Passionsspiele in Oberammergau

Lüftelmalerei oberammergau - glöbnis zum passionsspiel
Lüftlmalerei – Gelöbnis zum Passionsspiel – Oberammergau

Ein Albtraum wird wahr – es regnet. So etwas sorgt allgemein für schlechte Laune. Gut, dass wir für solche Tage einen alternativen Plan haben. Ein Bildungstrip nach Oberammergau. Aller 10 Jahre finden die Passionsspiele in Oberammergau statt. Es wird Zeit mehr über dieses immaterielle Kulturerbe zu erfahren.

Was das Dorf in den Ammergauer Alpen berühmt machte

Schon morgens, sind keine Berge zu sehen. Die Wolken hängen tief über Grainau und es regnet. Statt Frühstück auf dem Balkon bleiben wir im Zimmer. Die Karte ausgebreitet, wird Oberammergau avisiert.

Ein Dorf, über das man nur aller 10 Jahre hört. Dann finden in Oberammergau 100 Tage lang die Passionsstspiele statt. Über 500.000 Besucher werden zu dieser Zeit erwartet. Im Festspielhaus von Oberammergau werden während dieser Zeit täglich fünf biblische Bilder über die letzten fünf Tage vor der Kreuzigung Jesus aufgeführt.

Auf die 5000 Seelengemeinde kommt da so einiges zu. Für das Mitwirken an den Passionsspielen dürfen sich nur Oberammergauer bewerben, oder Zugezogene, die hier mindestens 20 Jahre wohnen.

Als was die Freiwilligen mitwirken dürfen, legt das Festspielkomitee fest. Da passiert es schon mal, dass ein Bürgermeister am Einlass steht. Trotzdem ist das Mitwirken an den Festspielen für jeden Oberammergauer, egal ob klein oder groß eine Ehre.

Warum diese Festspiele aller 10 Jahre aufgeführt werden

Die Pest war laut der Bibel eine der 10 Plagen, mit denen Gott die Ägypter strafte. Immer wieder hauste, die sich seit dem 14. Jahrhundert pandemisch ausbreitende Pest in Europa. Streng Gläubige sagten, die Pest sei die Strafe Gottes für den Sittenverfall.

In Oberammergau wird das Jahr 1633 geschrieben. Die Pest tobt in dem kleinen Alpendorf – 80 Einwohner sterben. Sie glauben, es ist die Strafe Gottes für all ihre Sünden, die sie heimsuchte. Daraufhin geloben die Einwohner feierlich, regelmäßig Passionsspiele aufzuführen, damit Gottes Zorn das Dorf nicht mehr trifft.

Erstmals fanden die Passionsspiele 1634 statt, dann aller 10 Jahre. Ab 1680 wurden die Spiele zu jeder vollen Dekade aufgeführt. Das gilt auch heute noch. Diese Regelmäßigkeit und ihre zunehmende Professionalität machten die Oberammergauer Passionsspiele weltberühmt, sodass sie 2014 in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen wurden.

Nun aber genug zur Geschichte. Interessanter ist, wie sich Oberammergau den Besuchern zeigt, die außerhalb der Passionsspiele kommen.

Ein Dorf mit traditionellen Charme

Von unserem Urlaubsort Grainau aus umfahren wir die Ammergauer Alpen, über den Stau-Hotspot bei Oberau, durch das Ettal bis Oberammergau.

Einmal links abbiegen, einmal rechts – da! ein Parkplatz, der leer ist. Den nehmen wir. Es hört auf zu regnen. Kurzzeitig lichten sich die Wolken und hoch oben erscheint Oberammergaus Markenzeichen – der 1342 Meter hohe Kofel. Die Einheimischen sagen, er sieht wie das Matterhorn aus.

Oberammergaus Markenzeichen – der Kofel

Vom außerhalb befindlichen Parkplatz sind es nur wenige Meter bis zum Dorfkern. Bei regnerischem Wetter hat man diesen fast für sich allein. Auffällig sind viele Geschäfte, die Schnitzereien verkaufen. Vor allem werden religiöse Figuren und religiöse Motive angeboten – von klein bis lebens- und überlebensgroß.

Nicht schlecht habe ich gestaunt, als ich vor einem Schaufenster stand, in dem Motive erzgebirgischer Holzarbeiten angeboten werden. Eine große Pyramide, die in der untersten Etage eine Kurrende hat, wie ich diese aus dem erzgebirgischen Schnitzerdorf Seiffen kenne. Etwas Protestantisches in einer katholischen Hochburg? Rechts unten steht ein Schwibbogen mit der Seiffner Kirche. Hinzu kommen Raachermannl und Nussknacker. Da fühlt man sich doch gleich ganz heimisch.

Oberammergau erzgebigische Holzarbeiten
Motive erzgebirgischer Holzarbeiten in Oberammergau

Oberammergauer Lüftlmalerei

Was ist das? Diesen Begriff für die Fassadenmalerei habe ich noch nicht gehört. Obwohl diese bereits in der Antike verwendet wurde. In Oberammergau hat sich Ende des 18. Jahrhunderts F.S. Zwinck mit religiösen Motiven in der Oberammergauer Lüftlmalerei verdient gemacht. Drei Motive hat Zwinck am heutigen Kölblhaus verarbeitet. Oben „Gottvater mit Schmerzensmann“, in der Mitte, die „hl. Anna selbdritt. Das Bild ist leider bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Und über den Fenstern befinden sich Heiligenbilder. Am Fenster oben rechts, würde ich Petrus am Kreuz erkennen wollen.

Oberammergau Lüftelmaler Kölbhaus
Lüftlmalerei von Zwinck am Kölblhaus

Interessant fand ich, dass es einige Häuser in Oberammergau gibt, die größtenteils Holzverkleidung haben, nur die Hausfront ist aus Stein, geeignet für Lüftlmalerei. Auch hier ein religiöses Motiv. Nicht jeder scheint in der Vergangenheit Geld für ein komplettes Steinhaus gehabt, zu haben.

Oberammergau Lüftlmalerei am Stein-Holz Haus

Wann finden die nächsten Passionsspiele statt

Der Lockdown hat selbst das Gelübde der Oberammergauer durcheinandergebracht. Zum Aschermittwoch 2020 wurde noch planmäßig der Barterlass proklamiert. Danach beginnt die heiße Phase, in der sich über 2400 Einheimische auf ihre Aufgaben vorbereiten.

Für die Darsteller, die an den biblischen Bildern mitwirken, heißt das – sie müssen ab diesen Tag ihren Bart wachsen lassen. Ich kann mir richtig vorstellen, wie sich bei den Bartträgern mit jedem Millimeter gewachsenen Bartes, die Emotionen für die kommenden Geschehnisse verstärken.

Doch dann kam alles ganz anders: Lockdown, Veranstaltungsverbot. Die Arbeiten zur Vorbereitung der Passionsspiele sind mit riesigen Aufwand aller Beteiligten verbunden, den man nicht jährlich betreiben kann. So wurden die diesjährigen Passionsspiele in das Jahr 2022 verlegt.

Oberammergau Ticketverkauf

Auf dem Rückweg – vorbei am Pilatushaus

Kennt ihr Pontius Pilatus? Dem römischen Statthalter von Judäa bin ich schon in der Schweiz begegnet. Da als 2128 Meter hohen Berg mit der steilsten Zahnradbahn der Welt. In Oberammergau wird ein Haus nach ihm benannt. Das Pilatushaus ist ebenfalls ein von F.S. Zwinck mit Lüftlmalerei versehenes Haus. Hier zeigt sich eine weitere, ursprüngliche Art dieser Kunst. Das Verzieren einer Fassade mit Säulen am Eingang oder Malereien, die aufwendige Stuckarbeiten um die Fenster darstellen – in diesem Fall eine Scheinarchitektur darstellen.

Pilatushaus – Lüftlmalerei als Scheinarchitektur und als religiöses Fresko

Natürlich darf hier auch kein religiöses Fresko fehlen. Thema: Christus vor Pilatus. Pontius Pilatus wurde bekannt durch seine Verurteilung des Jesus von Nazaret durch den Tod am Kreuz.

Wenn wir schon mal dabei sind, fällt mir noch der Spruch ein: „Jemanden von Pontius zu Pilatus schicken.“ Nach dem Neuen Testament (Lukas 23, 6 – 11) wurde Jesus von Pilatus zu Herodes (römischer Bürger, der den zweiten Tempel in Jerusalem errichtete) geschickt. Dieser schickte Jesus zu Pilatus zurück. Daraus hat sich im 18. Jahrhundert das Sinnbild ergeben, jemanden zu einem anderen zu schicken, der ihn ohne Kommentar zurückschickt.

Es fängt wieder an zu regnen. Vom Pilatushaus zum Parkplatz ist es nicht weit. Auf unserer Rückfahrt machen wir noch einen kurzen Zwischenstopp im Ettaler Benediktinerkloster, ehe wir nach Grainau fahren.

Kurze Vorschau

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2 Gedanken zu „Passionsspiele in Oberammergau“

  1. Hallo Martina,
    den Spruch, erst machen wir Fernreisen, für Deutschland bleibt uns später noch Zeit, kenne ich sehr gut. Wenn man seinen Ansprüchen jedoch treu bleiben will, ist es besser, zumindest für körperlich anspruchsvolle Ziele noch fit zu sein. Die weißen Flecken in Deutschlands Reiseteppich sollte man nicht zu spät in Angriff nehmen.
    Dresden hat sich nach 35 Jahren sehr stark verändert. Vor allem der Neumarkt. Damals war von der Frauenkirche nur eine Ruine zu sehen. Insgesamt hat sich das Bild von Dresden sehr stark verändert. Manches wurde schöner und manches ist nicht so gut gelungen. Lasst euch einfach überraschen.
    Viele Grüße aus Dresden
    Peter Ehrlich

  2. Hallo Peter,
    Oberammergau ist immer wieder ein lohnendes Urlaubsziel. Ich war wiederholt dort. Und auch eine Wanderung auf den Kofel lohnt sich.
    Überhaupt ist Deutschland ein wunderbares Reiseland. Wir haben Deutschland als Reiseziel bisher auch nur vorwiegend für Kurztrips genutzt, da wir der Ansicht waren, dass wir Fernreisen machen sollten, solange wir das körperlich gut ertragen können. Durch Corona ist leider alles ganz anders geworden.
    Als Reiseziel für unseren diesen diesjährigen Jahresurlaub haben wird deine Heimatstadt Dresden ausgewählt. Ich freue mich sehr, Dresden nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal für eine längere Zeit zu besuchen und zu erleben, zumal Dresden vor mehr als 35 Jahren für mich Arbeitsort und Wahlheimat war.
    M. Claußnitzer

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