Gewitter im Elbsandsteingebirge

Gewitter im Elbsandsteingebirge

Im Elbsandsteingebirge von Blitz und Donner überrascht: Was tun?

Dieser Tage gingen zwei Meldungen durch die Presse: Zwei Mädchen am Strand der Playa del Carmen in Mexiko vom Blitz erschlagen und im Elbsandsteingebirge nahe der Bastei drei Wanderer in einer Höhle durch Blitzschlag schwer verletzt. Da stellt sich die Frage: Musste es wirklich so weit kommen?

Viele Menschen haben Angst vor Blitz und Donner, zollen aber dieser Naturerscheinung nur wenig Respekt. Angst aus Unwissenheit über das entstehen von Blitz und Donner, Angst nicht zu wissen was da passiert, Angst aus Hilflosigkeit gegenüber der Natur. Das können Sie überwinden.  Am Ende des Artikels haben Sie keine Angst mehr vor Gewitter. Sie begegnen diesem mit Respekt.

Was war an der Playa del Carmen in Mexiko geschehen?

Drei 13-jährige Mädchen spielten im seichten Wasser. Dem schnell heraufziehenden Unwetter haben die Drei vermutlich kaum Beachtung geschenkt. Plötzlich ein Blitz mit sofortigem Donner. Zwei Mädchen waren sofort Tod, das Dritte überlebte mit Verletzungen.

Was war im Elbsandsteingebirge geschehen?

Drei Wanderer wurden von einem Gewitter überrascht. Sie suchten Schutz in einer Höhle am Wartturm nahe der Bastei. Auch hier ein Blitz und plötzlicher Donner. Nachdem sich die Frau und die zwei Männer von ihrem Schock erholt haben, wählen sie den Notruf wegen Herzkreislaufbeschwerden. Das ist ein typisches Anzeichen einer Stromverletzung.

Blitzschlag in Höhlen

Was geschieht bei Blitz und Donner?

Einfach gesagt sind Blitz und Donner luftelektrische Entladungen einer Gewitterwolke. Ein Blitz entlädt sich an einer Kaltfront. Blitze werden in zwei Arten unterschieden. Einmal in die für uns wenig gefährlichen Wolkenblitze und in Erdblitze. Die für uns lebensbedrohlich werden können.

Was passiert eigentlich, wenn es blitzt? Die positiv geladenen Teilchen in der Wolke entladen sich über einen Blitz mit negativ geladen Teilchen in der Erde. Dabei erwärmt der Blitz die Luft in sehr kurzer Zeit um viele Tausend Grad. Und die Luft um ihn herum dehnt sich aus. Ist die elektrische Entladung beendet, verdichtet sich die Luft schlagartig. Dieser schnelle Druckausgleich innerhalb der Luft erzeugt den Donner und die zerstörerischen Kräfte.

Was aber passiert, wenn ein Mensch vom Blitz getroffen wird?

Je nach Nähe zum einschlagenden Blitz sind die Auswirkungen sehr unterschiedlich. Wird ein Mensch direkt getroffen, fließt der hohe Strom über den Körper. Dabei versengt er die Kleidung, lässt Metallschmuck schmelzen, reist Schuhe und Socken von den Füßen und wirbelt seine Opfer durch die Luft (GEO).

Oft stehen vom Blitz getroffene unter Schock, werden kurzzeitig bewusstlos, taub oder zeigen Lähmungserscheinungen. Schwere Verbrennungen treten eher selten auf.

Ein „schwächerer“ Teil des Stromes fließt durch den Körper. Dieser ist für den Menschen immer noch gefährlich und verursachen Verletzungen. Diese Stromverletzungen führen zu Symptomen, wie bei den drei Wanderern im Elbsandsteingebirge. Die schwächeren Erscheinungen sind Kreislaufbeschwerden. Größere Verletzungen führen bis zum Herzstillstand, können Hirnschäden verursachen und es kann zu Lähmungen des Atemzentrums kommen.

Genau davor haben wir Angst. Diese Angst ist aber kein guter Ratgeber. Also überlegen wir uns einmal, wie wir uns vor einem Blitzschlag schützen können. Beginnen wir mit etwas Theorie.

Wie findet der Blitz seinen Weg zur Erde?

Wie wir bereits wissen, sind Blitze Entladungen zwischen den Wolken und der Erde. Dazwischen befindet sich Luft mit einem hohen Widerstand. Eine Energieentladung kann noch nicht zustande kommen. Die Warm- und die Kaltfront in den oberen Luftschichten toben unaufhörlich und erzeugen immer mehr elektrische Teilchen. Bis so viel Energie vorhanden ist, dass diese den Luftwiderstand überwindet. Es blitzt!

Kurz bevor es zum Blitzschlag kommt, signalisieren meist mehrere aber sehr kleine und kaum sichtbare Blitze, die sich vom Erdboden gen Himmel strecken, wo der Blitz aus den Wolken den geringsten Widerstand überwinden muss. Genau da wird er auch einschlagen. Das kann ein einzeln stehender Baum sein, ein hoher Berg, ein Schiffsmast auf hoher See oder hohe Gebäude. Das sieht man eindrucksvoll auf einem Bild der Zeitschrift National Geographic im Septemberheft 2015.

Der Blitz hat also etwas menschliches an sich. Er sucht, wie wir auch, für seine Entladung den Weg des geringsten Widerstandes.

Wie schützen wir uns vor Blitzschlägen?

Etwas zynisch ist der Spruch von Terry Pratchett im Titelbild. Wenn jemand sich zu den Göttern rufen lassen will, kann er den Ratschlag gern beherzigen. Zwei Dingen sollten wir daraus lernen. Uns nicht auf einem Berg oder Felsen aufrecht bewegen. Diesen sollte man schon verlassen bei ersten Anzeichen eines Gewitters. Sonst dient man als elektrischer Leiter. Gleiches gilt auch für Ebenen Felder und Ähnlichem.

Im Elbsandsteingebirge schlagen die Blitze gern auf freistehenden Felsen ein. Gefährlich daran ist, die Blitze laufen entlang der Felswände zum Erdboden. Steht jetzt jemand zu nahe an einer Felswand, könnte sich der Blitz überlegen, wo der zu überwindende Widerstand geringer ist. Über einen regennassen stehenden Menschen, der ein guter elektrischer Leiter ist. Oder über die Felswand. Manch mal ist der Blitz anfänglich unentschlossen und will zum Menschen überspringen, läuft aber dann doch weiter über die Felswand. Zentimeter können hier entscheiden.

Ähnliches gilt für große Bäume und alleinstehende Bäume. Meistens stellen wir uns sehr dicht an den Baumstamm, sodass der Blitz eine alternative Auswahl für seinen Weg zum Erdboden hat. Auch wenn sich der Blitz für den Baum entscheidet, werden das elektrische Feld sowie die Kräfte des Donners uns nicht verschonen.

Von Blitzschlägen gezeichneter Baum

Kommen wir noch einmal zurück zu unseren drei Wanderern. Sie haben ähnliches in ihrer Höhle erlebt und sind mit einem blauen Auge davon gekommen.

Vor einigen Jahren habe ich ein einer Bergsteigerzeitschrift eine Empfehlung gelesen, wie man sich in Höhlen bzw. unter Felsüberhängen vor Blitzschlag schützen kann. Der Abstand zu allen Wänden sollte mindestens zwei Meter betragen. Blitze sollen dann keine tödliche Wirkung mehr haben. Das ist eine Empfehlung. Besser ist immer mehr. Unter einem trockenen Felsüberhang sollte man auch die nassen Sachen ausziehen soweit das möglich ist. Wasser hat eine hohe Leitfähigkeit.

Schon in der Schule haben wir gelernt, dass Wasser ein guter Leiter, also einen geringen Widerstand besitzt. Damit sind Pfützen für uns tabu. Selbst duschen in der Wohnung, kann gefährlich werden. Zumindest, wenn die Blitzschutzanlage nicht in Ordnung ist.

Das erklärt auch den Unfall durch Blitzschlag bei den drei Mädchen an der Playa del Carmen. Sie waren nass und höher als das Wasser. Diese wenigen Zentimeter haben ausgereicht. Das dritte Mädchen hat vielleicht nur überlebt, weil sie etwas abseits gestanden hat. Der Blitz hat sie glücklicherweise nicht voll erreicht.

Mit diesen wenigen Verhaltensregeln kann man sich in den meisten Fällen vor Blitzschlägen schützen. Sollten Sie einmal in solch eine Situation geraten, werden Sie sich bestimmt an diesen Artikel erinnern. Ihre Augen betrachten genau das Umfeld. Dabei entwickeln Sie immer bessere Ideen, sich vor Blitzschlag zu schützen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es jedoch nicht. Zu viele Faktoren entscheiden, wo sich der Einschlagsort eines Blitzes befinden wird. Schließlich gilt immer noch die Elektriker-Regel: Der Strom fließt seltsame Wege.

Fazit

  • Es gibt in der Natur keinen absoluten Schutz vor Gewitter
  • Achten Sie darauf, dass Sie nicht der höchste Punkt im Gelände sind
  • Der minimale Abstand in Höhlen zu den Wänden sollte mindestens zwei Meter betragen
  • Achten Sie auf einen trockenen Untergrund
  • Halten Sie sich fern vom Wasser
  • Stellen Sie sich nicht unter hohe oder einzelne Bäume
  • Gehen Sie nicht aufrecht über eine Ebene

Beachten Sie künftig diese Regeln, dann werden Sie keine Angst mehr vor den ungebändigten Kräften von Blitz und Donner haben. Sie werden dieser Naturerscheinung respektvoll betrachten. Ihre Gedanken suchen nach einem Weg, wie Sie sich während des Gewitters schützen können.

Mit dem Schutz vor Blitz und Donner sollten sich alle auseinandersetzen. Durch die Klimaerwärmung, die um Deutschland keinen Bogen macht, werden künftig mehr und heftigere Gewitter kommen. Immerhin blitzt es weltweit einhundertmal in der Sekunde und in Deutschland zweimal in der Minute. Tendenz steigend.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Gewitter gemacht? Was haben Sie erlebt? Und wie würden Sie sich verhalten, wenn es plötzlich blitzt und donnert?

2 Gedanken zu „Gewitter im Elbsandsteingebirge“

  1. Hallo Peter,
    ein sehr interessanter Artikel. Über die Natur machen sich viele zu wenig Gedanken und wie man sich schützt hast Du gut beschrieben. Bisher war ich immer rechtzeitig zu Hause und kann deshalb über keine Erfahrungen berichten.
    Viele Grüße
    Claudia

    1. Hallo Claudia,
      Das ist vollkommen richtig. Wir setzen uns zu wenig mit unserem natürlichen Umfeld auseinander. Wird man von Blitz und Donner überrascht, reagieren viele falsch oder gar nicht. Genau das ist in den beschriebenen Fällen passiert. Wer einmal in so eine Situation kommt, erinnert sich gern an solch einen Artikel. In meiner Jugend habe ich mit einem Freund vielleicht eine Stunde im Regen zugebracht, weil wir während eines Gewitters dem Felsüberhang unter dem wir genächtigt haben nicht vertrauten.
      Viele Grüße
      Peter

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