Radeln auf der Insel Rügen

Warum eine Radreise auf Rügen lohnend ist!

Insel Rügen im Karibikflair - Radrundreise insel Rügen

Wasser, karibisch weiße Sandstrände, königliche Felsen, Geschichte mit Geschichten, dampfbetriebene Inselnostalgie und Radwege, die Radlerherzen höher schlagen lassen. Was braucht ein Radler mehr?

Die rügensche Spaßbremse

Urlaub auf Rügen hat schon etwas Abenteuerliches. Widrige Winde von Norden her wehend, beeinflussen das Klima der Insel. Es scheint, als würde sich der Rügendamm in eine Wetterscheide verwandeln. Mal Sonnenschein aber fast immer eine dreißigprozentige Regenwahrscheinlichkeit wechseln ständig. Die Konstante ist der Wind.
Bis auf ein paar Hartgesottene mögen Tourenradler schönes Wetter. Auch bei Badeurlaubern liegen schnell die Nerven blank, wenn die Sonne nicht zu sehen ist. Deswegen beginnt die beste Zeit für Radtouren Mitte Juni und endet im August. Natürlich gibt es auch schöne Tage im September, besonders im Altweibersommer.

Berge an der Ostsee – das ist jetzt nicht wahr

Eine Insel vor dem meckpommerschen Flachland mit Bergen? Zumindest glaubt keiner an Berge, wo es die bessere Alternative ist, sein Rad zu schieben. Radler können überall auf Rügen mit Bergen rechnen. Die Höchsten sind auf der Halbinsel Jasmund mit dem 118 m hohen Königsstuhl oder dem 161 m hohen Piekberg. Rügen erwartet Da braucht man schon etwas sportlichen Ehrgeiz.

Nichtsdestotrotz hat Rügen ein gut ausgebautes und gut ausgeschildertes Radwegenetz.

Insel Rügen ht ein gutes Radwegenetz

Von mondänen Ostseebädern zum KdF-Bau Prora

In den Trubel der beiden bekanntesten Ostseebäder Binz und Sellin sollte sich jeder Urlauber einmal begeben. Die Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Bäderarchitektur ist heute noch ein Magnet für viele Urlauber. Imposant sind die Straßenkaffees, wo es auch das wohlschmeckende Störtebekerbier gibt.
Wer nähere Bekanntschaft mit dem Unterwasserleben der Ostsee schließen will, steigt in Sellin in die Tauchglocke. Ein Muss für jeden Hobbybiologen.
Ein Geheimtipp ist in jedem Fall Göhren. Die Südstrände sind hier naturbelassen und bieten daher etwas Ruhe vor dem großen Trubel der Badefreudigen. Zumindest ist es etwas Ruhe, die dieser Geheimtipp bietet.
Rustikal essen und trinken kann man gut in Middelhagen, im ältesten Gasthof der Insel Rügen – Zur Linde. Für die Rückfahrt vom Mönchgut, wo sich einst Mönche niedergelassen haben; könnt ihr auch den Rasenden Roland benutzen. Die Fahrt mit dem stählernen Dampfross erinnert an Zeiten, als die Seebäder noch nicht mit Autos erreichbar waren.

Insel Rügen - Rasender Roland

In nördlicher Richtung, von Binz aus gesehen, befindet sich Prora mit dem monströsen „Kraft durch Freude“ Bau. Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Zu DDR-Zeiten hat sich niemand an dieses Monstrum herangetraut. Zum Abreisen zu teuer und an Renovierung war gar nicht zu denken. Jetzt haben sich Investoren gefunden.
Allerdings ist hier das Sehenswerte der Strand hinter dem Bau. Wenn da der Kiefernwald aus Palmen bestehen würde und alles ein bisschen Wärme wäre, würden wir uns wie in der Karibik fühlen. Das Titelbild zeigt den Strand von Prora. Noch gibt es hier nur Besucher, die vor den überfüllten Stränden der Seebäder flüchten. Wenn die Renovierung des Monstrums fertig ist, werden sich sicherlich mehr Strandliebhaber einfinden.

Die Häfen Mukran und Sassnitz

Bevor ihr mit eurem Rad von Prora aus weiter nach Norden fahrt, empfehle ich dem Baumwipfelpfad, mit dem weithin sichtbaren Aussichtsturm “Adlerhorst”. Schon auf dem Weg nach oben, erfahrt ihr einiges über das Leben der Bäume; und oben angelangt, habt ihr bei klarer Sicht einen wunderschönen Rundumblick über die Insel.
Mukran wurde in den 1980er Jahren erbaut. Dieser war kein Geheimnis, wie einige Artikel namhafter Zeitungen geschrieben haben. Die Fertigstellung der Fährroute Mukran – Kleipeda (damals Sowjetunion), heute Baltikum diente dem Warenverkehr und sicherlich auch dem schnellen Transport von Waffen. Heute ist es besser, lieber schnell vorbei zu fahren. Der Geruch ist nicht gerade erfrischend.

Kap Arkona – hoch im Norden

Radler haben hier einen einmaligen Vorteil. Sie müssen nicht auf die Hummelbahn warten und sie müssen nicht, die zwei Kilometer zum Kap laufen. Ab dem Parkplatz Putgarten ist nämlich eine verkehrsfreie Zone eingerichtet.
Jetzt ist es vielleicht doch an der Zeit etwas zu Geschichte zu sagen. Unweit vom Kap befinden sich Reste slawischer Wallanlagen. Vor den slawischen Ranen hatten auf Rügen bis zur Großen Völkerwanderung im 4. Jahrhundert, die germanischen Rugier gesiedelt. Ob der Name Rügen von den Rugiern abstammt, darüber streiten sich die Gelehrten noch heute.
Nachdem die Rugier also nach Westungarn abgezogen sind, siedelten ab dem 7. Jahrhundert die Ranen auf der Insel. Sie errichten ihre heidnischen Tempel und Tempelburgen. Bei Arkona wurde eine Tempelanlage zu Ehren des Gottes Svantovit errichtet. Im Zuge der christlichen Missionierung östlicher Slawen wurde die Svantovit-Tempelburg Arkona durch den dänischen König Waldemar I. 1168 zerstört.
Viel ist nicht mehr zusehen, da haben die christlichen Missionare gute Arbeit geleistet. Den Rest hat der Zahn der Zeit erledigt.

Hiddensee – ein verstecktes Eiland

Diese Klarheit! Dieses stumme und mächtige Strömen des Lichts! Dazu die Freiheit im Wandern über die pfadlose Grastafel. Dazu der Salzgeschmack auf den Lippen. Das gerade bis zu Tränen erschütternde Brausen der See.
Das schrieb einst, der aus Schlesien stammende Wahlhiddenseer Gerhart Hauptmann. Von solchen Worten inspiriert, will doch jeder solch ein Eiland kennenlernen. Allerdings lebte der Schriftsteller bereits im 19. Jahrhundert. Seither hat sich so einiges verändert.
Der Trubel beginnt schon am Anleger der Fähre auf Rügen. Irgendwie hat sich herumgesprochen, dass Hiddensee eine einsame Insel ohne Autoverkehr ist. Es scheint so, als ob alle Urlauber der Insel Rügen auf die Insel Hiddensee wollen.
Die Fahrt über den Bodden ist windig und kühl. Also nehmt, ein paar warme Sachen mit, sonst könnt ihr vielleicht vor Kälte nicht mehr richtig in die Pedale treten.
Auf Hiddensee angekommen, will man nur noch den Trubel hinter sich lassen. Drei Richtungen sind möglich. Nach Norden schwärmen die meisten Touristen aus. Der Leuchtturm Dornbusch oder die Gartenlokale im kleinen Örtchen Kloster sind für viele das erklärte Ziel.

Insel Hiddensee - Leuchtturm Dornbusch

Die zweite Richtung führt nach Westen, wo es schöne Badestrände mit beeindruckender Brandung gibt, und die dritte Richtung führt nach Süden. Da geht es relativ ruhig zu, weil hier ein großes Schutzgebiet ist.
Hiddensee hat sich zu einer richtigen Touri-Insel entwickelt. Ruhe gibt es hier nur am frühen Morgen oder am Abend, wenn die Tagestouristen verschwunden sind. Mit dem Veschwinden der Tagestouristen endet auch die kleine Radlertour über die Inseln Rügen und Hiddensee.

No-Go

Abschließend noch ein ernstzunehmender Tipp! Ein Aufenthalt unter den Kreidefelsen, mögen diese noch so klein und der Platz darunter verlockend sein, ist ein No-Go. Das Gestein ist hier sehr brüchig und hat schon einige Menschen unter sich begraben. Einmal begraben heißt, Rettung ist aussichtslos!
REISETIPP
Fünf Gründe – Rügen mit dem Rad zu erobern
  1. Radfahrer vertragen jedes Wetter und sind nicht nur auf die Sonne angewiesen
  2. Baden ist fast immer drin, für alle die Wassertemperaturen ab 17°C vertragen.
  3. Gut angelegte Radwege mit guter Ausschilderung
  4. Sehenswertes, Geschichte und Geschichten gibt’s hier für jedermann; ihr braucht sie nur einsammeln
  5. Radler begegnen den Touristen vorwiegend in den Ballungszentren
Wart ihr schon auf der Insel Rügen? Was habt ihr als besonders interessant empfunden?

Bildnachweis

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