Kubas rebellischer Osten

Kubas rebellischer Osten

Als würden wir in das NICHTS fahren. Eintönige Ebenen mit riesigen Zuckerrohrplantagen. Unsere Reise führt uns in den rebellischen Osten. Dahin, wo Kubas Unabhängigkeitsbewegung begonnen hat. Dann sehen wir uns an, wie Kubaner im Dschungel leben. Und, wir unternehmen eine abenteuerliche Fahrt in die Nähe des berüchtigten Stützpunktes Guantanamo Bay.

Bayamo – wo die Unabhängigkeitsbewegung begonnen hat

Lange Busfahrten sind zumindest für mich ein Albtraum. Ich bin froh, als ich die längste Busetappe überstanden habe. Nach einem kurzen Museumsbesuch haben wir das Städtchen wieder verlassen. Obwohl Bayamo die Stadt ist, wo die kubanische Unabhängigkeitsbewegung begonnen hat.

Denn es war Carlos Manuel de Cépedes, der Besitzer einer Zuckerrohrplantage, der am 10. Oktober 1868 alle seine Sklaven freigelassen hat. In einem Aufruf forderte er die Gleichheit aller Menschen, egal ob weiß oder schwarz sowie die Unabhängigkeit von der spanischen Kolonialmacht.

Neben Cérpedes Sklaven haben sich viele Plantagenbesitzer und Sklaven der Befreiungsbewegung angeschlossen. Dieser Befreiungskampf wurde von den Spaniern niedergeschlagen. Dennoch gilt Cérpedes als „Patre de la Patria“ – Vater des Vaterlandes und Begründer Kubas.

Die Befreiung von der Kolonialmacht Spanien gelang erst 1895 mit Rosé Marti. Jedoch starb der Journalist und Schriftsteller schon in den ersten Tagen des Kampfes. Weil ich gerade dabei bin. Der dritte Kämpfer für die kubanische Unabhängigkeit ist Fidel Castro.

Die kubanische Revolution heißt nicht nur Fidel Castro

Mit anderen Worten: Carlos Manuel de Cérpedes, José Marti und Fidel Castro sind die drei gleichberechtigten Träger der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung. Alle drei haben das kubanische Volk stückweise von ihrem Joch befreit. Cérpedes von der Sklaverei, Marti von der Kolonialmacht Spanien und Castro von Fulgencio Batista.

Wer Kuba verstehen will, darf diesen Zusammenhang nicht außer Acht lassen. Kuba ist, wie es ist. Niemand sollte Kuba in eine Schublade des Sozialismus oder des Kapitalismus stecken. Denn das, ist das Einzige, was wirklich falsch ist.

Im Dschungel – Valle Puerto Rico

Nach unserem revolutionären Abstecher fahren wir in die Berge der Sierra Maestra. Der Bus biegt von der Hauptstraße ab. Auf der Schotterstraße werden wird gehörig durchgeschüttelt. Das hat unseren Knochen so einiges abverlangt, kommt aber nicht an die Schüttelei auf nepalesischen Straßen ran. Gefühlt sind wir eine Ewigkeit gefahren. Dann endlich, ein Hotel wie im Paradies, mitten im Dschungel.

Kubas rebellischer Osten - Hotel im Valle Puerto Rico

Idyllisch an einem kleinen Flüsschen liegt das Hotel. Alle Balkone der Unterkünfte zeigen zur Südseite. Nach dem Bezug unserer Zimmer treffen sich alle für den ersten Wandertrip.

Die Sache mit Maria

Theo unseren Local-Giude kennen wir schon von der Rezeption des Hotels. Er führt uns zu ein paar Bäuerinnen der näheren Umgebung. Das Leben im Dschungel ist schlicht und einfach. Was auffällt: Die Häuser können noch so weit vom nächsten Ort entfernt sein, einen Stromanschluss scheinen alle zu haben.

Am Eingang eines Grundstücks warten wir. Vor dem Gartenzuaun sehen wir drei Steine, die Fidel und Raul Castro verehren. Theo ruft die Besitzer des Grundstückes. Dann werden wir eingelassen.

Maria serviert uns Kaffee natürlich aus eigener Produktion und präsentiert uns Kakaokugeln zum Kauf.

Einen Blick zur heimischen Kochstelle riskieren wir auch. Der Anblick ist ungewohnt und versetzt uns in die Zeit des Mittelalters. Eine mit Sand gefüllte Holzkiste. Außerhalb der Mitte ist eine Rinne mit Steinen umgeben. Auf einem Metallgitter steht ein rußverschmierter Kochtopf. In ihm köchelt Wasser über dem Holzfeuer.

In Zeiten von Induktionsherdplatten ist das kaum noch vorstellbar.

Kubas rebellischer Osten - Herd in der ländlichen Küche

Unvergesslicher Wandertrip mit Local-Guide Richard

Unser zweiter Trip an diesem Tag führt uns weiter in den Dschungel. Steil wandern wir bergan bis auf eine Anhöhe. Hier wohnt Theos Familie mit Ehefrau Katja und Sohn. Als dritten Job bewirtschaftet Theo neben seiner Arbeit im Hotel und Guide diesen kleinen Bauernhof. Richard erklärt uns, dass Theo mit zu den wohlhabenden Bauer gehört. Er besitzt viele Tiere und hat eine große Betonfläche (5 x 3 m) zum Trocknen der Kaffeefrüchte.

Die Anhöhe gegenüber besuchen wir auch. Hier wohnen zwei ältere Frauen, die das kleine Anwesen bewirtschaften. Auch von ihnen werden wir zu einer Tasse hausgemachten Kaffee eingeladen. So schlicht die Wohnverhältnisse auch sind, in der kleinen Stube steht ein Fernseher, eine Glasvitrine und eine mit Fußkraft bediente Nähmaschine.

Kubas rebellischer Osten - Wohnzimmer im Dschungel

Vor ihrem Häuschen haben die Bäuerinnen einen kleinen Kräutergarten. Die angebauten Pflanzen helfen den naturheilkundigen Frauen bei kleineren Beschwerden. Richard erklärt uns, dass solche kleinen Bauernhöfe meist nur zur Selbstversorgung dienen.

Kubas rebellischer Osten - Haus im Dschungel

Abschließend besuchen wir Jovanny, ein echter Fan von Ché (siehe Beitragsbild). Er schneidet gekonnt mit seiner Machete Kostproben von verschiedenen Früchten für uns. Dabei posiert er vor unseren Fotoapparaten. Er ist aber dennoch sympathisch.

Kubanischer Wallfahrtsort Cobe

Heute fahren wir weiter durch die Berge der Sierra Maestra. Schon vom Weiten sind die beiden Türme der Wallfahrtskirche zu sehen. Hier wird die heilige Jungfrau der Barmherzigkeit Göttin der Liebe, des Sex und der Fruchtbarkeit verehrt.

Kubas rebellischer Osten - Wallfahrtskirche in Cobe

Die katholische Heilige wird auch als die afrokubanische Göttin Ochún verehrt. Sie ist die von den schwarzen Sklaven aus ihrer Heimat mitgebrachte Göttin der Liebe und des Goldes.

Viele Wundertaten werden der Schutzheiligen nachgesagt. In der Kirche sind viele Gehhilfen und andere Gegenstände ausgestellt, die nach Genesung der Gläubigen als Zeichen ihrer Dankbarkeit dargebracht wurden. Auf unserer Reise haben wir keine prunkvollere Kirche gesehen.

Santiago de Cuba und Fidels erste Rebellion

Boah eh, ist das heiß, als wir den klimatisierten Bus verlassen. Vor uns ist die Moncada-Kaserene. Der Ort, an dem am 26. Juli 1953 Fidel Castros erster Befreiungsversuch vom Batista-Regime fehlgeschlagen ist.

Kubas rebellischer Osten - Moncada-Kaserne

Ein zu früh gefallener Schuss hat Batistas Soldaten in der Kaserne gewarnt, sodass es zu keinem Überraschungsangriff der Rebellen kam. Daraufhin brachte das Batista-Regime viele der Rebellen und ihrer Anhänger grausam um. Heute sind die Tage des Aufstandes um den 26. Juli zu Nationalfeiertagen erklärt.

Gedankenversunken durch die Schilderung der Ereignisse um den 26. Juli fahren wir zum „Cemente rio Santa Ifigenia“ dem Friedhof der bekanntesten Persönlichkeiten Kubas. Das heißt, also nicht nur Fidel Castro, sondern auch José Marti, der sogar ein eigens errichtetes Mausoleum bekommen hat oder das Familiengrab der Familie Barcadi, die nach Fidels Revolution in die USA ausgewandert ist.

Beeindruckend ist die Wachablösung. Nach Musik im Stechschritt, ohne bei der Wiedereingliederung der Soldaten in die Marschkolonne stehen zu bleiben wird das Ritual vollzogen. Unglaublich präzise. Hut ab und das bei 30 Grad.

Kubas rebellischer Osten - Wachablösung auf dem Friedhof bekannter Persönlichkeiten Kubas

Heute übernachten wir in einem Hotel der Melia-Kette. Sehr schön, passt aber nicht so richtig zu unserer Reise. Bisher hatten wir nur typisch kubanische Unterkünfte.

Guantanamo Bay – berühmt berüchtigt

Vom amerikanischen Stützpunkt Guantanamo auf Kuba hat wohl jeder schon mal gehört. Wenn alles klappt, bekommen wir den Stützpunkt heute zu Gesicht. Anfangs fahren wir auf einer gut ausgebauten Straße. Sie scheint endlos zu sein. Dann ein Kontrollpunkt. Alle müssen ihren Pass zur Kontrolle abgeben. Nach endlos erscheinender Zeit bekommt unser Busfahrer das Zeichen zur Weiterfahrt.

Wieder eine längere Fahrt und ein weiterer Kontrollpunkt mit dem gleichen Spiel. Die Fahrt geht weiter. Ein dritter Kontrollpunkt. Als wir jetzt das Zeichen zur Weiterfahrt bekommen, sagt unser kubanischer Reiseleiter Ochastes: Jetzt haben wir es geschafft. Es gibt keine weiteren Kontrollen.

Zu unserem Erstaunen steigen wir an einem kleinen Hotel aus. Laute Musik am Pool ansonsten nur eine Familie. Wie soll hier auch nach solchen Kontrollen jemand Urlaub machen.

Eine Angestellte des Hotels kommt mit einem Fernglas auf uns zu. Sie führt uns auf einen kleinen Turm … und … in weiter Ferne ein Hügel, wo die Antennenanlage nur durch das Fernglas zu sehen ist.

Etwas enttäuscht sind wir alle. Richtig bedacht, ist das aber OK. Schließlich stehen sich hier bewaffnete Soldaten gegenüber. Da kann sich schon mal ein Schuss verirren. Also diese Entfernung von etwa fünf Kilometern dient zu unserer Sicherheit.

Kakao-Produzentin Lisbeth und ein angenehmes Bad im Atlantik

Habt ihr schon gewusst, dass die Kakaofrüchte, wenn sie geerntet werden weiß und geschmacklos sind? Lisbeth wohnt in ländlicher Gegend verarbeitet Kakaofrüchte und bietet selbst hergestellten Kakao neben anderen Produkten Touristen zum Verkauf an.

Wie mühselig und zeitaufwendig die Arbeiten sind, seht ihr an den Bildern. Klar haben wir auch eine Kostprobe von Lisbeth bekommen.

Lisbeths Kakao schmeckt natürlich nicht wie unserer daheim. Deren Geschmack wird mit Zucker und anderen Zutaten verfeinert. Das sieht man beim Trinken in den Gesichtern. Auf jeden Fall hat Lisbeth gute Geschäfte mit uns gemacht.

Ein Highlight haben wir heute auf unserer kleinen Wanderung. Wir baden heute im Atlantik. Eine richtige Wohltat. Die Wassertemperatur ist bedeutend niedriger als in der Karibik. Gefühlte 25 Grad.

Kubas rebellischer Osten - Atlantik, Badebucht von Mata

An dieser kleinen Badebucht von Mata entstand auch dieses Foto. Das sind keine Abfälle der nahe wohnenden Einheimischen, sondern diese werden vom Meer angespült.

Kubas rebellischer Osten - Atlantik, Abfälle kommen vom Meer

Alles inklusive-Sünde im Strandhotel und Abschied

Unsere Reise neigt sich dem Ende. Spät abends kommen wir im Memories Holguin an. Ihr werdet das kaum glauben, aber meine Frau und ich sind das erste Mal in einem „alles inklusive Hotel“. Für ein Bad im Atlantik ist es schon zu spät. Also auf zur Bar. Den Gedanken haben wir nicht allein. Auf der Karte finden wir all unsere lieb gewonnenen Getränke.

Am nächsten Morgen haben wir uns es nicht nehmen lassen, noch einmal im Atlantik baden zu gehen. Das ist unser Abschied von einem wunderschönen Land mit liebenswerten Menschen.

Kubas rebellischer Osten - Atlantik, Hotelststrand

Was ich mit nach Hause nehme

Erinnerungen! Aber nicht nur das. Könnt ihr euch noch an die Einleitung meines ersten Blogbeitrages erinnern: „Oft höre ich: Kuba – vor allem Havanna, kannst du nur solange besuchen, wie Fidel Castros Sozialismus existiert.“ So einseitig darf Kubas Entwicklung nicht gesehen werden. Welchen Weg Kuba künftig einschlägt, bleibt abzuwarten.

Bei uns in Deutschland wird immer wieder über die Gleichberechtigung der Frauen gesprochen. In Kuba nehmen Frauen das Zepter selbst in die Hand und tun etwas. Auffällig wird das durch die allgegenwärtige Präsens der Frauen. Egal ob es die Chefin vom „Van Van“ in Havanna, die redseligen Frauen in den Museen, die 80-jährige Maria oder Lisbeth mit ihrer Kakao-Manufaktur ist. Möglich ist das, weil viele Frauen in Schlüsselpositionen arbeiten.

Außerordentlich beeindruckt hat mich das Wissen der Kubaner über pflanzliche Medizin. Auch wenn ein modernes Gesundheitswesen diese immer mehr zu verdrängen scheint. Der praktische Einsatz junger Ärzte weit ab der Möglichkeiten moderner Medizin ist eine gute Schule.

Es gibt noch viele solcher Eindrücke, die ich hier aufführen könnte. Schlussendlich sage ich, diese Reise wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Habe ich mich früher gefragt, was ich in Kuba erleben kann, ist das heute anders. Heute beende ich diese Beitragsserie über Kuba mit meinem Slogan: Aktiv erleben, was dir kein Buch dieser Welt beschreiben kann.

Solltet ihr die gleiche Reise einmal buchen, dann kann ich euch garantieren, dass ihr ganz andere Erlebnisse mit nach Hause bringt!


2 Gedanken zu „Kubas rebellischer Osten“

  1. Hallo Peter,
    mit Spannung habe ich die Reisebeschreibung deiner Kubareise verfolgt. Es erinnert mich an unsere Rundreise auf Kuba vor ca. 6 – 7 Jahren, war noch zu Lebzeiten von Fidel Castro. Das Land ist wunderschön. Selbst die kleinen Unzulänglichkeiten, die aus den Defiziten der Mangelwirtschaft und des Warenboykotts ja immer mal auftauchen, konnten uns, die wir selbst die ersten drei Jahrzehnte unseres Lebens in der Mangelwirtschaft verbracht haben, absolut nichts anhaben. Das haben wir ganz locker genommen. Es war wunderbar zu sehen, wie gelassen die Kubaner ihr doch hartes Leben annehmen. Andererseits hat es mir das Herz zusammengeschnürt, als ich sehen musste, in welch einem maroden Zustand die Häuser Havannas aus der Kolonialzeit sind, und dass Menschen in diesen Häusern leben.
    Danke, dass du in dieser für uns alle schweren Zeit und für die Reisebranche besonders schwierigen Zeit trotzdem die Muße hast, um diese tollen Texte zu schreiben.

    1. Hallo Martina,
      vielen Dank für Deine anerkennenden Worte und die treffende Zusammenfassung meiner Beiträge. Ich selbst bin ja auch in einer Mangelwirtschaft groß geworden und kann den Zustand in Havanna nicht ganz teilen. Das mag vielleicht daran liegen, das seit deinem Besuch einige Jahre vergangen sind, oder, ich das aus meiner Sichtweise nicht so wahrgenommen habe. Aufgefallen ist mir in Havanna, das viele Häuser gestrichen werden und ein farbenfrohes Äußeres erhalten. Klar, einiges ist schon noch zu machen. Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus Kuba mitgenommen habe, sind, dass Kuba seinen eigenen Weg beschreitet unabhängig von Washington, Moskau und Peking und das herzliche Lachen der Kubaner.

      Herzliche Grüße aus Dresden
      Peter

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