Kubas koloniales Erbe

Kubaner sind anders! Geprägt durch ihre Vergangenheit als Sklaven bewerten sie die Dinge des Lebens anders als wir in Europa. Wir besuchen zwei Perlen kolonialen Glanzes – Cienfuegos und Trinidad. Beide glänzen heute mit unverwechselbarem Charme. Bis wir diese zwei Städte erreichen, erfahren wir denkwürdiges.

Unterwegs zu den Perlen an der Karibik

Gespannt auf die uns erwartenden Erlebnisse fahren wir heute gen Osten. 300 km können sehr lang sein. Ihr kennt das sicher auch. Lange Busfahrten machen müde.

Einige haben es sich bereits im Bus bequem gemacht. Andere starren durch die Fenster und lassen die Landschaftsbilder vorüberziehen.

Damit die verstreichende Zeit für uns kurzweilig wird, erzählt uns Orestes über sein Land. Manches klingt unwirklich, und manches lässt uns aufhören.

Kuba hat eines der anerkanntesten Gesundheitssysteme der Welt

Das passt so ganz und gar nicht in unser Weltbild. Ein wirtschaftlich armes Land mit einem weltweit anerkannten Gesundheitswesen. Wie geht denn das?

Kuba hat ein kostenfreies Schulsystem. Auch das Studium ist kostenfrei. Soweit, sogut. Das kennen wir das von vielen Ländern. Jedoch müssen Kubas Absolventen nach dem fertigen Studium ein Jahr im Ausland arbeiten, um einen Teil der Studiengebühren zurückzuzahlen.

Das tun sie nicht an renommierten Hochschulen oder Unis, sondern da, wo Ärztemangel herrscht. Wie beispielsweise in lateinamerikanischen Ländern. Sie lernen nicht Hightech, sondern sie lernen heilen mit vorhandenen Ressourcen. Ich finde, das würde unseren Absolventen auch sehr guttun.

Naturheilkunde spielt dabei einen wesentlichen Faktor. Im Beitrag Vinales und Kubas Westen hatte ich schon erwähnt, dass Che Guevara die Bevölkerung in Naturheilkunde aufklären ließ. Dieses Zitat von ihm habe ich vor einiger Zeit gefunden.

Je besser die Menschen über Medizin Bescheid wissen, umso besser sind sie in der Lage sich gegen Krankheiten zu wappnen. Ärzte sollten nur in Notfällen intervenieren.

Warum baut Kuba keine Atomkraftwerke

Endlich eine Fahrpause. Morgens um 10 natürlich mit einer Pina Colada. Und schon geht es weiter.

Kurz bevor allen die Müdigkeit überkommt, erzählt uns Orastes von der Ruine eines Atomkraftwerkes, welche sich ganz in der Nähe befindet.

Ihr kennt doch alle die Atom-Katastrophe von 1986 in Tschernobyl. Die Sowjetunion hatte damals viele verstrahlte Kinder. Sie bat Kuba um Hilfe. Viele Kinder wurden nach Kuba zum Behandeln gebracht.

Fidel Castro besuchte das Krankenhaus in der Nähe von Cienfuegos. Was er sah, schockierte ihn. Daraufhin stoppte Castro den schon begonnenen Bau des Atomkraftwerkes. Das nenne ich mal einen Charakter mit Entscheidungskraft. Zumal mir aufgefallen ist, dass der Strom bis in die entlegenste Hütte bereitgestellt wird.

Die legendäre Schweinebucht

Langsam nähern wir uns dem ersten Besichtigungsstopp des Tages – der legendären Schweinebucht. Im April 1961 haben hier unter Leitung der CIA 1400 Exilkubaner einen Putsch gegen Fidel Castro inszenieren wollen. Sechs Kilometer währte ihr Einmarsch, dann wurden die Eindringlinge gestoppt. Heute erinnert eine Tafel an den Putschversuch. Wir fahren mit unserem Bus an der Gedenktafel vorbei.

Wer sind Erfinder des Rauchens und was wurde aus ihnen

Die Taino-Indianer sind zwar nicht die Ureinwohner, waren aber weitverbreitet. Als Kolumbus im Oktober 1492 auf Kuba landete, war er erstaunt. Er fand eine üppige Natur, spärlich gekleidete Menschen, die Rauch durch ein Pflanzenblatt saugen und durch die Nase wieder ausstoßen.

Seit dem Europäer einen Fuß auf diese Insel gesetzt haben, verschlechterte sich ihr Leben extrem. Die Konquistadoren brauchten keine 10 Jahre um die Indios fast auszurotten. Eine Handvoll der Tainos soll noch heute im äußersten Osten Kubas leben.

Bevor die Spanier Kubas eroberten, plünderten sie auf Espaniola, die heutige Dominikanischen Republik und Haiti. Ein Indianerhäuptling Namens Hatuey floh nach Kuba und wollte die Einwohner vor den Spaniern warnen.

Bei Baracoa einem Ort weit im Osten, wo einst auch Kolumbus gelandet ist, wurde Hatuey von den Spaniern gefasst. Sie binden ihn an einen Baum und zündeten unter ihm das Feuer an.

Ein Priester sagte zu Hatuey, es sei seine letzte Chance zum Christentum zu konvertieren, um nach dem Feuertod in den Himmel zu den anderen guten Christen zu kommen. Hatuey erwiderte kurz: Dann wolle er lieber zur Hölle fahren, um diese grausamen Menschen nie mehr sehen zu müssen.

Auch Hatuey ist ein kubanischer Held. Seine Büste steht auf dem Marktplatz von Baracoa.

Kubas koloniales Erbe - mit dem Speedboot auf die Halbinsel Sapata

Den Bus haben wir verlassen und steigen jetzt in ein schaukelndes Speedboot ein. Dröhnender Lärm und Schnelligkeit dominieren während der Fahrt. Die Ankunft auf der Halbinsel Zapata ist eine Wohltat für unsere Ohren.

Das Indianerdorf Aldea Taina steht auf Pfahlbauten im Wasser. Es erinnert an die Ureinwohner Kubas. Skulpturen widerspiegeln die Lebensweise dieses Volkes.

Endlich baden in der Karibik

Doch bevor wir uns dem Wasservergnügen widmen, fahren wir gefühlte endlose Kilometer am Ufer entlang. An einem öffentlichen Strandabschnitt halten wir.

Etwas enttäuscht bin ich schon. Statt eines feinen Sandstrand ist der Uferbereich meist felsig mit groben Kies untersetzt. Dafür ist im Wasser, wo wir eh schwimmen feinster Sand.

Barfuß eiere ich über Kies und Felsen. Von Laufen kann da keine Rede sein. Ich hätte sollen meine wasserfesten Sandalen nicht so tief im Koffer vergraben.

Das Wasser ist hier sehr salzhaltig. Da kann man sich einfach ins Wasser legen, ohne unterzugehen. Schnorchler kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer etwas tiefer tauchen will, hat allerdings ein Problem mit dem Auftrieb des Wassers.

Erfrischend fand ich das Bad auch nicht. Bei gefühlten 29 Grad ist mir das viel zu warm. Ich schau zu Orestes, sehe ein Lächeln. Dann sagt er, das sind richtige Temperaturen zum Baden.

Kolonialer Glanz in Cienfuegos

Nachmittags kommen wir in der Altstadt von Cienfuegos an. Bis zum Hauptplatz Parque Marti laufen wir entlang farbenprächtiger und eleganter Häuser.

Kubas koloniales Erbe - Cienfuegos

Der ehemalige Reichtum dieser Stadt ist in der mit neuem Anstrich versehenen Architektur unverkennbar. Schön finde ich dieses Städtchen. Anderseits ist dieser Glanz durch Schweiß und und Leiden der Sklaven entstanden. Durch den Handel mit Zucker, Vieh, Tabak un Menschen wurde diese Stadt sehr reich.

Stolz sind die Einheimischen auf ihr Teatro Tomás Terry. Hier ist das Bolschoiballett aufgetreten und Anfang des 20. Jahrhundert sang der weltberühmte Tenor Enrico Caruso.

Caruso ist sicherlich ein Ohrenschmaus für Liebhaber klassischer Melodien. Vor längerer Zeit habe ich mal eine Schallplatte von Caruso gehört. Na ja, ich höre mir gerne mal wohlklingende klassische Musik an, die melodische Schönheit Carusos ist mir verborgen geblieben.

Ich schlendere über den Platz vor dem Theater, da fällt mir eine Frau auf, deren Mode mich an die Biedermeierzeit erinnert.

Kubas koloniales Erbe - Frau in Cienfuegos

Zwei Frauen auf einer Bank erkennen uns „Touris“ schon vom Weiten. Auch das wir Deutsche sind, als hätten wir eine Deutschlandfahne auf der Stirn. Sie fragen uns in Deutsch nach Kulis und Seife. Niemand von uns hat dergleichen mit. Von Orestes erfahren wir, dass Kosmetik in Kuba Mangelware ist. Also wer nach Kuba reist, kann mit Seife und Kulis Freude bereiten.

Nach dem Rundgang durch Cienfuegos fahren wir zu unseren Unterkünften. Heute übernachten wir erstmals bei Einheimischen in einer Casa Particular. Das sind nach unseren Maßstäben Ferienwohnungen mit Frühstücksangebot oder kleine Frühstückspensionen.

Das Frühstück am nächsten Morgen lässt nichts zu Wünschen übrig. Nur die Zeit dafür ist etwas knapp. Kaum sind wir fertig, kommt auch schon der Bus zum Einsammeln. Unsere Reisegruppe war letzte Nacht über mehrere kleinere Unterkünfte verteilt.

Wanderung im Parque El Cubano

Wieder sitzen wir im Bus. Die an uns vorüberziehenden Landschaften werden immer bergiger. Ganz anders als die Karstfelsen von Vinales. Unser Bus verlässt die Straße und fährt über eine Schotterpiste zum Parque El Cubano.

Als es heißt, raus aus dem Bus dauert es nicht lange, dass ohne Bewegung die Schweißperlen kullern. Der regionale Local-Guide führt unsere Gruppe durch den Dschungel, zeigt uns Pflanzen und beschreibt ihre heilsamen Wirkungen.

Nach zwei Stunden erreichen wir den langersehnten Wasserfall Javira mit smaragdgrünem Wasser. Badesachen anziehen und vorsichtig ins Wasser gleiten. Ah … ein erfrischender Hochgenuss.

Kubas koloniales Erbe - Parque El Cubano - Wasserfall Javira

Trinidads Sklaven

Nach unserer Erfrischung fahren wir weiter zur Hacienda Iznaga einem ehemaligen Herrensitz. Sklaven mussten hier Zuckerrohr anbauen. In der Maschine unten im Bild, wurde das Zuckerrohr ausgepresst. Natürlich mussten wir das auch einmal probieren. Anstrengend ist das bereits ohne Zuckerrohr. Allein die Vorstellung, diese Presse über mehrere Stunden zu bewegen, um aus dem Zuckerrohr den begehrten Saft zu pressen, badet meinen Körper gleich im Schweiß. Was war das für eine Tortur für diese Menschen.

Kubas koloniales Erbe - Zuckerrohrpresse auf dem ehemaligen Herrengut Iznaga

Danach steigen wir auf den 50 m hohen Torre de Iznaga, der neben dem Herrenhaus steht. Anstrengend! Die Aussicht entschädigt jede Mühe. Früher diente der Turm, um zu verhindern, dass Sklaven fliehen.

Kubas koloniales Erbe - Iznaga Sklaventurm bei Trinidad

Nach 10 Minuten Busfahrt sind wir in Trinidad. Beim Besuch des Kolonialmuseums fallen mir sofort die Familiensaga „Fackeln im Sturm“ und das Buch „Onkel Toms Hütte“ ein. Was da über die Behandlung der Sklaven beschrieben wird, findet man in den Ausstellungsstücken des Museums wieder.

Der Forschungsreisenden Alexander von Humboldt besuchte Trinidad im März 1801. Ihn schreckte die Behandlung der Sklaven ab. Er sprach mit den Zuckerbaronen. Jedoch ohne Erfolg. Als Humboldt nach Europa zurückkehrte, prangerte er die Sklaverei in Kuba in seinem Essay über Kuba an. Schon deswegen ist Humboldt auf Kuba ein geachteter Mann.

Trinidad sieht so anders aus als Cienfuegos. Es fehlt an Glanz von Prachtbauten. Das liegt daran, dass während der Sklavenaufstände Ende des 19. Jahrhunderts Trinidad zerstört wurde. Danach ist der Ort über viele Jahre in Vergessenheit geraten.

Heute sieht man noch immer die Häuser und Straßen von damals. Nur besaßen die Häuser damals nicht solch farbenfrohe Anstriche. Lebensfroh scheint eine kubanische Lebensart zu sein. Sie lassen kein Fest aus, wie ihr auf dem Foto sehen könnt.

Kubas koloniales Erbe - Trinidad Straßenfest am Nachmittag

Allerdings fällt das Straßenfest am heutigen Abend wegen eines Gewitters mit extremen Starkregen aus. Jetzt verstehe ich auch, warum es hier keine Schleusen geben kann. Die zur Mitte abfallenden Straßen leiten die Sturzbäche bedeutend schneller ab.

Kubas koloniales Erbe - Trinidad bei Regen

Nach unserem Abendessen in einem Nobelrestaurant von Trinidad übernachten wir in einer Casa Particular, welches schon den Service eines Boutiquehotels bietet. Im sanften Rauschen der Klimaanlage schlafen wir ein.


Und im nächsten Beitrag fahren wir bis in den äußersten Osten, bis in die Nähe der berüchtigten Guantanamo Bay. Wir lernen lebensweisen von Menschen kennen,die für uns teilweise unvorstellbar sind. Dennoch lieben sie ihr leben.

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