Uttewalder Grind im Elbsandsteingebirge, Malerweg

Uttewalder Grund am Malerweg

Zu den drei Felsen der schauerlichen Gründe

… sagten die ersten Touristen, die durch den “Ottowalder Grund” gegangen sind. Der Name Uttewalder Grund bürgerte sich erst später ein.

Von Lohmen aus kommend, geht es abwärts. Einen Weg, der von Anbeginn jeden Besucher begeisterte. Bis heute ist der Uttewalder Grund, eines der schönsten Täler der Sächsischen Schweiz.

Aufbegehren

Schon nach wenigen Minuten seht ihr einen Gendenkstein. Der erinnert an die Bauernaufstände von 1790. Wobei es eher Proteste, gegen die herrschenden Missstände der Gutsbesitzer waren. Die forderten noch immer Frohendienste von den Bauern. Die Französische Revolution von 1789 hatte die Leibeigenschaft der Bauern in Frankreich abgeschafft.

Dieser neuen Freiheit galt das Aufbegehren. Soweit bekannt, gab es kein Blutvergießen. Die Rädelsführer wurden verhaftet und auf dem Königstein eingekerkert. Nach etwa einem Jahr wurden die Gefangenen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Drei schauerliche Felsen

Über einen schmalen Weg, der sich teilweise im Wald zu verlieren scheint, geht es erst gemächlich, später steiler werdend in den Grund. Zwischen Farnen, umgestürzten Bäumen und steilen Felswänden, lohnt es sich langsamer zu gehen und sich hin und wieder umzudrehen. Das einfallende Licht und verschiedene Witterungsbedingungen bewirken hier eindrucksvolle Stimmungen.

Uttewalder Grund im Elbsandsteingebirge

Eine der Schönsten, die ich erlebte, war an einem frühen Morgen. Nach einer regnerischen Nacht tauchte die Sonne den Waldboden sowie auch die steilen Felsen in einen zarten Nebel. Die Strahlen der Sonne zerschnitten diesen in gerade Streifen. In solchen Momenten denkt man sich dann oft, was für ein großartiger Landschaftsarchitekt Mutter Natur ist. Ein Anblick wahrer Schönheit.

Schon aus etwas Entfernung bemerkt man das Uttewalder Felsentor. Wie von Geisterhand festgehalten, bilden drei mächtige Felsblöcke an der engsten Stelle des Grundes ein Felsentor. Wanderer mittlerer Größe müssen hier den Kopf einziehen.

Was die Besucher Anfang des 18. Jh. über den Ottowalder Grund sagten

Viele bekannte aber auch unbekannte Künstler haben seit der Erschließung des Elbsandsteingebirges den Uttewalder Grund besucht. So der deutsche Schriftsteller Christian August Gottlob Eberhard Alias Ysop Lafleur, der 1798 in seinen Werken schrieb: “Der Weg ging über einige gelegte Bohlen zwischen den Felswänden so enge dahin, daß man eingeschlossen war, wie in den häßlichen Quergassen in Dresden …” * Ich behaupte einmal, die Gassen in Dresden sind das heute nicht mehr. Weiter schreibt er: “Ich mochte gar nicht hinsehen, so abscheulich sah es aus, immer ein Felsen höher und tiefer als wie der andere …” *

Oder wie beschrieb es 1831 der Dichter Karl Immermann: “… paar Stunden durch eine enttäuschend flache Hügellandschaft, und schon glaubte ich, die Sächsische Schweiz wolle mich täuschen, als der Hauderer (das waren Fuhrleute die gegen Geld Reisende kutschierten) hinter Lohmen uns gebot, auszusteigen, und der Führer uns auf fast senkrecht hinuntergehenden Stufen in den Ottewalder Grund brachte. Da waren wir mit einem Zauberschlage im wildesten Felsental.” *

Uttewalder Grund im Elbsandsteingebirge

Es waren diese Beschreibungen, die Reisende und Maler veranlassten, diese Orte zu besuchen. So auch den Maler Caspar David Friedrich, der 1800 das Felsentor zeichnete. Eine Kopie des Bildes könnt ihr übrigens auf einem Aufsteller am Waldidyll sehen. Er war nicht der Einzige der eines der Motive des Uttewalder Grundes in einem Bild festgehalten hat. Sicherlich aber einer der bekanntesten Maler. Wir werden ihm später noch einmal begegnen.

Zur Gastwirtschaft Waldidyll

Wir verlassen den schaurigen Grund, der wohl wegen der drei Felsblöcke so beschrieben wurde. Zumindest sagte das Carl Heinrich Nicolai 1801 in seinem “Wegweiser durch die Sächsischen Schweiz”. Es sind nur wenige Meter, da öffnet sich der Grund. Trotzig vor einer Felswand steht das hölzerne Haus der Gastwirtschaft Waldidyll. Idyllisch gelegen im wahrsten Sinne des Wortes. Sicherlich können die Besitzer einige Geschichten erzählen, welchen Naturgewalten das Haus seit 1790 standhalten musste.

An kühlen Tagen riecht man schon von Weitem den Rauch des Schornsteins, der euch in die Gaststube einlädt. Die Wirtsleute verwöhnen euch mit gutbürgerlicher Küche aus vorwiegend einheimischen Speisen. Bei gemütlicher Idylle und einem Bier fällt euch vielleicht auf, dass ich einmal vom Uttewalder Grund und einmal vom Ottowalder Grund gesprochen habe. Über die Sage vom Ottowalder Grund werde ich euch jetzt berichten. Derweil könnt ihr euer Bier gemütlich trinken.

Wie der Uttewalder Grund zu seinem Namen gkommen ist

Einst wohnte in der Gegend von Lohmen der Ritter Otto von Greifenstein. Im 13. Jahrhundert folgte auch dieser gläubige Ritter dem Ruf der Kreuzzüge. Es dauerte nicht lange, wurde der Ritter gefangen genommen und musste 17 Jahre lang einem seldschukischen Emir dienen. Als der deutsche Ritter bei einer Löwenjagd dem Emir das Leben rettete, bekam Otto von Greifenstein seine Freiheit zurück.

Der Ritter kam nach vielen Jahren der Gefangenschaft nach Hause. Da musste er feststellen, dass sein Land vom Landesherren und von der Kirche in Besitz genommen wurden. Man dachte der Ritter sei im Krieg umgekommen. Da beschloss der Ritter den Rest seines Lebens dem Herren zu widmen. Er zog in die Einöde fortan als frommer Einsiedler.

Als davon der Teufel erfuhr, wollte dieser den frommen Otto von seinem Weg abbringen. Der Teufel siedelte sich im Teufelsgrund (zweigt vom Wehlgrund ab) an und versuchte sein Ziel mit allen Mitteln teuflischer Kunst zu erreichen. Doch nichts konnte den frommen Otto von seinem Gelübde trennen. Als Otto eines Tages durch den Grund ging, packte dem Teufel die Wut. Er schleuderte Felsen auf den frommen Einsiedler. Genau, in dem Augenblick erschien, ein Engel und rückte die beiden Felswände so dicht zusammen das die Felsen über den frommen Mann abgefangen wurden.

Als die Menschen der Umgebung von diesem Wunder erfahren haben, verehrten sie den Einsiedler. Den tiefen schaurigen Grund mit den Felsblöcken nannten sie seit dieser Zeit Ottos Waldgrund. Später wurde Ottowalder Grund daraus. Warum er heute Uttewalder Grund heißt kann ich nicht belegen. Ich denke es wird wohl mit unserer sächsischen Aussprache etwas zu tun haben.

Weiter gehts in den Wehlgrund

Ihr solltet jetzt besser weitergehen. Zuviel Bier macht die Knie weich. Zuerst folgen wir noch dem unterirdischen Rinnsal durch den Uttewalder Grund. Irgendwo auf der rechten Seite gibt es eine kleine Höhle, wo früher Diebesgut versteckt wurde. Diese findet ihr vielerorts im Gebirge.

Nach einer Weile gelangt ihr in den Wehlgrund. Der Bach scheint auch hier ausgetrocknet zu sein. Dennoch ist das Bachbett massiv befestigt. Es kann nämlich auch schnell anders kommen. So wie 1822, wo ein Wolkenbruch hier eine zerstörerische Wasserflut ins Tal spülte. In Wehlen vielen den Wassermassen vier Häuser und zwei Brücken zum Opfer. Es ist also ein Bauwerk für die Urbanisierung. Ohne diesem würde hier im Tal die Wildnis weitergehen.

Bleibt hübsch neugierig. Denn im nächsten Artikel werdet ihr wieder Interessantes über den Malerweg erfahren.

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Literatur: * Der historische Malerweg: Frank Richter; Sagen und Märchen aus der Sächsischen Schweiz: Gundula Hubrich Messow


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