Eine Reise als Überraschung

über Urlaub nachdenken - Überraschung Südamerikaurlaub

Sprachlos im Marché – geht jetzt ein Traum in Erfüllung?

Mit großen Kulleraugen schaut Andrea erwartungsvoll auf das Ticket. Wohin wird dieses Mal die Reise gehen? Lange hat sie warten müssen, bis das große Geheimnis endlich gelüftet wird. Denn begonnen hat alles vor einem Jahr.

Wie alles beginnt

Vielleicht hat Martin das Titelbild der letzten ReiseTipps animiert, jetzt etwas tun zu müssen. Jedenfalls schreibt er zwei Tage nach Erscheinen dieser folgende E-Mail:
Hallo Peter,
es wird wiedermal Zeit, einen geilen Urlaub zu planen. Damit ich mir nicht die Finger wund schreibe, hier alles Wichtige: Argentinien/Chile – Buenos Aires muss dabei sein. Ich möchte die Anden sehen und in Chile, möglichst mit Valparaiso.
Die Magellan-Straße finde ich schön, aber Andrea bekomme ich nicht auf ein Schiff. Ich muss keine Mega-Citys sehen (außer BA), knallige Landschaft ist mir lieber. Eine schöne kleine Truppe kommt mir sehr gelegen, ist aber kein Muss. Kein Trekkingurlaub, wir brauchen Inspiration und keine Hetze.
Und jetzt das Allerwichtigste – Verschwiegenheit, so wie beim letzten Mal! Mein Mädchen hat null Ahnung und so soll es auch bleiben.
Viele Grüße
Martin

Die Geheimsache Urlaub beginnt

Während mit Martin Angebote durchforstet werden, er eines der Angebote bucht, kommt mir in den Sinn, was wohl Andrea zu dieser Reise sagen würde. Sie hat keine Ahnung, muss einen neuen Reisepass machen lassen, einem nicht unerheblichen Betrag aus dem Ersparten zustimmen und muss natürlich auch noch gesagt bekommen, welche Dinge sie mit auf die Reise nehmen soll. Ist das nicht alles, was die weibliche Neugier entfacht?
Kurz vor Reisebeginn habe ich dann doch einmal bei Martin nachgefragt. Weiß Andrea jetzt, wohin die Reise geht?
Natürlich nicht schreibt Martin. Das soll auch so bleiben. Erst auf dem Dresdner Hauptbahnhof, kurz bevor der Zug zum Flughafen Frankfurt fährt, wird das Geheinmis gelüftet. Damit vorher nichts erkennbar wird, beschäftige ich mich etwas auffällig mit Timbuktu. Da wollen wir auch mal hin.
Reise nach Timbuktu
Das ist dann man mal eine gute Alternative!

Die Spannung steigt für alle

Während Andrea und Martin nach Südamerika aufbrechen, steigt auch hier im Reisebüro die Spannung. Wird die Überraschung gelingen? Was wird Andrea sagen? Funktioniert alles mit den Flügen?
Entspricht die Reise Andreas Vorstellungen? Bekommen sie einen guten Reiseleiter? Die Referenzen von SKR sind gut, aber Erfahrungen mit anderen guten Veranstaltern haben auch schon anderes zutage gebracht.
Jetzt beginnt das lange Warten, wie im Film „Apollo 13“ als das Raumschiff in die Erdatmosphäre eintritt und Funkstille herrscht. Nur das es hier statt vier Minuten zwei Wochen sind.
Willkommen zu Hause

Willkommen zu Hause

Endlich, jetzt kann der Willkommensgruß an die Heimkehrer geschickt werden. Vor allem interessiert das Feedback, egal ob positiv oder mit kritischen Anmerkungen. Jetzt wieder warten … Nach ein paar Tagen, die erlösende Antwort:
Hallo Peter,
leider ist unsere Karte noch nicht da. Du hast zu früh nachgefragt. Uns hat es sehr gefallen, wir hatten einen Mordsspaß und …
Viele Grüße
Andrea & Martin
P.s.: Schau dir unser Reisetagebuch an.

Aus Martins Reisenotizen

Los geht‘s

Wie immer, Andrea hat bis jetzt noch keine Ahnung, es wissen gerademal 3 Leute, wohin es geht – der Reiseveranstalter, mein Reisebüro und ich!
In neun Stunden geht‘s los und was soll ich sagen – Wahnsinn pur! Nun sind die Koffer gepackt, die Gewichtsbeschränkungen eingehalten, keine Macheten, Feuerbälle oder güldene Trump-Toupets im Beutel – da kann es ja losgehen. Vorher kommt aber noch der Heulkrampf und hoffentlich eine fette Umarmung, wenn Andrea endlich die Auflösung erfährt.
Wir sitzen im Marché des Dresdner Hauptbahnhofes und Andreas Augen sind kräftig entwässert. Ihre Freude ist auch meine Freude.

Fliegende Eiswürfel

„Tschikken or Biiiief“ – ich hätte der Stewardess alles abgenommen, wenn sie weitergeredet hätte! Eines aber frage ich mich die ganze Zeit. Warum muss ein Flugzeug bei -40 Grad Celsius Außentemperatur extra noch gekühlt werden? … Will der Captain die Passagiere nachher als menschliche Eiswürfel gegen die Klimaerwärmung über dem Amazonas abwerfen? Es könnte aber auch ein ganz anderer Masterplan dahinter stecken. Genug herunter gekühlt, stellt der gemeine Passagier seine Metabolik ein, meckert nicht rum und ist einfach pflegeleicht.

Buenos Aires

Wir sind in Buenos Aires gelandet. Unmengen von Leuten stehen hier beim Zoll. 90 Minuten Einreisekontrolle – kein Wort verstanden und böse Blicke, vom Herrn mit dem Passstempel geerntet, klasse!
Kennt einer noch die Gassenhauer mit Armin Müller-Stahl in „Das unsichtbare Visier“ im Argentinieneinsatz? Die Schauspieler waren derart mit Schuhcreme auf farbig getrimmt, dass der Schwarz-Weiß-Fernseher explodiert ist. Außerdem, wer den Film „Evita“ mit Madonna gesehen hat, weiß um die Bedeutung des roten Gebäudes.

Tango

Wir haben unverschämtes Glück, in der ganzen Stadt blühen die Jacaranda- und Ceibo-Bäume. Die Temperaturen sind noch superangenehm und die Flohmärkte Kilometer lang. Dort zeigt sich die geballte künstlerische Kraft der Szene. Den Tagesausklang haben wir in einer Tangospelunke mit einem Bierchen gefeiert. Wenn ich mir das so ansehe, wie betagte Herren die Mädels sanft durch die Kante schieben, kann ich nur sagen, das Beste liegt noch vor mir! Leute! Lernt Tango!
Tango tanzen in Buenos Aires

Auf nach Feuerland

Wir sind am Ende der Welt, nicht am Arsch, sondern hier ist einfach nur Schluss, wir sind südlicher als irgendein Land sonst wo auf der Erde.
Ich bin ziemlich ergriffen. Ich sitze gerade auf einem Katamaran, um auf dem Beagle-Kanal zu den Pinguinen und Walrössern zu fahren. In Ushuaia geht es los! Du blickst auf die raue Landschaft, ein Leonardo DiCaprio (weil „The Revenant“ hier gedreht) und sechs Hotels vom Feinsten.
Wahnsinnige Landschaft!! Wie soll man das beschreiben. Man ist hin und her gerissen, alles erscheint einem als superkostbarer Moment, da muss man fotografieren – klick – das nächste Bild ist im Kasten. Highlight am Nachmittag – mit einer Robinson R44 zum Sekt schlürfen in die Berge der auslaufenden Anden fliegen. Na klar ist das dekadent, aber es war auch wahrhaft ganz großes Kino!

Pampa

Wir wechseln auf die andere Seite der Cordillères und die Landschaft ändert sich rapido. Regenreiche Waldgebiete wandeln sich in furztrockene Pampa zu Lehmboden … kein Wasser. El Calafate wiederum kommt gegenüber Ushuaia schon mondän daher. Die Straßen sind gepflastert und der Kommerz lockt. Im Westen ist das südliche Eisfeld zu erahnen und direkt vor der Stadt liegt der blaue „Lago Argentino“.

Nationalpark Los Glaciares

Letzter Tag in Argentinien und das Land hat sich für uns noch mal mächtig ins Zeug gelegt mit Sonnenschein, blühende Feuerbüsche und als Oberknaller der Perito Moreno Gletscher. WOW! … Der Gletscher 60 Meter hoch. Durch seine Fließgeschwindigkeit von 2 Metern pro Stunde kann man fast zusehen, wie die Risse größer werden. Tiefe Furchen durchziehen die Oberfläche, da kann man einen Yeti drin verstecken, ohne dass Reinhold Messner davon Wind bekommt. Der Tag am Gletscher war großartig, da musste zum Abschluss noch ein Stück Lamm auf den Teller – lecker!

Eine Busfahrt, die ist…

… lustig wäre übertrieben! Wir sitzen im Überlandbus nach Chile. Fliegen geht nicht, der Grund dafür ist trivial wie dämlich, die beiden Länder stänkern einfach zu gern.
Wir fahren also durch die argentinische Trockenpampa, hügeliges Land. Neben uns ein bis zum Horizont reichender, ca. einen Meter hoher Zaun mit vier Stahlseilen. Für die Guanakos ist das eine tödliche Falle, wie die Kadaver im Zaun beweisen. Dahinter Land, soweit das Auge reicht, bedeckt mit Löwenzahn und einem Hauch von Grün, der in zwei Monaten wieder weg sein wird.
Über das Land fegt heute wieder ein anständiger Wind. Die Touristen kramen die wetterfesten Funktionsjacken raus und die Gauchos stecken sich eine Kondorfeder an die Hutkrempe. So ist das. Patagonien ist
ein Land des Windes und der wiederum ist der Motor für das Inlandeis!
Die Grenze kommt in Sicht; zweieinhalb Stunden Wartezeit im Bus an der argentinischen Pampa-Zollstelle, auch ein „WOW“ wert.

Hola Chile

Wir sind in Chile und vieles ist anders. Die Straße ist asphaltiert, die Wartezeiten sind bedeutend kürzer und wir fahren in Richtung Pazifischer Ozean. Mit jedem Meter Richtung Westen wird die Landschaft grüner.
In Puerto Natales wartet schon unser Expeditionsmobil und es regnet – macht aber nix, wird ja Zeit, dass es mal regnet! Wir probieren die einheimischen Spezialitäten: Pisco Sour (sehr geil), Congrio nach Art des armen Mannes oder Chupe de Centolla – alles sehr lecker.

Torres del Paine

Nationalpark „Torres del Paine“ – da stehst du nun und kriegst den Mund nicht zu! Ob es jetzt der Grey-Gletscher ist oder die Felsformation der „Hörner und Türme“, man ist einfach nur baff. Wir haben also eine Hammernacht im Nationalpark verlebt. Die wilde Rechnung für zwei Bier und ein Wasser zeigt, alles muss umständlich heran geschleppt werden und mit Stromhilfe des ewig ratternden Aggregates gekühlt werden.
Die Nacht war etwas Besonderes, nämlich sternenklar und so blinzelte uns das Kreuz des Südens zum ersten Mal zu.
Torres del Paine

Unter Schafen

Auf dem Rückweg von Torres del Paine machten wir mit unserem Expeditionsmobil Halt an der Estancia de San Sebastian! Das Lamm, welches lustig vor unseren Augen dahin kokelte, hatte seinen dritten Geburtstagsmonat glatt verpasst und schmeckte großartig. Danach bekamen wir eine Einweisung in „Wie reite ich als Gaucho ein Pferd zu“ und „Wie schere ich ein Schaf“, er hat einfach Spaß daran gehabt – danke. Das war ein wirklich gelungener Einblick in das Leben auf einer Pampa-Farm, liebevoll und warmherzig so sind die Landchilenen.

Pinguine

Wir fahren im Bus nach Punta Arenas, eine reiche Stadt. Das merkt man sofort. Alles ist sauber, Bäume sind zu gewaltigen Kuppeln zugeschnitten, ein Haufen Läden, Kirchen und jede Menge öffentliche Gebäude. Im Hafen liegt der Eisbrecher „Nathaniel B. Palmer“. Von je her fahren ab hier die Forschungsschiffe in die Antarktis.
Jetzt geht’s zur Pinguininsel. Auf jeden Magellanpinguin kommen geschätzt 20 gefräßige Möwen, die nur darauf warteten, dass die Minipinguine schlüpfen, damit bei den flugfähigen Ex-Freunden wieder Fleisch auf dem Speisezettel steht.

Warten auf den jüngsten Tag

Wir sind früh auf den Beinen und es regnet – macht aber nix, wir wollen weg nach Santiago. Noch scheint es, als wären wir dem schlechten Wetter immer einen Schritt voraus. Am Flughafen dann die Ernüchterung- der Regen bleibt und unser Flug findet erst knapp sechs Stunden später statt, Maschine kaputt! Naja, spaßig ist es nicht aber eben nicht zu ändern! Machen wir was draus und besuchen noch mal Punta Arenas.
Ungeplante Zwischenlandung in Puerto Montt. Ein freundlicher Mitreisender macht uns darauf aufmerksam, dass es hier eine große Einwanderungswelle aus Deutschland gab.

Santiago

Von Santiago haben wir nicht mehr viel mitbekommen. Sechs Millionen Einwohner auf engem Raum. Das Damenhafte von Buenos Aires scheint etwas zu fehlen, dafür ist jeder Quadratzentimeter mit Farbe voll, und zwar richtig gut!

Valparaiso

Der erste Tagesabschnitt bringt uns in ein Weingut. Nun bekommt man bei dem Gedanken an Kaffeefahrt ins Weinland eher einen Gähnanfall, aber wir standen plötzlich beim größten Produzenten für ökologisch und biodynamisch hergestellten Wein weltweit Emilia und das war mega interessant. Nach der ausführlichen Vorstellung der Arbeitsweise gab es die Verkostung und ich hatte echt Durst. Also rein damit, kurzer Plausch mit den gegenübersitzenden Gästen aus Wales und schon war alles viel heller als in Wirklichkeit!
Mitten im Stadtrundgang fand ich wieder zu mir selbst. In Pablo Nerudas bescheidener Hütte ging’s los. Wenn Häuser Namen statt Nummern haben! Toll! Ist das eine schöne Stadt! Allerdings muss man sagen, dass hier die allerbesten Tage weit zurückliegen, als es noch keinen Panamakanal gab!

Nach Hause

Tja – und damit mache ich Schluss. Morgen ist Abreise und somit Trauer. Leute fahrt nach Patagonien und lasst Euch verzaubern.
Post aus Argentinien
Nach vier Wochen über den kurzen Postweg ist die Karte in Dresden angekommen.
WOW! Danke Andrea und Martin für die emotionale Urlaubsschilderung

Als Fazit kann man sagen:

  • Die Überraschung für Andrea und gewählte Reise sind ein voller Erfolg gewesen.
  • Martin hat schon die nächste Geheimsache Urlaub angekündigt. Ob es nächstes Mal Timbuktu wird?
  • Auch als Reisebüro fiebern wir bei allen Reisen mit und freuen uns, wenn alles gut gelaufen ist – das war es.
Eine große Reise geheim zu halten, ist ziemlich schwer. Die Neugier des zu Überraschenden wird sich in Grenzen halten müssen, sonst wird’s nicht funktionieren.

Was meint Ihr zum Geschenk – Reise?

4 Gedanken zu „Eine Reise als Überraschung“

  1. Hallo Peter,
    was für eine tolle Idee hatte da Martin! Ich kenne Freunde, die das Geburtstagskind mit einer kurzen Reise überraschen und erst am Flughafen mit dem Reiseziel rausrücken aber so eine Fernreise?

    Martin hat das auch so witzig geschrieben, man fiebert direkt mit. Habe ich gleich als Inspiration geteilt.

    Zu dem Tango kann ich nur sagen: Männer lernt tanzen, dann könnt Ihr im Alter kostenlos auf Kreuzfahrt gehen und als Eintänzer die Damenwelt über die Tanzfläche schupsen. Für uns Frauen gibt es diesen tolle Job nicht.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Hallo Renate,

      was nicht ist, kann noch werden. Die Zeiten ändern sich immer und dann kann schon passieren, dass Frauen die Männer übers Parkett schubsen. Die Reisenotizen fand ich auch amüsant. Deswegen habe ich um Erlaubnis gebeten, diese mit verwenden zu dürfen.

      Liebe Grüße
      Peter

    2. Hallo Renate,

      zwischenzeitlich hat sich die Beharrlichkeit ausgezahlt und wir werden Tango lernen. Da mein Hintern diesbezüglich nicht der Beweglichste ist, wird es wohl eine kleine Weile länger dauern als normal aber der Weg ist das Ziel. Wenn ich dann auch nur gefühlt in die Tanzregion von dem Herrn aus der Melonga in Buenos Aires komme, könnte ich vielleicht doch noch 100 Jahre alt und Eintänzer werden wollen (allein die Bezeichnung ist ja schon der Knüller!). Aber nur mit Andrea – logisch!

      Viele Grüße
      Martin

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