Amselfall am Malerweg von Adrian Zingg

Durchs Grünbachtal zum Amselfall am Malerweg

«Oh furchtbare Waldschlucht, größtenteils mit Schwarzholz bewachsen, von hohen Gebirgen rings umgeben. Von einem derselben stürzt ein Wasserfall. Der Vollmond scheint bleich. Zwei Gewitter von entgegengesetzter Richtung sind im Anzug. Weiter vorwärts ein vom Blitz zerschmetterter, ganz verdorrter Baum, inwendig faul, sodass er zu glimmen scheint. Auf der andern Seite, auf einem knorrigen Ast, eine große Eule mit feurig rädernden Augen. Auf anderen Bäumen Raben und anderes Waldgevögel.» *

Der Freischütz – tief verwurzelt mit dem Amselfall

«Die Uhr schlägt ganz in der Ferne zwölf. Der Kreis von Steinen ist vollendet. Kaspar reist heftig den Hirschfänger heraus, stößt ihn in den Totenkopf. Er hebt den Hirschfänger mit dem Totenkopf, dreht sich dreimal herum und ruft:

Samiel! Samiel! Erschein!
Bei des Zaubers Hinkebein!
Samiel! Samiel! Erschein!» *

Schaurig und düster, so sehen, Carl Maria von Weber und der Librettist (Autor eines Librettos) Friedrich Kind die Umgebung des Amselfalls. Wer schon einmal dort war und sich die beschriebenen mitternächtlichen Gewitter vorstellen kann, hat bestimmt eine Chance, die Rolle des Kasper’s in der romantischen Oper „Der Freischütz“ zu übernehmen. Nach glaubhaft überlieferten Beweisen entstand hier am Amselfall die Idee Wolfsschluchtszene.

Der Weg zum Amselfall – romantisch und entspannend

Wanderer auf dem Malerweg, die von der Bastei kommen, steigen abwärts in das Grünbachtal. Links ist der Abzweig zur Felsenbühne Rathen mit ihrer einzigartigen Felskulisse. Jedes Jahr werden hier einige Vorstellungen der romantischen Oper aufgeführt. Keinen trefflicheren Ort kann ich mir hierfür vorstellen, als im tiefen Raaber Kessel zwischen den steil aufragenden Gansfelsen und den Wehltürmen. Die hellen Blitze in der Wolfsschluchtszene zerreisen das Dunkel der Szenerie und der Widerhall des Donners verfängt sich in den Echos der Felsen. Fast. So wie es Weber ersonnen hat.

Wer also in den Sommermonaten sich im Kurort Rathen aufhält, sollte sich die Oper „Der Freischütz“ nicht entgehen lassen.

Kurze Zeit später, kommen wir an den Amselsee. Die Staumauer errichtete die Gemeindeverwaltung Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der angestaute See sollte die Attraktivität des Tales erhöhen. Das ist auch durchaus gelungen. Denn mit Ruder- und Tretbooten auf See strahlt das bezaubernd schöne Tal mit den umliegenden Felsen eine majestätische Ruhe aus. Und wer Glück hat, kann vielleicht einen Bergsteiger hoch oben beim Klettern an der Lokomotive sehen.

Einige Schritte hinter dem Amselsee beginnen links die Schwedenlöcher. Ein Aufstieg über 800 Stufen zur Bastei. Unser Weg wird steiler. Den Grünbach hören wir im Tale plätschern. Das Ende der kurzen Mühe wird durch die Amselfallbaude signalisiert. Und schon erreichen wir den Amselfall.

Der Amselfall zwischen Enttäuschung und Romantik

Enttäuschung macht sich in uns breit. Dieses Rinnsal nennt man Wasserfall? Zumindest gibt es einen Ausschank, um den Durst zu löschen und einen kleinen Snack zu sich zu nehmen.

Amselfall am Malerweg als Rinnsal

Nicht immer führt der Grünbach viel Wasser mit sich, wie nach einer Schneeschmelze oder nach vielen Regentagen. Das war auch früher schon so, als der Amselfall gerade erst touristisch erschlossen war.

Die wohlbetuchten Touristen schickten damals einen Bediensteten mit einem guten Trinkgeld als Boten nach Rathewalde zum Lochmüller, um diesen zu bewegen das Stauwerk zu öffnen damit mehr Wasser fließt.

Der Wasserfall für Romantiker

So viel Zeit bedarf es heute nicht mehr. Wer dieses Schauspiel heute erleben will, nimmt Platz an einem der Tische und trinkt gemütlich ein Bier oder stillt seinen Durst mit einer Limonade. Sind genügend Durstige anwesend, öffnet der Schankwirt die Schleusen und ein ansehnlicher Wasserfall rauscht hernieder.

Der Amselfall am Malerweg

Einen Höhepunkt bilden die Zeiten, wenn Sonnenstrahlen in das enge Tal auf das niederprasselnde Wasser fallen. Dann wölbt sich im Staubregen ein prachtvoller Regenbogen. Ein Fotomotiv der Extraklasse.

Selbst im Winter verzaubert uns der Amselfall. Das wenige Wasser gefriert zu einer traumhaften Eislandschaft. Noch schöner wirkt diese im verschneiten Winterwald.

Amselfall im Winter

Der Malerweg führt weiter in Richtung Rathwalde. Im Grünbachtal weist ein Schild auf eine einzeln stehende Weißtanne. Sie war vor der Rodung der Wälder im Mittelalter hier der vorherrschende Nadelbaum. Später wird die Weißtanne durch die schnell wachsende Fichte abgelöst.

Warum Wandern auf dem Malerweg?

Der Malerweg ist imposant, abenteuerlich und natürlich malerisch schön. Links und rechts des Weges verbergen sich viele Geschichten, die entdeckt werden wollen. So wie diese.

Warum es dann der Malerweg sein soll? Lesen Sie: Warum der Malerweg einer der faszinierendsten Wanderwege Deutschlands ist?

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*) Auszug aus Reclam, Der Freischütz mit einer Einführung von Karl Schönewolf

Bildnachweis

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