Picos de Europa am Rio Cares

Paradies Picos de Europa

Unbekanntes Paradies – die Picos de Europa

Im grünen Spanien zwischen Kantabrien und Galizien befindet sich das schönste Hochgebirge der Iberischen Halbinsel. Atemberaubend sind die tief eingeschnittenen Täler des Küstengebirges. Ein von deutschen Touristen nur wenig besuchtes Paradies für Wanderer und Autoreisende.

Zwischen der kantabrischen Kordillere und den Picos de Europa führt von der Costa Verde eine Straße bergan entlang des Rio Deva in südliche Richtung. In Panes mündet der Rio Cares in den Rio Deva. In dieses Tal fahren wir mit unseren Mietwagen.

Die Hänge werden steiler und rechter Hand fällt ein Berg auf, dessen Form bekannt erscheint. Im Moment verlangt die Kurferneiche Strecke meine Aufmerksamkeit. Plötzlich bietet sich eine Stelle zum Parken. Der Berg, der eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Matterhorn hat, war nicht mehr zu sehen.

1.) Arenas de Cabrales – Ausgangspunkt für Wandertouren

Ein beschauliches kleines Örtchen ist Arenas de Cabrales. Für Wanderer ein zentral liegender Ausgangspunkt, um Touren in dieser Region zu unternehmen. In Ortsmitte zweigt eine Straße nach Puente Poncebos ab. Die steilen Berghänge am Rio Cares werden immer beeindruckender. Man will immerzu fotografieren. Zum Halten findet sich jedoch kein geeigneter Platz. Man denkt, vielleicht hinter der nächsten Kurve. Doch schon ist man in Puente Pocebos. Hinter dem Tunnel verzweigt sich die Straße. Geradeaus beginnt in ein paar Hundert Metern die spektakuläre Wanderung durch das Carestal. Das ist einer der beliebtesten Wanderwege Spaniens.

2.) Mit der Bergbahn nach Bulnes – Aussicht zu den Picos

Links hinter der Brücke befindet sich ein kleiner Parkplatz. Die Straße führt weiter nach Tielve, wo der berühmte Queso Cabrales in Höhlen heranreift. Dieser würzige Blauschimmelkäse ist eine echte Delikatesse. Fährt man auf der Straße weiter, gelangt man nach Sortes. Ein guter Beginn für die Tour zur Berghütte am Urriellu.

Blick auf die Picos de Europa mit Pico Urriellu

Zurück vom kurzen Abstecher sind wir wieder auf dem Parkplatz an der Bulnes-Bahn. Wanderer gehen von hier zu Fuß entlang des „Canal del Tejo“. Autofahrer fahren mit der Bergbahn, die zweieinhalb Kilometer durch einen Tunnel bis in das abgeschiedene Fünfseelendorf Bulnes. Ein Schild zeigt nach einem Aussichtspunkt, den man in 15 Minuten erreicht.

Von hier sieht man den Berg der Berge, den 2518 Meter hohen Picu Urriellu. Er wird auch „Naran jo de Bulnes“, der orangefarbene Berg genannt. Bei tief stehender Sonne zeigt er diese Färbung. Kletterer haben den Pico Urriellu erst 1904 besteigen können.

Nur langsam löst man sich von diesem Anblick und kehrt zurück in das verschlafene Bergdorf. Hier laden zwei kleine Restaurants zum Verweilen ein.

3.) Cavadonga – das spanische Nationalheiligtum

Von Arenas de Cabrales fahren wir in Richtung Cangas de Onis. Eine Straßenkarte braucht man hier nicht. Man fährt immer geradeaus. Am ersten Kreisverkehr gibt es einen Abzweig zur Küstenstraße. Am zweiten Kreisverkehr in Soto de Cangas fährt man nach Cavadonga. Hier fallen am Straßenrand die zum Teil verfallenen Hórreos auf. Das sind ehemalige Speicher für Getreide, Obst und Kartoffeln, die man zum Schutz vor Nagetieren auf Pfähle gestellt hat.

Cavadonga Nationalheiligtum

Am etwas steilen Kreisverkehr zweigen wir nach Cavadonga ab, einem Nationalheiligtum und eine Wallfahrtsstätte der Spanier. Hier begann im Jahr 722 die Reconquista.

4.) Was ist die Reconquista?

Dazu müssen wir einmal kurz in die Vergangenheit blicken. Seit dem 7. Jahrhundert eroberte der Islam viele Länder Nordafrikas. Ab dem Jahr 711 besetzten maurische Heere die Iberische Halbinsel fast in einem Atemzug. Die Kordilleren im Norden waren ein natürliches Hindernis, welches nicht so leicht zu überwinden war. So konnte Fürst Don Pelayo ein kleines Heer aufstellen und eine maurische Truppe bei Cavadonga besiegen. Ab diesem Zeitpunkt begann die Reconquista. „Conquista“ bedeutet so viel, wie erobern. Die Vorsilbe „Re“ heißt zurück. Die Reconquista erobert die muslimisch besetzten Gebiete zurück und setz hier gleichzeitig den Beginn der spanischen Nation.

Ob die Ruta de la Reconquista wirklich entlang des Weges der Konquistadoren führt, von Cavadonga bis ins südliche Cosgaya, bleibt zu bezweifeln. Heute ist sie jedenfalls eine 70 Kilometer lange Wanderroute quer durch die Picos de Europa.

Von Cavadonga führt eine schmale kurvenreiche Straße zu den beiden Gletscherseen Lago Enol und Lago Ercina. Autofahrer können einen Aussichtspunkt in der Nähe des Parkplatzes besuchen und für Wanderer beginnen hier ein paar schöne Touren.

5.) Von Cangas de Onis aus auf Südtour

Vom Kreisverkehr in Soto de Cangas ist es nur ein Katzensprung bis Cangas de Onis. Das Städtchen hat zwar ein paar interessante Bauwerke, die gehen jedoch im Neubaudschungel der Stadt unter. Sehenswert ist die romanische Brücke, die im römischen Baustil errichtet wurde. Nach der bisher beschriebenen Tour wird es Zeit eine Unterkunft zu suchen. In Cangas de Onis ist ein Parador, der nach den Anstrengungen des Tages ein feines spanisches Ambiente bietet.

Romanische Brücke in Cangas de Onis

Am nächsten Tag geht es zumindest für Autoreisende auf Südtour. Bis zum nächsten Reiseziel Fuente Dé sind es etwa 150 Kilometer. Das klingt zwar wenig, aber die schmalen und engen Straßen lassen keine hohen Geschwindigkeiten zu. Und etwas sehen will man ja schließlich auch noch.

Zuerst geht es durch das Enge und bezaubernder Tal des Rio Sella in Richtung Riano. In Puerto del Pontón zweigen wir in Richtung Posada de Valdeón ab und fahren über die Gebirgsstraßen in das idyllische Bergdörfchen. Ein Fotostopp sollte hier unbedingt geplant werden.

Wandern in den Picos de Europa bei Fuente De

Wanderer können von Posada de Valdeón aus auch ein paar Touren unternehmen. Allerdings sollte man dann auf der Südseite der Picos eine Unterkunft haben. Eine Anreise von Cabrales ist zu weit für eine Kombinatioin mit einer Tageswanderung.

Obwohl es von Posada de Valdeón bis Fuente Dé etwa 10 Kilometer Luftlinie sind, ist der Weg für das Auto noch 80 Kilometer. In Fuente Dé erwartet Sie wieder ein Parador, der an sonnigen Abenden ein feines Ambiente bietet. Am nächsten Morgen lohnt es, mit der Seilbahn auf über 1800 Meter Höhe zu fahren und die schönen Aussichten auf die Picos zu genießen.

Für Wanderer, die in Arenas de Cabrales übernachten, lohnt sich die Anfahrt nach Fuente Dé. Hier beginnen Wanderungen auf die höchsten Berge und schöne Rundwanderungen.

6.) Ein letztes Mal – Traumtal Rio Deva

Über Potes fährt man in das Tal des Rio Deva. Der Fluss wird eingeklemmt durch die mächtigen Massive der Picos de Europa und die ebenfalls über 2000 Meter hohen Berge der Sierra de Pena. Ein letztes Mal stockt der Atem beim Fahren. Das Tal wird immer enger. So eng, dass es scheinbar keinen Platz für ein Nebeneinander von Rio Deva und der Verbindungsstraße nach Panes gibt. Gäbe es hier keine Straße, wäre das Tal eine traumhafte Wanderidylle.

In Panes sollten wir nach links schauen, da sehen wir wieder den Berg, der an das Matterhorn der Alpen erinnert.

Es gibt noch viel erlebenswertes in dieser Region. Schließlich sind wir in Spanien. Ein Land der Lebensfreude. Da wird jedes Wochenende irgendwo eine Fiesta veranstaltet. In Arenas de Cabrales haben wir die „Solo Runners“ mit angefeuert und gefeiert. Läufer, die lockeren Schrittes durch die Picos gerannt sind.

Am Strand von Gijon

Auch Städte, wie Gijon, Oviedo, Santander oder Bilbao haben ihre Reize. Nicht zuletzt die feinsandigen Badebuchten der Costa Verde. Am besten entdeckt man sie, wenn man an der Küstenstraße entlang fährt. Zahlreiche Hinweisschilder mit der Aufschrift Playa weisen zu den Stränden. Wer hier allerdings Badehotels, wie auf Mallorca sucht, bleibt ergebnislos.

7.) Tipps für die Reiseplanung

  • Als Flughäfen empfehle ich Bilbao, Santander oder Oviedo
  • Es gibt keine Pauschalreisen in diese Region, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man viele Ziele in der Region umständlich oder gar nicht. Ein Mietwagen ist die beste Alternative.
  • Autoreisende können in Paradores gut übernachten. Sie befinden sich meist an sehenswerten Orten und haben ein Gewisses Etwas.
  • Wanderfreunde übernachten am besten in Arenas de Cabrales. Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt für Tagestouren von Cavadonga bis Fuente Dé.
  • In Spanisch oder Englisch sollte man sich verständigen können. Deutsch wird in der Region kaum gesprochen.
  • An Wochenenden werden vielerorts Fiestas begangen oder sind spanische Familien selbst aktiv. Die Ruta del Cara wird dann zum Wallfahrtsort und Cavadonga mit Reisebussen übersät.
  • Die beste Reisezeit ist Mai / Juni oder September / Oktober. Wanderer, die die hohen Gipfel erklimmen wollen, sollten den September nutzen. Dann ist mit weniger Schnee auf den Gipfeln zu rechnen. Im Juli und August ist Hochsaison. Diese Zeit nutzen viele Spanier für ihren eigenen Urlaub.
  • Wenn wir mit „Unbekanntes Paradies der Picos de Europa“ begonnen haben, sollte es jetzt zu einem greifbaren Urlaubsziel geworden sein. Vielleicht heißt es dann nächstes Jahr nicht mehr, wir fahren in die Alpen, sondern
REISETIPP

Als Reise empfehle ich eine Organisierte 8-tägige Wanderreise für individuelle. Warum? Weil es wenig Rundwanderungen gibt und die von Reiseveranstaltern angebotenen Transfers sehr nützlich sind.

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