Die Festung Königstein im Elbsandsteingebirge

Der Königstein im Elbsandsteingebirge

Warum die Festung Königstein eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten im Elbsandsteingebige ist

Vom Pfaffenstein kommend, wird der Blick auf mystische Art von einer hoch oben auf einem Stein befindlichen Bergfestung angezogen. „In Lapide Regis – Auf dem Stein des Königs“ oder wie der Volksmund sagt, die Festung Königstein. Über viele Jahrhunderte spielte diese ehemalige Burg keine Rolle. Doch was macht die Festung Königstein im Elbsandsteingebirge heute so attraktiv?

Ein Maler in Gefahr

Magisch kann man nur sagen. Das imposante Erscheinungsbild löst bei vielen Malern den Wunsch aus, die beeindruckende Wehranlage auf dem Königstein künstlerisch zu verewigen. So auch 1766, den an die Akademie in Dresden berufenen Schweizer Maler Adrian Zingg. Er zeichnet den Tafelberg mit seiner Festung von allen Seiten, wird dabei auffällig und von einer Patrouille arretiert. Denn der Maler zeichnet eine Festung und das ist verboten.

Das hat den Maler und seinen Schweizer Freund Anton Graff nicht abgehalten, sich weiterhin für dieses Felsegebirge zu begeistern. Die vielen Zeichnugen, die die beiden Maler in ihre Heimat geschickt haben, sind der ursächliche Grund, warum das Felsengebirge auch den Namen „Sächsische Schweiz“ bekommen hat.

Mittlerweile haben wir den Quirl umrundet und kommen in das von mehreren Hochwassern gezeichnete kleine Städtchen Königstein, am Fuß der Berfestung. Stadt nach links zu gehen, empfehle ich einen kleinen Abstecher nach rechts. Allein die Postsäule ist schon interessant. Die Fahrzeit bis Dresden mit einer Pferdekutsche hat Sieben Stunden gedauert. Man findet auch einige bekannte Orte auf der Postsäule wieder.

Die Postsäule in Königstein

Auf der Pirnaer Straße ist ein Haus, an dem sind alle Hochwassermarken seit 1784 eingetragen. Eine interessante zeitliche Betrachtung, wenn man die höchsten Elbpegel betrachtet. Zumm Malerweg findet man leicht zurück. Geht einfach in Richtung Kirche, da findet man das vertraute Zeichen des Malerweges.

Königsteiner Erfindergeist

Die Biela, das Flüsschen hört man rauschen. Und wer sich gut umschaut, wird in etwa 5 Meter Höhe eiserne Haken entdecken. Die führen auf eine königsteiner Erfindung zurück; der „Gleislosen Bielatalbahn mit elektrischer Oberleitung“. Kurz gesagt Obus. Dieser verkehrt ab 1901 zwischen dem Königstiger Elbkai und Hütten. Die Skepsis der Behörden gegenüber dem neuen Transportmittel ist übermächtig. So gibt der Erfinder Max Schiemann nach 3 Jahren auf. Weltweit werden diese Obusse heute vor allem innerstädtisch eingesetzt.

Anregung aus Zeitungsartikel: Säschsische Schweiz Magazin 2002

Anregung aus Zeitungsartikel: Säschsische Schweiz Magazin 2002

Der Nimbus der unbezwingbaren Festung

In Jahrhunderten wurden die Klüfte und Bänder im Sandstein der Festungsmauer geglättet. Das Ziel, die Festung darf nur durch das Festungstor betreten und wieder verlassen werden. Die glatten Wände der Festungsmauer kommen also nicht von ungefähr.

Kehren wir in der Geschichte in das Jahr 1848 zurück; nicht in die Zeit der bürgelichen Revolution, sondern in die Zeit des Einzuges der technischen Revolution im Elbtal. Der beginnt mit dem Bau der sächsisch-böhmischen Eisenbahn. Der Eisenbahnbau zog viele Arbeitssuchende an. So erschien an einem Sonnabend im März ein bettelarmer junger Mann, der sich als Gleisbauarbeiter verdingen will.

Es ist Sonntagmorgen und wie alle Tage begann für Sebastian Abratzky auch dieser wieder ganz gewöhnlich. Aber was tut ein junger Mann, der keinen Heller für ein Frühstück geschweige dem überhaupt für eine Mahlzeit in der Tasche hat. Er geht spazieren. Dabei fesseln seine Blicke immer wieder die gigantischen Felswände die Festung. Plötzlich kam dem jungen Schonsteinfeger die Idee, die Festung über die steile Wand zu besteigen.

Die Festung Königstein und der Nimbus der Unbezwingbarkeit

Die Festung Königstein und der Nimbus der Unbezwingbarkeit

Sebastian hatte schon ein paar Meter überwunden, als es im Städtchen 10 Uhr schlug. Der weitere Aufstieg wird immer gefährlicher und raubt dem Jungen immer mehr die Kräfte. Zurückzusteigen ist nicht mehr möglich. So spricht Sebastian sich selbst Mut zu und stellt sich den begeisterten Empfang auf der Festung mit einer Einladung zum Essen vor. Mit letzter Anstrengung überwindet er die Brüstung der Festungsmauer.

Die Schildwache staunte nicht schlecht über den zerlumpten Mann, der plötzlich vor ihnen stand. Sie fragten, woher er käme, und führten ihn anschließend ab. 12 Tage musste Sebastian Abratzky in Festungshaft bleiben. Noch während seiner Haft schrieb die Pirnaer Wochenzeitung – Die Gartenlaube: Die Festung habe:

Ihren Kranz verloren

Zugegeben die Geschichte zeigt ein paar Ungereimtheiten. Aber die Legende Michael Abratzky lebt. Der Abratzky-Kamin ist gegenwärtig der einzig anerkannte Kletterweg, der an einer Wand endet. Der Kletterweg trägt den VI. Schwierigkeitsgrad in der Sächsischen Bergsteigerskala. Als Vergleich, im März 1864 wurde erstmals von Turnern mit künstlichen Hilfsmitteln der Falkenstein bestiegen. Ohne künstliche Hilfsmittel erfolgte die Besteigung im III. Schwierigkeitsgrad erst 1892. Das Jahr 1864 wird als der Beginn der sächsischen Kletterära angesehen.

Wir gehen schon wieder eine Weile bergan und haben vielleicht am Königstein die sogenannte Königsnase entdeckt. Gleich daneben ist der Abratzky-Kamin.

Zwei Möglichkeiten, auf der Festung eingelassen zu werden

Entweder man kennt jemanden, der auf der Festung wohnt oder man bezahlt Eintritt. Wilhelm Lebrecht Götzinger beschreibt das: „Am Eingange wird jeder, der auf sie (die Festung) hinauf will, vorerst durch den diensthabenden Unteroffizier examiniert (überprüft), welcher denn einer hoch oben lauernden, durch eine Klingel gerufenen Ordonanz, Namen, Stand und Wunsch des Anmeldenden nennt, die das dem Festungskommandanten meldet und die Erlaubnis bei ihm holt. Zwischen Namensweitergabe und Antwort des Festungskommandanten ist lange Stille.“

Einlass auf der Festung Königstein

Nach der Antwort übernahm ein Soldat die Führung über die Festung und diejenigen, die niemanden auf der Festung kannten, mussten Eintritt bezahlen, 1 Thaler und 10 Sachsengroschen. Heute ist dafür der Einlassdienst zuständig.

Der Pfarrer und Wanderführer Carl Heinrich Nicolai schreibt über die Besichtigung der Festung: „Man wird diesen durch den Felsen gehauenen Weg sowie die Festung sehr merkwürdig finden. Der Rücken des Felsen ist oben so stark mit Erde bedeckt, daß man Gärten, Felder mit Getreide, ja einen ganzen Wald von so hohen Tannen und Fichten antrifft, daß tüchtige Mastbäume aus ihnen genommen werden können.
Die Aussichten, die man oben hat, lassen sich durch aus nicht beschreiben.

Festung Königstein im Nebel

Sie sind aber, weil von allen Seiten alles offen ist (es standen keine Bäume um die Festung herum), zu reich, als daß man, wenn man herum ist, einen recht deutlichen Eindruck davon haben könnte. Die Ansicht gegen Südosten in das Städtchen hinunter gefällt manchen so, daß er sich derselben vor anderen erinnert. Und die gerade gegen Osten erneuert die vorhin schon so oft empfundenen Eindrücke des Erhabenen und Großen; denn hier stehen dem Auge mehrere solche steile Sandsteinfelsen gerade entgegen.“

Im Gegensatz zu früher dürfen heute viele Gebäude besichtigt werden. Sie beherbergen viele kleinere Museen sowie Sonderausstellungen. Seit Mai 2015 hat die Dauerausstellung IN LAPIDE REGIS – 800 Jahre Leben auf der Festung Königstein eröffent. Eine sehenswerte Ausstellung.

Im Sommerhalbjahr finden auf der Festung Open Air Veranstaltungen statt. 2015 war Reinhold Messner mit seiner Multivisionsshow „ÜberLeben“ zu Gast.

Reinhold Messner zu gast auf der Festung Königstein

Die Markgrafschaft Meißen und der Stein des Königs

Klingt es nicht verwunderlich, das es in Sachsen seit 1241 einen Königstein gibt, obwohl diese Region der Markgrafschaft Meißen unterstand. Aber halt, das stimmt nicht ganz. Große Teile des heutigen Elbsandsteingebirges unterstanden dem damaligen Königreich Böhmen. König Wenzel I.  genau dem, der auf dem Wenzelsplatz in Prag steht. Er verbrachte auf der damaligen Burg zwei Wochen und hinterließ einen machtvollen Namen für die spätere Festung. Es gab viele Streitigkeiten zwischen Böhmen und dem späteren Sachsen, die in blutigen Fehden ausgetragen wurden. Erst der Vertrag von 1459 in Eger gab Sachen den Zuschlag für dieses wunderschöne Felsengebirge und dem Königstein.

 
Man könnte noch viele Geschichten über den Königstein erzählen. Allein über die Prominenten Gefangenen. Allen bekannt, wird der Erfinder des Meißner Porzellan Johann Friedrich Böttger sein und nun auch der anfangs Erwähnte Sebastian Abratzky. Auch die Stellung der Burg bzw. der späteren Festung während der verschiedenen Kriege ist interessant . All diese Geschichten, die erhabene Höhe auf der die Festung thront, der Nimbus der Unbezwingbarkeit und nicht zuletzt die gut erhaltenen Anlagen zum Anfassen locken jährlich Tausende Besucher an.

Haben Sie schon die Festung Königstein besucht? Was hat Sie besonders beeindruckt? Was würden Sie Besuchern empfehlen, sich auf der Festung Königstein anzusehen?

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Literatur: Der historische Malerweg / Frank Richter; Schandau und seine Umgebung oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz / Wilhelm Lebrecht Götzinger; Wahre Geschichten aus Sachsen / Gotthard Feustel; Sächsische Schweiz Magazin 2002

2 Gedanken zu „Der Königstein im Elbsandsteingebirge“

  1. Hallo Peter,
    ich bin über Deinen Beitrag in der Google Gruppe hierher gefunden. Ich lebe selber schon viele Jahr in Sachsen im Erzgebirge. Immer wieder schon dieses Land.

    Leider zieht es einen immer wieder in die Ferne. Dieses Jahr waren wir aber in Sommer für eine Woche in Dresden. Das Elbsandsteingebirge haben wir in der Zeit leider nicht besucht. Steht aber definitiv auf der Todo Liste.

    Alles Gute und Grüße aus dem Erzgebirge.
    Lothar

    1. Hallo Lothar,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Es ist richtig in die Ferne zu schweifen. Bei fast jedem kommt einmal Tag, wo das aus verschiedensten Gründen nicht mehr möglich ist. Dann erinnert man sich gern an Reiseziele wie die Sächsische Schweiz. Aber auch für einen zweiten Kurzurlaub ist das Felsengebirge bestens geeignet. Ich wünsche noch viele schöne Urlaubserlebnisse.
      Viele Grüße
      Peter

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