Dresden entdecken mit Laufschuhen

Habt ihr schon mal daran gedacht, eure Laufschuhe mit auf eine Städtereise mitzunehmen? So ein Blödsinn denkt jetzt der eine oder andere. Wer kein Morgenmuffel ist und die wärmenden Sonnenstrahlen liebt, wird nach einer Runde Joggen durch den Großen Garten tiefenentspannt zurückkehren. Ihr werdet staunen, was ihr alles entdecken könnt.

Wenn die Sonne dich zum Laufen ruft

Warm strahlt die Sonne in meine verschlafenen Augen. Heute ist Sonnabend und alle schlafen noch. Ein Grund mehr, um jetzt eine Runde durch den Dresdner Großen Garten zu joggen. Ich stehe auf, ziehe mir meine Joggingklamotten an und los geht’s.

Langsam trabe ich aus der Haustür. Ich denke mir bloß nicht zu schnell loslaufen, sonst geht dir wieder die Puste aus. Nach ein paar Hundert Metern quere ich die Prager Straße. An einem der Tische der Bäckerei Schwerdtner trinken die Angestellten genüsslich ihren Kaffee und rauchen eine Zigarette. Bald kommen die ersten Gäste aus den umliegenden Hotels zum Frühstück. Dann ist es vorbei mit der Ruhe.

Kennt ihr das ehemalige englische Viertel in Dresden

Die Ampel an der St. Petersburger Straße zeigt für Fußgänger wieder mal rot. Meine Gedanken schweifen ab nach Gegenüber. Da befand sich bis vor dem Zweiten Weltkrieg das englische Viertel.

Das Dresdens Altstadt im Februar 1945 durch anglo-amerikanische Bomben zerstört wurde, weiß fast jeder. Kaum bekannt ist, dass sich zwischen St. Petersburger Straße und Bürgerwiese ein englisches Wohngebiet mit einer eigenen anglikanischen Kirche befand.

Nach Sachsens Niederlage mit Napoleon kam die industrielle Revolution in Sachsen nur langsam in Fahrt. Sachsen war sehr angetan von der englischen industriellen Entwicklung. Daraus entwickelte sich ein positives Zusammenspiel. Zur gleichen Zeit entdeckten reiche Engländer Dresden als Kunst- und Kulturstadt. Sie ließen sich in Dresden nieder, um ihren Kindern eine hohe künstlerisch-kulturelle Bildung zu ermöglichen.

Während politischer Zwistigkeiten vor dem Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschland und England zogen viele Engländer wieder zurück in ihre Heimat. Paradoxerweise wurde auch das englische Viertel am 13. Februar 1945 durch englische Bomben vollständig zerstört. Heute stehen hier Wohnbauten aus den 1950er-Jahren.

Begegnungen zwischen Bürger- und Cockerwiese

Warum diese Parkanlage Bürgerwiese genannt wird, entzieht sich gerade meinen Kenntnissen. Mir kommt ein arabisch aussehender Jogger entgegen. Ich grüße ihn und er grüßt freundlich zurück. Es ist alles so selbstverständlich und friedlich. Warum gibt es in den sozialen Medien so beleidigende Diskussionen, wenn es um Menschen mit fremden Aussehen geht?

Am Lingnerplatz sehe ich linker Hand das Deutsche Hygienemuseum. Die große Wiese hinter der Herkulesallee wird Cockerwiese genannt. Hier gab Joe Cocker in den 1980ern zu tiefsten DDR-Zeiten sein legendäres Konzert vor seinen Fans in der DDR.

Der Große Garten ist mehr als eine Parkanlage

Jetzt über die Lennéstraße und ich bin im Großen Garten. Zwei Kilometer sind es bis hierher. Meine Schritt- und Atemfrequenz arbeiten synchron. Ich entschließe mich heute, 10 Kilometer zu joggen.

Auf der Hauptallee im Großen Garten ist kaum jemand zu sehen. Nur in der Ferne ein einzelner Inlineskater. Bei den Schienen der Parkeisenbahn fällt mir ein, dass heute Abend Nachtfahrten mit der Parkeisenbahn im beleuchteten Großen Garten stattfinden. Dabei sind die Liliput-Dampflokomotiven am beliebtesten.

Parkeisenbahn_Dresden entdecken mit Laufschuhen

Rechter Hand einhundert Meter von der Hauptallee entfernt, steht der Mosaikbrunnen. Seit letzter Woche sprudelt das Wasser wieder nach jahrelangen Renovierungsarbeiten.

Die beiden Steinskulpturen links und rechts der Hauptallee sind der Eingang zum Palais im Großen Garten. Dahinter eröffnet sich mir ein seltener Anblick. Auf den Wiesen der Parkanlage wabert morgendlicher Nebel. Mystisch ragen Pflanzen und Skulpturen heraus und im Hintergrund steht ein märchenhaftes, in rötlichen Sonnenstrahlen getauchtes Palais. Und ich keinen Fotoapparat mit!

Das Palais, einst als Lustschloss konzipiert, wurde vier Jahre nach dem 30-jährigen Krieg erbaut. Heute finden hier kleinere Veranstaltungen und Ausstellungen statt.

Ich laufe bis zur Karcherallee, dem anderen Ende der Hauptallee und wende. Auf der Hauptallee sind jetzt schon mehr Leute unterwegs. Wieder komme ich am Palais vorbei, dieses Mal von der Seite des Palaisteiches. Vier Runden laufe ich. Die Hälfte der Strecke habe ich geschafft. Plötzlich ruft hinter mir ein Mann, Lessi komm her. Ich schau mich kurz um und sehe, wie ein Foxterrier zu Herrchen läuft.

Palaisteich im Grossen Gareten - Dresden entdecken mit Laufschuhen

In der dritten Runde begegne ich zwei Frauen mit grünen Fahrrädern vom Achat Hotel an der Budapester Straße, das sich neben dem Restaurant „Feldschlösschen Stammhaus“ befindet. Die beiden Frauen wollten sicherlich schon etwas unternehmen, bevor in Dresden die Touri-Bären steppen.

Auf dem Rückweg schaue ich mich noch einmal um, ob auf der anderen Seite des Palais noch etwas vom wabernden Nebel übrig geblieben ist. Nichts davon ist mehr zu sehen. Die Sonne hat ihr Werk vollbracht.

Der Blüherpark ist schön zum Laufen. Die Bäume schützen gut vor den immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen. Wieder komme ich an der Konditorei Schwerdtner vorbei. Jetzt sitzen hier die ersten Touris beim Frühstück. Ich quere wieder die Prager Straße und nur wenige Schritte trennen mich noch von meiner erfrischenden Dusche.

Warum einen Beitrag über Joggen

Die wärmende morgendliche Sonne inspirierte mich über dieses und jenes nachzudenken. Nicht immer tue ich das in dieser Art und Weise. Meistens laufe ich abends und baue beim Joggen meinen täglichen Stress ab. Heute Morgen bin ich entspannt losgelaufen. Mein Kopf ist von allem Unrat der letzten Woche befreit. Da habe ich Zeit, die Umgebung wahrzunehmen. Es ist schon erstaunlich, wie achtlos ich sonst am Geschehen vorbei gehe.


Überarbeitet: Februar 2021

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