Gefahren im Elbsandsteingebirge

Gefahren im Elbsandsteingebirge auch auf dem Malerweg
Gefahr = Selbstüberschätzung + Unachtsamkeit

Gefahren im Elbsandsteingebirge – was soll da schon passieren?

Ein abwertender Einwand, den ich sehr häufig höre. Weil irrtümlicherweise zuerst immer „Größe“ bewertet wird: „Wir waren doch schon in den Alpen und auf viel höheren Bergen.“ Ein Denkfehler der Folgen haben kann. Denn die Gefahren gehen weniger von den zu überwindenden Höhenmetern aus, als von Wegstrecken, die klettertechnisches Geschick erfordern. Erfahrene Wanderer wissen, wie sie sich verhalten müssen. Wer kaum Erfahrungen besitzt, neigt oft zur Selbstüberschätzung.

Das Elbsandsteingebirge ist kein Mittelgebirge hat aber Hochgebirgescharakter

Ihr meint, das ist übertrieben? Keinesfalls! Die Gefahren im Elbsandsteingebirge merkt ihr am schnellsten, wenn ihr durch felsige Gründe oder auf Wegen über steilen Abgründen unterwegs seid. Da ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Diese zwei Eigenschaften werden von Wanderfreunden im Elbsandsteingebirge gerne ignoriert. Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede. Wanderer, die auf dem Malerweg in der Sächsischen Schweiz gewandert sind, bestätigen das auch mir immer wieder.

In den Alpen sind Wanderwege blau, rot und schwarz gekennzeichnet. Diese Farben teilen den Wegen Schwierigkeitsgrade zu. Alpenwanderer haben mit diesen Schwierigkeiten schon ihre Erfahrungen gemacht und wissen, welche Wege sie gehen dürfen.

Im, nur 560 Meter hohem Elbsandsteingebirge, macht diese Einteilung keinen Sinn. Weil einige Wanderwege nur kurze, dafür aber sehr knifflige Abschnitte enthalten. Manchmal braucht man zu deren Überwindung klettertechnische Fähigkeiten.

Gefahren – Verantwortungslosigkeit und Selbstüberschätzung

Ein „musst haben“ im Elbsandsteingebirge scheint die als Klettersteig ausgewiesene Häntzschelstiege. Für einige Wanderer tendiert die Stiege eher zum Pilgerpfad, als zu einer Klettereinlage. Nur um zu sagen, ich habe die Häntzschelstiege gemacht oder einfach nur cool zu sein! Ohne Verantwortung werden Freunde und Verwandte beschwatzt mitzumachen. Nach der Devise, wir sind alle über 18 Jahre. Passiert etwas, sagt man dann für seine eigene Unschuld: Er ist Erwachsen und muss selbst wissen, was er tut.

Blick aus der Häntzschelstiege
Wer klettert, sollte genießen können und sich nicht vor Angst verzehren

Ich habe in der Schweiz einmal gehört, wie ein Bergführer zu zwei jungen Bergsteigern sagte:

Mut habt ihr ja, ihr Deppen!

Das hätte ich auch gerne zu den jungen Leuten aus der folgenden Geschichte gesagt. Nur bin ich kein ausgewiesener Bergführer.

Es war ein schöner Sommertag. Meine Frau und ich, fühlten uns gut und beschlossen wieder einmal die Häntzschelstiege zu machen. Bei dem Wetter ist natürlich Anstehen angesagt. Eine junge Frau hatte den schwierigen Einstieg gerade überwunden, da folgte ihr ein junger Mann. Eine weitere Frau dieser Gruppe sah unentschlossen der Kletterei zu und wartete erst einmal. Derweil stieg eine andere Gruppe mit Klettersteigausrüstung ein. Die junge Frau, wartete immer noch. Die Angst ist ihr anzusehen. Der voraus gekletterte junge Mann versucht vom oberen Absatz, die junge Frau zum Einsteigen in den Klettersteig zu ermuntern. Was dann wirklich noch geschehen ist, kann ich nicht sagen, denn wir sind mit Einverständnis der jungen Frau vor ihr eingestiegen.

Die Geschichte spricht Bände darüber, wie Selbstüberschätzung zur Verantwortungslosigkeit führt. Der junge Mann hat vermutlich zu dieser Aktion angestiftet. Das er damit moralisch verantwortlich für die Gesundheit seiner Mitstreiter ist, kümmert ihn wenig. Mit Ignoranz gegenüber dem ängstlichen Verhalten der Frau bringt der jungen Mann vor allem sie in Gefahr. Über die Konsequenzen seines Handelns ist er sich nicht bewusst. Welche Folgen diese Situation auch ohne Unfall haben kann, erzähle ich in der nächsten Geschichte.

Zwei Wanderfreunde lassen eine Frau am Einstieg zurück mit den Worten: Wir schauen nur Mal und kommen gleich zurück. – Was die beiden nicht bedenken, die Häntzschelstiege darf nur bergan durchstiegen werden. Ein Umkehren ist bei den vielen Nachsteigern nicht möglich. Die zurückgelassene Frau versucht mit ihrem Handy, die Freunde zu erreichen. Ohne Erfolg. Sie spricht mich an und fragt, was sie tun kann. Als ich ihr sage, dass ihre Freunde erst nach einer reichlichen Stunde wieder hier sein würden, sehe ich in ein verzweifeltes Gesicht.

Die beiden Beispiele zeigen, welche Gefahren entstehen können. Ursachen sind unbedachtes Handeln, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Konsequenzen, die ein Teil der Wanderer gar nicht kennt, weil einfach die Erfahrungen fehlen.

Darum hütet euch vor Empfehlungen. Vor allem wenn ihr nicht wisst, was auf euch zukommt. Lasst euch keinesfalls beschwatzen.

Denn die Objektivität der Empfehlungen ist zu stark an die eigenen Fähigkeiten angelegt. Das heißt: Wenn jemanden die Durchsteigung des Klettersteiges leicht gefallen ist, wird er immer sagen – ist machbar. Sicherlich ist das gut gemeint, aber häufig falsch. Deswegen mein Tipp:

Lasst euch nicht von Empfehlungen beeindrucken! Macht selbst eure Erfahrungen und entscheidet dann nach persönlichem Ermessen.

Gefahren im Elbsandsteingebirge - Geländer an der Stiege am Kleinen Dom
Links steiler Abgrund und rechts steile Wand – ein Wanderweg nicht für jedermann

Gleiches gilt auch für andere Wanderwege in der Sächsischen Schweiz. Nur das ihr da, wenn es mulmig wird umkehren könnt.

Gefahren im Elbsandsteingebirge – beim Wandern mit Geocaching

Wozu muss ich noch teure Wanderkarten mit mir rumschleppen? Es gibt doch kostenlose Apps mit Tourenvorschlägen und genauen Standortbestimmungen. Warum soll ich mir da eine Wanderkarte kaufen? Das geht solange gut bis Folgendes passiert.

Irgendwo an einem gut ausgeschilderten Abzweig. Sch… kein Netz. Komm, wir gehen erst noch ein Stück in diese Richtung. – Nein, das ist falsch. – Klar hier geht’s lang. Ah, hier gibt’s wieder Netz. Aber wo sind wir jetzt? Und in welche Richtung müssen wir gehen? – Ich frage jetzt jemanden. Sie entschuldigen … kennen sie sich hier aus … wir wollen nach … wohin müssen wir gehen?

So war’s geschehen. Glück habt ihr dann, wenn ihr jemanden mit Ortskenntnis oder mit einer Wanderkarte begegnet.

Gefahren im Elbsandsteingebirge - vorher planen bedeutet Gefahren vermeiden
Unabdingbar eine Karte zur Orientierung

Ihr meint, das ist an den Haaren herbeigezogen? Ganz bestimmt nicht. Die kurze Geschichte hat sich wirklich so zugetragen. Es stellte sich heraus, dass die Wanderer schon eine Weile in die falsche Richtung gelaufen sind, trotz GPS.

Jetzt sagt nicht, das kann mir nicht passieren! Einer der häufigsten Einsätze der „freiwilligen Bergwacht“, werden dadurch verursacht, weil GPS-Wanderer keine Wanderkarten haben. Hat man sich verlaufen, fehlt oft die Orientierung. Gerade in der Sächsischen Schweiz könnt ihr dann schnell in Gefahr geraten.

Eine Wanderkarte und ein Kompass für die Orientierung in der Not, sollten immer mitgeführt werden!

Gefahren im Elbsandsteingebirge – beim Fotografieren und bei Selfies

Oft passieren Unfälle beim Fotografieren. Es muss ja heute alles spektakulärer und dramatischer sein. Langweilerfotos sind out. Um Motive besser in Szene zu setzen, werden schon mal waghalsige Kletteraktionen gemacht. Oder es wird mal eine Absperrung überklettert. Dieses Verhalten hat in den letzten Jahren zu folgenschweren Unfällen mit teilweise tödlichen Ausgängen geführt.

Wenn ihr schon an gefährlichen Stellen fotografieren müsst, dann stellt euch erst sicher hin und fotografiert dann. Während des Fotografierens, dürft ihr euch nicht bewegenn Dann verliert ihr auch nicht euer Gleichgewicht.

Gefahren im Elbsandsteingebirge – bei Gewitter

Im Elbsandsteingebirge wird diese Wettererscheinung unterschätzt. Viele Wanderer wissen nicht um die Gefahr eines Blitzschlages und sind der Meinung, dass ein Felsüberhang Schutz vor einem Donnerwetter bietet.

Gewitter im Elbsandsteingebirge
Gefahren im Elbsandsteingebirge – Der beste Schutz ist, bei Gewitter nicht wandern zu gehen

So denken auch drei Wanderer. Als sie vor einem Gewitter in einer kleinen Höhle Schutz suchen. Plötzlich ein greller Blitz und sofortigen lauten Donner. Benommen und taub lagen die Wanderer am Boden. Nachdem sie sich etwas erholt haben, wählt einer von ihnen den Notruf. Alle haben Herzbeschwerden.


Eine andere Frau suchte unter einem Felsüberhang Schutz vor einem Gewitter. Das laute Krachen und das laute Echo des Donners in den Felswänden hat der Frau Angst eingeflößt. Da rief sie die Polizei.

Was mit den drei Wanderern passiert ist und was man bei Gewitter tun kann, darüber habe ich schon in einem früheren Artikel geschrieben: Im Elbsandsteingebirge von Blitz und Donner überrascht: Was tun?

Gewitterstimmung wird schon vorher im Wetterbericht angekündigt. Das Beste, ist gleich umzuplanen. Statt einer Wanderung in abgelegene Gebiete, einen Ruhetag einlegen und etwas anderes unternehmen.

Fazit – Gefahrensituationen vermeiden

Wie ihr bereits gelesen habt, könnt ihr selbst sehr viel beitragen, um Gefahrensituationen zu vermeiden. Die erzählten Beispiele habe ich selbst erlebt, außer den Gewittergeschichten. Nachdem ich in jungen Jahren im Zittauer Gebirge einem Gewitter schutzlos ausgeliefert war, überlege ich mir genau, ob solch ein Risiko eingehen muss.

Gefahren lauern überall. Darum ist es wichtig beim Wandern aufmerksam sein. Wer die Touren organisiert, muss immer die Leistungsfähigkeit seiner Begleiter im Auge behalten. Und sollte jemand übermütig werden, scheut euch nicht, das zu sagen.

Die Schrammsteinaussicht
Gefahren vermeiden heißt – erlebnisreich wandern

Wer diese Spielregeln in der Sächsichen Schweiz beachtet, braucht nichts zu befürchten. Ihr helft damit nicht nur euch selbst und euren Wandergefährten, sondern entlastet auch die „freiwilligen Helfer“ der Bergwacht. So wird eure Wanderung zu einem bleibenden Erlebnis.

Beitrag überarbeitet: Mai 2019

2 Gedanken zu „Gefahren im Elbsandsteingebirge“

  1. Hallo Claudia,
    vielen Dank für Deine wichtigen Bemerkungen. Klar Neulinge wandeln zwischen Angst und Leichtsinn. Den Respekt müssen sie meistens erst erlernen. Auch wenn ich die 5. Eigenschaft nicht genannt habe, hast Du sie durch aufmerksames Lesen erkannt. Es ist die Aufmerksamkeit. Man kann diese nicht genug wiederholen. Sie ist die Wichtigste.
    Ich wünsche noch ein schönes Wochenende.
    Viele Grüße
    Peter

  2. Hallo Peter,

    das finde ich generell wichtig, aufmerksam, verantwortungsvoll, vorausschauend und respektvoll zu sein (habe ich die 5. Eigenschaft übersehen?). Viele Unfälle würden dann gar nicht erst passieren. Aber es ist auch normal, dass man als Neuling viele Situationen noch nicht beurteilen kann. Erfahrungen bringen dann auch die notwendige Vorsicht. Manchmal muss leider erst etwas passieren, dass der Betroffene selbst oder andere dadurch lernen.
    Auch ein sehr wichtiger Punkt, dass in einer Gruppe aufeinander Rücksicht genommen werden muss.

    Viele Grüße
    Claudia

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