Malerweg Pfaffenstein, Elbsandsreingebirge

Der Pfaffenstein am Malerweg

Warum der Tafelberg einer der beliebtesten Wanderziele ist?

Als einer der schönsten Tafelberge der Sächsischen Schweiz hat man den Pfaffenstein sehr spät erschlossen. Erst als die 1852 eröffnete Eisenbahnstrecke von Dresden nach Bodenbach (heute Decin) mehr Touristen brachte, begann die Erschließung. Vorreiter war Carl Gottlob Jäckel. Er kannte den Pfaffenstein noch aus der Zeit, als er vor den Truppen im Napolionischen Krieg das Vieh im kleinen Kuhstall am Pfaffenstein verstecken musste.

Dr. J. Conrad schrieb 1852 ein Feuilleton über den Pfaffenstein in einer Dresdner Zeitung:

…Betrachtet man den Pfaffensteinaus der Ferne, so hält man ihn für eine ebenso geschlossene Sandsteinmasse, wie etwa die Festung oder den Lilienstein. Das ist aber das Eigentümliche und Merkwürdige dieses Felsens, daß er aus einer großen Menge einzelner Steinmassen und Kegel besteht, welche bei der großen Erdrevolution aus dem darunter liegenden Urgebirge emporgeschossen zu sein scheinen, so daß sie zwar oft in Verbindung mit ein ander dastehen, meistens aber durch engere oder weitere Klüfte von einander geschieden sind. *

Carl Gottlob Jäckels Erschließung des Pfaffentsein

Noch heute sind seine Spuren am Pfaffenstein, zu finden. Jäckel befestigte zuerst den Weg, der heute etwa dem Bequemen Weg entspricht. Auf seinen Führungen erzählte der sachkundige und humorvolle Führer seinen Begleitern Geschichten und zeigte besondere Felsgebilde. Fantasievolle Namen, wie Eidechse oder Frosch, Annenbank, Lutherkopf, Peterskirche, Druiden- oder Rittersitz, Luftballon und Opferkessel, haben sich bis heute erhalten.

Die Besteigung des Pfaffenstein am Malerweg

Der Malerweg kommt aus Richtung Gorisch über den „Alten Schulweg“. Bis Ende des 19. Jahrhunderts sind auf diesem Weg die Kinder zur Schule in Pfaffendorf gegangen. Da, wo der Alte Schulweg mit dem Panoramaweg zusammentrifft, erscheint der Tafelberg in einem besonderen Licht. Jetzt geht es durch das Tal hindurch zum Fuß des Pfaffensteins.

Pfaffenstein am Malerweg - Nadelöhr

Über 500 Stufen steigt ihr jetzt durch eine wildromantische Schlucht bergan. Geschafft sagt derjenige, der gerade durch das Nadelöhr geschlüpft ist. Nur weinige Meter trennen noch vom Bergplateau. Oben angekommen zweigt linker Hand ein Pfad ab, der zum Aussichtspunkt „Albrechtsburg“ (Name der Meißner Burg) führt. Bei guter Sicht ist der Ausblick malerisch schön.

Hier beginnt auch der Abstieg zur ehemaligen Goldschmidthöhle. Goldschmidt ein verurteilter Geldfälscher war 1854 aus der Haft der Festung Königstein geflohen und soll sich in dieser Höhle versteckt haben. Angenommen wird jedoch, dass er sich in einer anderen unzugänglicheren Höhle versteckt hat.

Wieder auf dem Hauptweg wird der Weg zum „Opferkessel“ ausgeschildert. Das ist der Pfad auf dem Jäckel vor etwa 150 Jahren die ersten Touristen auf den Pfaffenstein führte.

Die Gastwirtschaft

Ein Wirtshaus gab es schon von Beginn an auf dem Pfaffenstein. Das heutige Haus wurde um 1900 errichtet. Zu dieser Zeit entstand auch der steinerne Aussichtsturm. Gebaut wurde der Turm ohne Gerüst, also über den inneren Treppenaufgang. Die Aussicht von oben ist grandios. Aber – der Aufstieg sowie die „Aussichtsplattform“ sind sehr, sehr eng. An Tagen mit vielen Besuchern kann diese Aussicht zu einer echten Nervenprobe werden.

Einkehren in das Gasthaus ist eigentlich Pflicht. Die Speisekarte verspricht Unerwartetes, angepasst an den modernen Gast. Nach der Strapaze des Aufstieges mundet ein kühles Bierchen. Zumal der Preis für ein Glas Bier sich von November 1923 bis heute, von 52 Milliarden Mark auf wenige Euro verringert hat. Das ist doch ein top Preis!

Die Barbarine – Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz

In südlicher Richtung gelangt ihr zur 50 Meter langen „Hohlen Gasse“, der engsten Stelle des Weges zur Barbarine. Viele kleine Aussichten passiert ihr bis ihr bei der majestätisch aufragenden Barbarine angelangt seid. Richtet ihr im schmalen Durchgang zur Aussichtsplattform der Barbarine euren Blick einmal senkrecht nach oben seht ihr einen „Ambos“ über euch schweben.

Oftmals wird heute, bedingt durch die hohen Besucherzahlen, als Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz die Bastei in Rathen oder die Festung Königstein angepriesen. Die Barbarine ist aber seit je her das Wahrzeichen gewesen. Das aus gutem Grund. Geschichten und Legenten ranken seit jeher um diese Felsnadel. So wie diese Legende:

Einst soll eine Mutter aus Pfaffendorf ihrer Tochter am Sonntagmorgen gesagt haben, dass sie in die Kirche gehen soll. Stattdessen ist das Mädchen zum Pfaffenstein gegangen, um Heidelbeeren zu sammeln. Ihre Mutter war misstrauisch und verfolgte ihre Tochter. Als die Mutter bemerkte, dass ihre Tochter nicht einmal daran gedacht hatte, in die Kirche zu gehen, war sie erzürnt. Die Mutter verfluchte ihre Tochter. Sie solle sofort zu Stein werden und hier für immer stehen bleiben. Allen ungehorsamen Kindern solle das eine Warnung sein.

Barbarine am Pfaffenstin

Zweifellos ziehen solche Geschichten magisch an eine so beschriebene Felsnadel zu besichtigen. So auch die Kletterer Rudolf Fehrmann und den Amerikaner Oliver Perry Smith. Im September 1905 gelang den beiden die erste Besteigung der Babarine im Schwierigkeitsgrad VI. Allerdings musste der Gipfel 1975 für das Bergsteigen gesperrt werden. Mehrere Blitzschläge in den Gipfelkopf hatten den Sandstein porös gemacht. Schilder an der Aussichtsplattform berichten von der aufwendigen Sanierung der Barbarine. Somit bleibt das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz noch einige Jahre erhalten.

Der Abstieg erfolgt über den „Bequemen Weg“. Kurz bevor ihr die Steinschlucht verlasst, kommt ihr am kleinen Kuhstall vorbei. Hier hatte Jäckel 1813 das Vieh vor den Soldaten versteckt. Kurz danach gelangt ihr an eine steil aufragende Felswand mit einem Medaillon. Dieses wurde 1881 zu Ehren des Erschließers Carl Gottlob Jäckel am Kletterfelsen „Jäckelfels angebracht. Erstmals bestiegen wurde der Jäckelfels 1905 von Oliver Perry Smith.

Dem aufmerksamen Wanderer wird beim weiteren Abwärtsgehen ein kleiner Wall auffallen. Dieser stammt aus der Bronzezeit vor 3000 Jahren und ist ein Hinweis auf die erste Besiedlung des Pfaffensteins.

Bleibt hübsch neugierig. Denn im nächsten Artikel werdet ihr wieder Interessantes über den Malerweg erfahren.

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Literatur: * Der Pfaffenstein: Berg-& Naturverlag Rölke; Sagen und Märchen aus der Sächsischen Schweiz: Gundula Hubrich Messow

5 Gedanken zu „Der Pfaffenstein am Malerweg“

  1. Hallo Peter,
    am Wochenende ging es um Recherchen für Blogartikel und dann lese ich hier einen perfekt recherchierten Artikel. Das passt. Hintergrundinformationen und Bilder machen ein Reiseziel doch sehr viel interessanter.
    Viele Grüße
    Claudia

  2. Hallo Claudia,
    vielen Dank für deinen guten Kommentar. Genau darum geht es mir. Das Elbsandsteingebirge, auch bekannt unter dem Namen Sächsische Schweiz, zum Leben zu erwecken. Denn dieses kleine Felsengebirge ist mehr, als dass man nur sagt, es ist schön. Wer aufmerksam wandert, wird viel Interessantes entdecken, darüber nachdenken und so einen ganz anderen Bezug zur Region bekommen.
    Der heutige Malerweg führt über 8 Etappen. Ich bin als Dresdner über einen größeren Zeitraum alle Etappen bereits gegangen. In dieser Artikelserie werden alle Streckenabschnitte zusammengepuzzelt.
    Viele Grüße
    Peter

  3. You actually make it seem so easy with your presentation but I find this matter to
    be actually something that I think I would never understand.
    It seems too complex and extremely broad for me.

    I’m looking forward for your next post, I will try to get the hang of it!

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