Havanna das Tor zur neuen Welt

Havanna die Stadt der legendären Oldtimer
Havannas Oldtimer sind legendär

Oft höre ich: Kuba – vor allem Havanna, kannst du nur solange besuchen, wie Fidel Castros Sozialismus existiert. Eine zählebige Meinung, die jetzt langsam zu verblassen scheint. Dieser Gedanke beinhaltet einen Wechsel der gesellschaftlichen Verhältnisse zu denen, die wir kennen. Ob sich dieser Wechsel wirklich so vollzieht, steht in den Sternen. Denn die kubanische Revolution, heißt nicht nur Fidel Castro.

Havanna – wir kommen

Meine Damen und Herren, wir sind soeben in Havanna gelandet. Die Ortszeit ist 18:30 Uhr, die Temperatur beträgt 27 Grad bei einer Luftfeuchte von 85 Prozent. Die Flugzeugbesatzung wünscht ihnen einen angenehmen Aufenthalt.

Endlich aufstehen und die Beine vertreten. Meine Frau und ich verabschieden uns von den Stewardessen und treten ins Freie. Bum! Wie ein Hammer knallt die feuchtwarme Luft auf unsere Körper. Sofort beginnen wir zu schwitzen.

Der Airport ist übersichtlich. Zu Fuß geht es in das Flughafengebäude. Mit dem bereits ausgefüllten touristischen Visum ist die Abfertigung zügig erledigt. Was mir besonders auffällt, sind ungewöhnlich viele Frauen, die hier arbeiten. Das Wort Gleichberechtigung scheint in Kuba einen anderen Stellenwert, als in Deutschland zu haben.

Am Gepäckband haben wir auch nicht lange warten müssen. Schon rollen wir mit unseren Reisesäcken aus dem Gebäude und werden von der ASI-Reiseleitung in Empfang genommen.

Bis alle 11 Teilnehmer der kleinen Reisegruppe eingetroffen sind, warten wir. Anschließend gehts ins Zentrum Havannas zum Viersternehotel Telégrafo.

Hotel Telégrafo an der Calle Prado in Havanna
Hotel Telégrafo

Eine halbe Stunde später lädt uns Reiseleiterin Katharina zu einem Willkommensdrink in die Hotelbar ein. Nach der langen Anreise ist der spendierte Cuba Libre für alle ein Hochgenuss.

Stressabbau zum locker werden

Am nächsten Morgen genießen wir erst einmal das feine Ambiente des Hotels. Erbaut 1888, ist es das älteste Hotel Kubas.

Am nächsten Morgen gehen wir zum Frühstück über die Treppe und schauen auf den Ruinenlook des Hotels. Dieser sorgt für ein Ambiente, in dem man sich wohlfühlt.

Katharina und unser Local-Guide Orestes wissen, dass ihre Reisegäste ohne Geld, das heißt, ohne kubanische CUC keine ruhige Minute haben. Also führt unser erster Weg in eine Wechselstube. Die scheinen im Land nicht so reichlich gesät zu sein. Die günstigsten Tauschkurse haben die Wechselstuben, dann die Banken und am schlechtesten schneiden die Tauschkurse in den Hotels ab.

Weil wir gerade über die Grundlegendes reden. Viele können auf WLAN nicht verzichten. Obwohl ein relativ gutes Netz zur Verfügung steht, ist WLAN rar. Ihr braucht dafür Karten mit WLAN-Daten. Die bekommt ihr für ein bis drei CUC je Stunde WLAN im Hotel. Einige dieser Karten, mit der Aufschrift „ETECSA“ könnt ihr auch auf öffentlichen Plätzen verwenden. Ärgerlich ist nur, dass diese Karten sehr häufig ausverkauft sind.

Vitamin R als Stimmungsaufheller

Gelaufen sind wir bisher wenig. Die Schweißperlen kullern dennoch über die Stirn. Orestes kennt seine deutschen Gäste sehr gut und führt uns ins Rum-Museum. Kubanischer Rum, den hatten wir ja schon gestern Abend im Cuba Libre.

Da erfahren wir, dass die Basis für Rum Zuckerrohr ist. Früher war der Anbau von Zuckerrohr der Hauptwirtschaftszweig der Kubaner. Als die USA in den 1960er Jahren die Wirtschaftsblockade gegen Kuba verhängten, brach die Wirtschaft zusammen.

Die Sowjetunion half diese Krise zu überwinden. Nach dem Zerfall des sozialistischen Weltsystems kam es in den 1990er Jahren zum wirtschaftlichen Kollaps in Kuba.

Heute wird Zuckerrohr vorwiegend für das Herstellen von Vitamin R – also Rum verwendet. Auf die Details der Herstellung der Marke „Havana Club“, will ich hier verzichten.

Interessanter sind die Zahlen auf den Etiketten der Rumflaschen. Rum wird, wie jeder edle Tropfen gelagert. Der Geschmack ändert sich mit zunehmendem Alter. Kubanische Rummeister mischen die verschiedenen Jahrgänge miteinander. Natürlich nach Geheimrezepten! Die Zahl 3 auf den Etiketten sagt aus, dass die verwendeten Rumsorten mindesten drei oder mehr Jahre gelagert wurden.

Klar, dass wir am Schluss des Museumsbesuches einen Rum verkosten mussten. Einen mit Nummer 7 auf dem Etikett. Und das morgens halb 10 in Kuba. Na dann Salute! Aah … welch ein Genuss.

Die Qualität von Rum hängt von der Mischung ab
Havana Club – die kubanische Marke des Rum

Unterwegs in Havannas Altstadt

Einige Räume im Museum sind klimatisiert. Nach dem Verlassen der gekühlten Räume haben wir das Gefühl, als rennen wir in eine Sauna. An diese Wechsel habe ich mich während der ganzen Reise nicht gewöhnen können.

Wir bummeln gemütlich durch die Altstadt Havannas. So etwas kennt ihr ja von jeder geführten Stadtbesichtigung. Manch einen interessieren alle geschichtlichen Fakten. Mich interessiert eher, was drumherum passiert.

Da stehen am Ende der Straße zwei exotischen Schönheiten. Unser Local-Guide erzählt, dass die beiden Frauen einem offiziellen Gewerbe nachgehen und dafür Steuern zahlen. Küssen als Gewerbe? Mein Frau ist dabei, da kann ich das nicht probieren.

Unternehmerinnen Küssen für Geld
Küssen für Geld ein offizielles kubanisches Gewerbe

Langsam wird es unerträglich warm. Einheimische flüchten unter die Arkaden oder in die Schatten der Gebäude. Nur ein paar Touris rennen in der prallen Sonne mit ihren Knipskisten herum, um alles für zu Hause festzuhalten.

Wir gehen weiter durch die engen Gassen und gelangen an das Hotel Mundos. Durch die offene Tür hört man wohlklingende Pianomusik.

Das Lieblingshotel von Ernest Hemingway

Der amerikanische Schriftsteller war gerne in diesem Hotel. Hemingway ist bei uns bekannt durch sein Buch: „Der alte Mann und das Meer.“ Erzählt wird die Geschichte eines alten glücklosen Fischers, der bei einer Ausfahrt einen riesigen Fisch, weit draußen auf dem offenen Meer fängt. Zu weit draußen, als den Fisch unversehrt nach Hause zu bringen.

In der Lobby des Hotels ist keine Klimaanlage. Mit einem engen Fahrstuhl fahren wir zur Dachterrasse. Einen wirklich traumhaften Ausblick auf die Altstadt hat man von hier. Wobei uns doch wohl mehr die Bar mit den Getränken interessiert. Nein, dieses Mal, Aqua natural ohne Schuss. Allerdings ist der halbe Liter sprichwörtlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wieder unten angekommen, hören wir heiße Rumba-Rhythmen.

Hungrig ins Van Van

In einer abseits liegenden Gasse befindet sich das Restaurant Van Van – ausgesprochen Ban Ban. Die Inneneinrichtung ist schlicht aber sehr geschmackvoll. Die Chefin, eine attraktive aussehende Frau dunkler Hautfarbe im weißen Minikleid begrüßt uns in Deutsch.

Vor dem Essen bekommen wir einen Willkommensdrink des Hauses – einen Van Van. Das ist eine veredelte Pina Colada mit rosafarbenen Aussehen. Über uns hängen alte Kleidungsstücke. Sie weisen auf ein kubanisches Nationalgericht hin, zu dem es eine Legende gibt.

Ein alter Mann auf Kuba hatte nichts mehr, um seine Familie zu ernähren. Verzweifelt kochte er seine Kleidung. Da geschah ein Wunder. Aus dem alten Fetzen wurde ein wohlschmeckender Rindfleischeintopf – Ropa Vieja!

Ropa Vieja, zu Deutsch „Alte Kleider“ ist ein Nationalgericht und wird „nicht“ als Suppe serviert. Das Rindfleisch erinnert geschmacklich an Gulasch. Vor dem Ropa Vieja gibt es frisches Obst und eine Suppe. Als Nachspeise Süßes und Kaffee.

Die legendären Oldtimer Havannas

Nur wenige Meter vom Van Van entfernt warten schon vier von den legendären Oldtimern für eine zweistündige Stadtrundfahrt durch Havanna.

Oldtimer am Platz der Revolution
Mit Havannas Oldtimern am Platz der Revolution

Während der Vorbeifahrt am Capitollo National erfahren wir mit einem Schmunzeln des Fahrers, dass dieses Gebäude einen Meter höher ist, als das Capitol in Washington DC.

Beeindruckend ist auch der riesige Platz der Revolution.

In der Neustadt fallen Bananenpflanzen und Hühner in den kleinen Gärten der Häuser auf. Eine Entwicklung, die sich nach dem wirtschaftlichen Kollaps in Kuba vollzogen hat.

Auf der Rückfahrt über den Malecón, der Strandpromenade steigen wir noch auf einen Drink im Hotel International ab.

Die kleine Bar des luxuriösen Hotels zeigt Bilder und Ausstellungsstücke berühmter Künstler und Persönlichkeiten, die alle in diesem Hotel logiert haben.

Bei einem Mojito schaue ich mir all diese Persönlichkeiten an. Darunter sind: Juri Gagarin, Winston Churchill, Barbra Streisand und Marlon Brando, um nur ein paar zu nennen.

Anschließend fahren wir mit den Oldtimern zum Hotel Telégrafo.

Zeit für eigene Erkundungen in Havanna

Kuba gilt allgemein als sicheres Land. Ihr könnt hier auch abends allein durch die Gassen bummeln. Wenn ihr dabei nicht gerade angeberisch mit euren CUC’s wedelt. Das sollte aber jeden bekannt sein.

Wir machen uns etwas frisch und gehen auf Erkundungstour. Schon in der Lobby unseres Hotels hören wir heiße Salsa. Die dicht nebeneinanderliegenden Restaurants haben alle ihre eigenen Salsa-Band. An diesem Klangcocktail scheint sich niemand zu stören.

Nur wenige Meter entfernt steht das Capitol. Die Touris schießen Erinnerungsfotos. Oder sie bestaunen die davor parkenden Oldtimer. Nachdem wir uns, wie alle anderen auch auf der Treppe des Capitols fotografiert haben, gehen wir weiter.

Das Capitol in Havanna
Havanna Capitol

Durch schmale Gassen bummeln wir in Richtung Altstadt. Ständig werden wir angehalten auf ein kostengünstiges Menü in eines der Restaurants einzukehren.

Die Sonne neigt sich am Himmel. Endlich wird es angenehmer. Die Luftfeuchte macht uns dennoch zu schaffen. Orte, die wir bereits während unseres Stadtrundganges gesehen haben, erkennen wir wieder. Jetzt wollen wir an den Malecón. Da soll abends viel los sein.

Zwei Kubaner wedeln auf dem Fußweg, wie verrückt in der Luft. Das sieht urkomisch aus. Beim Näherkommen bemerken wir, dass die beiden Angelschnüre ins Wasser geworfen haben.

Die Uferpromenade ist jetzt voll junger Leute, die nach und nach aus der überhitzten Stadt kommen.

Auf denen am Tag von Touris besuchten Plätzen wird in allen Altersklassen Fußball gespielt. Lange dauert es nicht mehr. Dann sind die Bälle nicht mehr zu sehen. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es schlagartig dunkel.

Zum Hotel kehren wir über den Paseo di Marti und der Calle Prado zurück.

Ende eines erlebnisreichen Tages

Durchschwitzt geht es erst einmal unter die dünnen Wasserstrahlen der Dusche. Dabei lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren.

Vieles von dem, was in den Reiseführern steht, fühlt sich anders an. Das Geschriebene erscheint so nüchtern und fad. Derweil ist Havanna so farbenfroh.

Mein Eindruck zeigt mir eher eine aufblühende Stadt mit Vitalität und Herz. Warten wir mal die nächsten Tage unserer Reise ab.



Im nächsten Beitrag geht es um den Mythos der kubanischen Zigarren, Kaffee und das Leben auf dem Land.

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