Hamburg, Beginn der Radreise von St. Pauli bis zum Dresdner Zwinger

Auf nach Hamburg – dem Tor zur Welt

Jahre hat es gedauert, bis wir uns endlich diesen Reisetraum erfüllen. Mit dem Fahrrad auf dem Elbe-Radweg von Hamburg bis Dresden. Aufgrund des schlechten Wetters haben wir uns vorher nicht fit machen können für diese Radtour. Das macht uns etwas Kopfzerbrechen. 700 Kilometer adhoc im Sattel, ist schon eine Hausnummer für uns Freizeitpedalos. Da alles bereits gebucht ist, heißt es nun Augen zu und durch.

Anreise mit Kopfkino

Was wir durch das Küchenfenster sehen, zeugt nicht für schönes Reisewetter. Immer wieder schielen wir während des Frühstückens zum Fenster. Das Bild ändert sich nicht. Wie angenagelt hängen dunkle Regenwolken am Himmel. Es nützt nichts, die Räder werden bepackt und die Regensachen werden griffbereit gelegt. Bis zum Neustädter Bahnhof in Dresden, sind drei Kilometer zu fahren. Als wollte Thor, der Gott des Wetters, uns einer Prüfung unterziehen, fallen die ersten Regentropfen. Wem wundert das, schließlich regnet es fast überall in Deutschland. In Bayern wird über Städte berichtet, die schon landunter stehen. Und Hamburg …? Wenn das Mal so weiter geht?

Vom Regen Nass warten wir auf unseren Zug. Pünktlich fährt der im Bahnhof ein. Unser Waggon mit einem speziellen Abteil für Fahrräder ist als letzter angehängt. Denke ich an die Buchung dieses Abteils zurück, war allein diese eine Hürde. Das Fahrradabteil für unseren Wunschtermin war schon einen Tag nach Verkaufsbeginn ausgebucht, da mussten wir zwangsläufig einen Tag früher fahren.

Elberadweg: Dresden Neustadt
Warten auf den Zug in Dresden Neustadt

Kaum haben wir unsere Fahrräder in den Halterungen des Waggons befestigt, setzt sich der Zug auch schon in Bewegung. Die Fahrt im Zug empfinden wir sehr lang. Unsere innere Aufregung ist uns anzumerken. Obwohl die Fahrzeit von vier Stunden zwischen Dresden und Hamburg nun wirklich nicht lang ist.

In Hamburg Altona erwartet uns strahlender Sonnenschein. Richtig schönes Urlaubswetter. Auf dem Bahnsteig bepacken wir wieder unsere Fahrräder mit unseren Satteltaschen und Koffern und schieben unsere Gefährte aus dem Bahnhof. Geht es euch auch so, dass ihr euch, bis ihr die Orientierung bekommen habt, etwas verloren vorkommt? Es dauerte nicht lange, dann setzen wir uns auf die Räder und fahren nach St. Pauli in unser Hotel. Dem Hotel, wo wir in zwei Tagen unsere Radreise beginnen.

Der Luxusliner – Queen Mary 2

Schnell das Gepäck auf das Zimmer stellen und gleich losradeln, auf unsere Entdeckertour zur Elbe in Hamburg. Rechts erscheint ein Straßenschild mit der Aufschrift Herbertstraße. M-mh! Die sonst geschlossenen Tore stehen jetzt sperrangelweit offen. Männer in orangenen Anzügen kehren den Müll der letzten Nacht zusammen. Nur wenige Meter später wird der Blick zur Elbe frei. In den Docks ist ein riesiges Schiff zu sehen, die Queen Mary 2. Wie wir erfahren, ist die Lady bereits gestern angekommen und soll einer Erneuerung unterzogen werden.

Elberadweg QM2
Queen Mary 2

Sind die Arbeiten Luxusschiff abgeschlossen, sticht die QM2 vom Cruise Center Steinwerder in See, über Southampton nach New York auf. Obwohl wir selbst keine Kreuzfahrtfans sind, beeindruckt uns dieser Ozeanriese.

Durch die Speicherstadt und die HafenCity

Jetzt haben wir genug gestaunt und radeln weiter in die Speicherstadt. Seit 2015 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auffällig springt einem gleich ein Skandalprojekt ins Auge, die Elbphilharmonie. Ich will hier nicht meckern, wir Dresdner sind mit unserer Waldschlösschenbrücke noch schlechter weggekommen. Die hohen Herren in Dresden haben dafür sogar den Welterbetitel sausen lassen. Was soll man dazu noch sagen?

Elberadweg Elbphilharmonie und Marco Polo Tower
Hamburger Elbphilharmonie & rechts der Marco Polo Tower

Die Architektur um den Standort der Elbphilharmonie finde ich gut. Schließlich pulsiert in der HafenCity und in der angrenzenden Speicherstadt das Leben.

Am Kreuzfahrtschiffanleger der HafenCity ankert gerade das Apartment-Kreuzfahrtschiff „The World“. Einchecken und nie wieder von Bord des Luxusliners gehen, heißt es hier. Das hat aber auch seinen Preis. Wer an Bord gehen will, muss eines der 165 Luxusapartments als Eigentum erwerben.

Elberadweg Apartmentschiff The World
The World – meine zu Hause

Wie kommt man zu einer exklusiven Hafenrundfahrt

Es beginnt wieder zu regnen. Die Fahrräder sind abgestellt und wir spazieren durch die Speicherstadt. Auf einer der zahlreichen Brücken spricht uns ein Seemann an, ob wir nicht eine Hafenrundfahrt machen wollen. Die Rundfahrt beginnt in 20 Minuten. Am Kay stehen noch keine Leute, ich schaue Bärbel an und sie nickt. Bis zur Anfahrt sind keine weiteren Gäste hinzugekommen. Aus den sonst so überfüllten Hafenrundfahrten wird eine, nur für uns beide.

Als das Boot am futuristischen Marco Polo Tower vorbeifährt, erzählt uns der Käpten, wie der Hit “Atemlos, durch die Nacht” von Helene Fischer entstanden ist. Helene hat ein Appartement in der obersten Etage des Towers gekauft. Eines späten Abends ist der Fahrstuhl defekt. Sie muss den beschwerlichen Weg über die Treppen nehmen, um in ihr Appartement zu gelangen. Dabei sang sie – atemlos durch die Nacht … – ein paar Tage später erscheint der bekannte Schlager.

Monotoner Singsang von nicht endenden Geschichten. Dennoch aufschlussreich, amüsant und manchmal nachdenklich schallen durch die Lautsprecher des Bootes: Früher brauchte das Schiff an dem wir gerade vorbeifahren 50 Seeleute, um es sicher durch die Weltmeere zu navigieren. Heute werden noch 15 gebraucht. Den Rest macht der Computer … – den Rest macht der Computer … – den Rest macht der Computer. Alles klar, die Botschaft ist angekommen. Der Computer spart zu viel Fachpersonal ein. In Gefahrensituationen fehlen helfende Hände. Wenn ich darüber nachdenke, trifft das bei der eingesetzten Computertechnik häufig zu.

Das Schicksal der CAP SAN DIEGO

Nach der kurzweilig empfundenen Hafenrundfahrt hängen wieder dunkle Wolken über uns. Da kommt uns das fahrtüchtige Museumsschiff CAP SAN DIEGO gerade richtig. Regenfrei führt uns ein elektronischer Guide durch das Schiff und erzählt Geschichten über das Leben an Bord. Im Maschinenraum blüht dann mein Herz auf. Einen Zweitakt-Dieselmotor über drei Etagen habe ich noch nie gesehen. Beeindruckt bin ich von der starren Verbindung zwischen Dieselmotor und Antriebswelle mit der Schiffsschraube. Ich lege die Hand auf einen der Zylinderköpfe und fühle eine höhere Temperatur, als durch die Umgebungstemperatur möglich ist. Es scheint so, als sei der Motor vor kurzen gelaufen.

Elberadweg CAP SAN DIEGO
Museumsschiff CAP SAN DIEGO

Heute werden mit dem Museumsschiff auf der Elbe, dem Nord-Ostsee-Kanal und der Kieler Förde Schiffsfahrten für Passagiere durchgeführt. Bestimmt interessant für all diejenigen, die eine abenteuerliche Reise auf einem historischen Frachtschiff suchen.

Das Miniatur Wunderland – ein Muss in Hamburg

Eintrittskarten für das Miniatur Wunderland haben wir schon am Vortag in unserem Hotel besorgt. Das ist ratsam, denn die Wartezeiten an den Kassen der Ausstellung sind sehr lang. Wir haben die Idee, morgens gleich nach dem Frühstück starten, um noch die Ruhe vor dem großen Ansturm zu genießen. Dass sich die Ausstellung aber so schnell füllt, haben wir nicht erwartet.

Beim Betreten der Ausstellung schlägt mein Herzen schneller. Wahnsinn, denke ich … – die Ausmaße der einzelnen Anlagen sind riesig. Die Anlagen sind über mehrere Etagen miteinander verbunden. Damit Züge von einer Etage in die andere gelangen, fahren sie in einer Spirale nach oben oder nach unten. Alleine der Bereich der Schweizer Bergwelt am Matterhorn ist mindesten sechs Meter hoch. Die Bedeutung „kleine Eisenbahn ganz groß“ trifft hier voll ins Schwarze.

Hamburg Modellbahn Schweiz
Bereich der Schweizer Bergwelt

Ich drehe mich um und sehe, wie ein Signal von Rot auf grün schaltet. Ein mit einem Krokodil bespannter Güterzug setzt sich in Bewegung. Die Güterwagen sehen nicht aus, wie gerade gekauft. Sie erscheinen verschlissen, als hätten diese Wagen schon viele Tonnen, der verschiedener Güter an befördert. Genauso, wie beim großen Vorbild. Das ist das Besondere dieser Ausstellung, die Liebe zum Detail und die unvorstellbaren Dimensionen.

Im Raum wird es jetzt überall dunkel. Nächtliches Ambiente schaltet, in der hamburger Elbphilharmonie, die Lichter an. Am Bahnhof rückt mit Sirenengeheul und Blaulicht ein Großaufgebot von Feuerlöschzügen an. Ein Dachstuhl brennt und muss gelöscht werden. Nach kurzer Zeit beginnt ein neuer Tag. Wie im wirklichen Leben. Meisterhaft kann ich nur sagen.

Hamburg Modellbahn Feuerweheinsatz
Feuerlöschzüge am Bahnhof

Staunend stehen wir vor dem Airport Knuffingen. Mit lärmenden Triebwerken starten und landen Flugzeuge. Abseits der Startbahn fahren, die gerade gelandeten in ihre Parkposition. Ein Tankwagen blinkt und biegt nach rechts ab, bis er am zu betankenden Flugzeug angekommen ist.

Hamburg Modell-Flughafen

Neben den Bahnanlagen sind Bildschirme aufgehängt. Die Filme zeigen die Anfänge des Flughafenbaus mit ihren Malheuren. Ein Schmunzeln kann sich da keiner verkneifen. Mich erinnert das ein bisschen an den Bau des noch immer nicht fertiggestellten Berliner Großflughafens. Während der Airport Knuffingen mittlerweile perfekt ist, wird es mit dem Berliner Flughafen noch etwas dauern.

Wow, das war ergreifend. Meine Frau sieht das nüchtern und meint, die Modellbahnausstellung ist interessant. Nicht falsch verstehen, da muss ich einfach sagen: Frauen!!! Haben keinen Sinn für technische Spielereien. Da merkt man mal, Männer ticken anders. Das Kind im Mann wird nie erwachsen.

Wir verlassen die Ausstellung und ziehen unsere Regensachen an. Bei mausgrauen, regnerischen Wetter bummeln wir, nicht gerade voller Freude durch Hamburg. Im Hinterkopf sitzt der Gedanke, wenn das Wetter so bleibt, dann prost Mahlzeit.

Morgen beginnen wir die Radreise auf dem Elbe-Radweg von St. Pauli bis zum Dresdner Zwinger. Was wir erleben, erfahrt ihr im nächsten Beitrag:

zum Blogbeitrag 2 – Radreise auf dem Elbe-Radweg – der Norden

Ein Spruch von mir ist: „Bei schönem Wetter kann jeder.“ Wenn ihr jetzt schon mehr über Radreisen auf dem Elbe-Radweg erfahren wollt, dann schaut doch gleich bei den Angeboten vorbei:

Beitrag überarbeitet: Mai 2019

2 Gedanken zu „Hamburg, Beginn der Radreise von St. Pauli bis zum Dresdner Zwinger“

  1. Hallo Peter,

    gut erzählt Deine Radreise. Man ist fast mit dabei. Ich hoffe doch, Ihr hattet genauso gute Regenkleidung wie Eure Fahrräder auf dem Bild. Das Wetter ist heutzutage leider sehr unberechenbar, wer davon abhängig ist und sich die Laune verderben lässt, wenn es schlecht ist, verdirbt sich selbst den Urlaub. Meine Devise ist, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, und man kann immer ein Alternativprogramm machen.

    Viele Grüße
    Claudia

  2. Hallo Claudia,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Klar waren wir auf Regen vorbereitet. Das Wetter hat es aber auf unserer Radtour gut mit uns gemeint. Wir mussten uns nur an einem Tag zweieinhalb Stunden unterstellen. Ansonsten radelten wir regenfrei, meist bei sonnigem Wetter und Temperaturen zwischen 23 und 28 Grad. Einen Plan B hätte es nicht gegeben. Die Übernachtungen waren vorausgebucht.

    Viele Grüße
    Peter

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