keine Feuchtigkeit mehr auf und der Schweiß rinnt in Bächen über die Haut.

Über einen schmalen Pfad steigen wir abwärts. Im Tal fließt der San Juan. Noch ein paar Hundert Meter und wir kommen an eine Badestelle. Offensichtlich sind wir hier nicht die Einzigen.

Wir ziehen uns um. Und ab geht es in die frischen Fluten. Einfach traumhaft, ein Genuss für Körper und Seele. Ob wohl ich sagen muss, da gab es paar kleine Fische etwa zwei Zentimeter Lang, die haben mir an den Zehen geknabbert, sobald ich meine Füße stillgehalten habe.

Las Terrazas am Fluss Juan
Las Terrazas – Badestelle am Fluss Juan

Orestes unser kubanischer Reiseleiter ist nicht mit ins Wasser gekommen. Ich frage ihn warum. Zu kalt sagt er und schüttelt den Kopf. Gefühlte 25 Grad und zu kalt? Da kann ich mir ein schmunzeln nicht verkneifen.

Das Hotel Moka – eine Idylle im Biosphärenreservat

Langsam windet sich unser Bus Kurve um Kurvein einem ruhe austrahlenden Wald. Da erscheinen die weiß strahlenden Gebäude unserer heutigen Übernachtung – das Hotel Moka. Diese weitläufige Anlage bietet ein angenehmes Ambiente. Während sich die meisten unserer Reisegruppe ausruhen, gönnen wir uns ein Bad im menschenleeren Hotelpool.

Was macht Las Terrazas so besonders

Anfang des 19. Jahrhundert befreite sich das benachbarte Haiti von der französischen Kolonialmacht. Die fliehenden Plantagenbesitzer siedelten sich mit Genehmigung der Regierung in der Region Las Terrazas an.

Sie rodeten die Wälder und legten Terrassen an. Der Kaffeeanbau war nicht ertragreich. Bodenerosion und Hurrikans zerstörten immer wieder die Terrassen. Mit Abschaffung der Sklaverei zogen die Plantagenbesitzer dann weiter nach Kolumbien. Die ehemaligen Kaffeeterrassen verfielen.

Erst Fidel Castro schaffte Abhilfe. Er ließ die Terassen aufforsten und baute in einen Ort namens Terrazas moderne Wohnungen, Geschäfte, Kultureinrichtungen, eine Schule und ein Krankenhaus. Das Leben verbesserte sich schlagartig. Die Kaffeeproduktion blieb jedoch weiterhin unrentabel. Ohne staatliche Hilfen ging nichts.

Nach dem Wegfall der sowjetischen Subventionen verschlechterten sich die Lebensbedingungen allgemein in Kuba. Als sich das Land für Touristen öffnete, baute die Regierung das Hotel Moka, damit CUC in die Region fließen. Das Hotel ist sozusagen der wirtschaftliche Kern. Unser Local-Guide Carlo ist einer der davon profitiert.

Das Hotel untersteht keiner staatlichen Führung, ist aber auch nicht privat. Bei uns würde man sagen – genossenschaftlich. In einigen Reiseführern, wird das Hotel als zu teuer angegeben. Ich finde das nicht so. Schließlich kommen die Einnahmen allen zugute. Für mich hat Las Terrazas etwas nachhaltiges an sich. Und das kostet natürlich.

Abschied von Las Terrazas

Diesen Abend wollen wir mit einem gemeinsamen Abendessen beschließen. Das Restaurant ist nur 200 m vom Hotel entfernt. Genau als wir losgehen, prasselt ein fürchterlicher Regenschauer hernieder. Das ist etwas untertrieben. Eigentlich hat Perus auf den 200 Metern über jeden von uns unzählige Wassereimer ausgeschüttet. Da hilft kein Regenschirm.

Mein Tipp: Am besten sind ein langer Regenumhang, Sandalen und Hosen, die mindestens 30 cm kürzer als der Regenumhang sind.

Las Terrazas - Siedlung
Las Terrazas – Siedlung

Bei heißen kubanischen Salsarhythmen und einem typisch kubanischen Menü genießen wir den gemeinsamen Abend.



Ab morgen reisen wir durch die Mitte des Landes. Lernen kubanisches Karibikflair kennen, erfahren, wer das Rauchen erfunden hat, und finden Spuren des Naturforschers Alexander von Humboldt.

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