Alter Elbarm - Elbe-Radweg Dresden Hamburg

Der Elbe-Radweg Wittenberge Magdeburg

Elbe-Radweg III – Durch die Mitte von West nach Ost

Radeln auf dem mittleren Abschitt des Elbe-Radweges zwischen Hamburg und Dresden, vorbei an beeindruckenden technischen und historischen Bauwerken, denkwürdige Geschichten und alles mit viel Wetterglück.

Nach unserer ersten 4-Sterne-Wohlfühlnacht in Wittenberge wollen wir gleich den kühlen Morgen nutzen, um loszuradeln. Unsere Räder sind startklar, da … ein Blitz mit Donner und sofortigen Regen. Ich fühle mich fast, wie in einem Filmklassiker. Nur ist der Regen kein Platzregen, wie im Film, sondern wird langsam heftiger. Wir können noch flüchten. Die überdachte Freilichtbühne im Areal der „Alten Ölmühle“ bietet uns genügend Schutz. Mit der Zeit geht der heftige Regen in einen gemütlicher Landregen über und wir sitzen am Bühnenrand und starren löcher in die Luft.

Regen Ölmühle in Wittenberge

Selbst die Mitarbeiter des Brauhauses, die uns am Vorabend bedient haben, sind schon wieder fit und Rauchen genüsslich ihre Morgenzigarette unter einem Sonnenschirm.

Sie haben wohl Mitleid und bieten uns an, im Brauhaus einen Kaffee zu trinken. Dankend nehmen wir an. Zwei Stunden regnet es noch, bis wir aufbrechen können.

Kaum waren wir aus Wittenberge raus auf der Deichkrone des Elbe-Radweges, da drückte schon wieder die Sonne. Bei dieser schweißtreibenden Wärme, fast wie in einer Sauna steuern wir unser erstes Ziel an, das Storchendorf Rühstädt.

Storchenester in Rühstädt

Wow, kann ich da nur sagen. So etwas habe ich meinen Lebtag noch nicht gesehen. Drei Storchennester auf einem Dach, alle bewacht, damit keiner zu nahe kommt. Selbst Artgenossen werden verjagt. Schließlich ist ja Brutzeit. Da lassen Mama- und Papastorch niemanden an ihr Nest.

In Deutschland vergeben wir eine Menge Namen für Reiserouten, wie die Straße der Romantik, die Märchenstraße oder die Silberstraße. So gibt es auch eine Storchenstraße. Die beginnt bei Hamburg und endet bei Schnackenburg, also kurz vor Wittenberge. Obwohl sich das Storchendorf Rühstädt südlich von Schnackenburg befindet und Storchennester bis in den Raum Riesa in Sachsen zu sehen sind, scheint hier die Deutsche Einheit nach über 25 Jahren noch nicht angekommen zu sein. Ich bin da aber noch guter Hoffnung.

Wir kehren zurück zum Elbe-Radweg und radeln weiter. Plötzlich ein lautes Krächzen zweier aufgeregter Elstern. Ein roter Milan ist ihrem Nest zu nah gekommen. Eine der Elster fliegt vor dem Milan umher und die andere attackiert den Räuber auf das Heftigste. Die Aufregung dauert nicht lange, da sucht der Greifvogel das Weite.

Havelzufluss in die Elbe der Elbe-Radweg führt jetzt entlang der Havel

Bei Gnevsdorf gelangen wir an den Havelzufluss. Bis Havelberg ist es nicht mehr weit. Pünktlich wie immer regnet es auch heute Nachmittag. Mit Regenschirm gehen wir auf die Hansestadtinsel. Ich glaube eine Hansestadt zu sein, war in früheren Zeiten erstrebenswert. Schließlich sind wir jetzt seit Hamburg 250 Kilometer elbaufwärts gefahren.

Hunger treibt uns heute besonders schnell zum Essen. Auf der Havelberger Insel finden wir keine Gaststube, die geöffnet hat. Auch vom Sehen her waren wir etwas von der Insel enttäuscht.  Eine nette junge Frau, die mit ihrem Baby unterwegs ist, gibt uns einen guten Tipp. Dazu müssen wir allerdings auf den Berg hoch zum Dom.

Die freundschaftliche Begegnung von König Wilhelm I. und Zar Peter den Großen

Vor dem Dom begegnen wir zwei ehrwürdige Majestäten, Friedrich Wilhelm I. und Zar Peter den Großen. Beide wussten damals sehr wohl, dass sie sich für ein ausgewogenes Kräfteverhältnis in Europa brauchen. Sie unterhalten sich freundschaftlich. Zur Erinnerung an die schönen Tage in Havelberg im Jahre 1716 schenkt der preußische König dem Zaren ein Bernsteinzimmer. In den Wirren des 2. Weltkrieges ist dieses Geschenk spurlos verschwunden. Ein paar Enthusiasten suchen noch heute nach dem verschollenen Schatz.

Neben dem Dom, in exponierter Lage befindet sich ein italienisches Restaurant mit einer erstklassigen Aussicht. Während wir eine Pizza verzehren, sprechen uns ein paar Jungen an. Wir kommen aus Magdeburg und sind in Havelberg auf Klassenfahrt. Wir haben die Aufgabe folgende Sehenswürdigkeiten zu finden … Außer dem Dom kennen wir aber selbst keine der genannten Objekte. Etwas später stellen uns eine Gruppe Mädchen die gleichen Fragen. Sie bekommen die gleiche Antwort. Mir gefällt die Begeisterung, mit der die Schüler ihre Aufgaben erledigten. Ich glaube, ohne zu wissen, was eigentlich die Zielstellung dieses Projektes ist, wird das Ergebnis sicherlich von Erfolg gekrönt sein.

Am nächsten Morgen queren wir die Elbe mit einer Gierseilfähre. Ein durch die Kraft des Elbstromes angetriebenes Boot bringt uns auf die andere Elbseite. In der Ferne sehen wir einen modernen Schornstein, den wir weiträumig umfahren. Früher sollte an dieser Stelle das größte Atomkraftwerk der DDR entstehen. Ein paar Energieblöcke sind in den 80er Jahren auch an das Netz gegangen, wurden aber nach der Wende abgeschaltet. Heute steht hier ein Braunkohlenkraftwerk.

Wir radeln durch kleine Ortschaften mit uralten Kirchbauten. Sie erinnern mich an Wehrkirchen. Diese Bauten waren in den slawischen Grenzregionen notwendig, um sich vor Übergriffen der slawischen Stämme zu schützen. Leider habe ich keine Quellen gefunden, die diesen Sachverhalt für das folgende Foto: Kirche bei Hohenberg-Krusenmark belegen.

mögliche Wehrkirche

Heute fahren wir viel auf Straßen, weit ab von der Elbe. Am Fahrbahnrand stehen kaum Schatten spendende Bäume und der Planet glüht. Nur der Fahrtwind kühlt uns. Die Räder der Windkraftanlagen stehen still.

In aller Munde sind diese Anlagen das Synonym für Öko-Strom und nachhaltiger Energiegewinnung. Steigen die Temperaturen in den nächsten Jahren weiter an, ist der Trend nach viel Strom verbrauchenden Klimaanlagen nicht aufhaltbar. Heute haben wir Windstille. Wer springt dann alternativ für die Stromgewinnung ein? Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt.

Oh etwas Seltenes, eine Einladung zu einem kleinen Imbis. Ein kleines Radler und eine Bockwurst. Gerade richtig für eine kurze Pause. Und schon setzen wir für heute zum Endsport an.

Einaldung zur Rast

Tangermünde, wir sind begeistert. Wir sehen nicht nur eine schöne Altstadt, sondern heute haben wir auch noch strahlenden Sonnenschein dazu. Schöne Backsteinbauten umgeben von Wohnhäusern und Geschäften. Die Häuser werden in historischen Fassaden saniert und Erweiterungen werden in Hinterhöfen angebaut. Toll kann ich nur sagen.

Auf unserem Rundgang begegnen wir einer jungen Frau in Ketten. Sie heißt Grete Minde und erzählt uns ihr verhängnisvolles Schicksal. Grete kommt aus einer angesehenen Tangermünder Patrizierfamilie und heiratet im Sommer 1616, den Soldaten Tonnies Meilahn. Dessen Lebensstil verbrauchte sehr schnell die Mitgift seiner Frau. Um an Geld zu kommen, verunsicherte der Soldat mit räuberischen Überfällen die Gegend, bis er 1619 gefasst wird.

Grete Minde aus Tangermünde

Seines Todes gewiss, sagte der Ehemann bei seiner Vernehmung aus, dass seine Frau den Stadtbrand von 1617 in Tangermünde gelegt hat. Der Magistrat, endlich einen Schuldigen gefunden zu haben, verurteilt Grete Minde zum Tod auf dem Scheiterhaufen. So starb die junge Frau einen grausamen Feuertod.

Einer unschuldigen Frau hat man übel mitgespielt. Heute würde gesagt werden, sie ist ein typisches Bauernopfer. Ein politisches Mittel, um eigene Probleme zu lösen, noch heute.

Wir verabschieden uns von der schönen Stadt und fahren am nächsten Tag weiter in Richtung Magdeburg. Der Morgen ist schon warm und wir freuen uns über den von Bäumen beschatteten Radweg.´

Jetzt fallen die riesigen Felder auf. Gegenüber Niedersachsen wird in den östlichen Bundesländern Großfeldwirtschaft betrieben. Oft nehmen wir den muffigen Geruch der Rapsfelder wahr. Schön anzusehen sind diese Felder nur im Mai, wenn der Raps blüht. Dann sind sie ein beliebtes Fotomotiv. Der Geruch, mit dem die Anlieger bis zur Ernte leben müssen, ist meines Erachtens nach schon eine Zumutung.

Noch schlimmer ist für mich der Gedanke, dass Raps ein Nahrungsmittelkonkurrent ist. Der ständig wachsende Energiebedarf könnte in der freien Marktwirtschaft ein Problem werden. Da hilft auch nicht der schön anzusehende Rote Mohn am Feldrand.

Hummel im Roten Mohn

Wir queren wieder die Elbe und gelangen zum Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Überwältigend! Rein technisch gesehen ist das Senken und Heben des Wasserspiegels in den Schleusen genial gelöst. Erst habe ich etwas gegrübelt über die stufenförmig angeordneten Becken neben den Schleusen. Das ist aber selbsterklärend beim Beobachten der Hebe- oder Senkvorgänge.

Ich kann gar nicht nachvollziehen, warum Frauen immer so drängeln, wenn wir Männer uns dem Studium der Technik hingeben. Wir fahren weiter, entlang des Mittellandkanals bis zur Elbquerung. Die Wasserbrücke erscheint gigantisch und schwer. Wenn dann noch ein oder mehrere beladene Schiffe im Mittelland-Kanal die Elbe queren, kommt schon mal die Frage in den Sinn: Um wie viel Tonnen wird dann die Brücke schwerer? Wer hat eine Idee? Bei mir hat es etwas gedauert, bis meine eingerosteten Physikkenntnisse diese Frage lösen konnte.

Elbquerung des Mittellandkanals

Jetzt geht es nach Magdeburg. Wir nächtigen im Hotel Maritim. Bei unserem Stadtbummel wollen wir den Magdeburger Dom besuchen. Ausgerechnet heute ist ab 15 Uhr geschlossen. Pech für uns.

Hundertwasserhaus in Magdeburg

Wir bummeln durch die Stadt und sehen das Hundertwasserhaus. Da kann man hinkommen, wo man will, diese Häuser haben etwas Inspirierendes.

Wenn ich  Magdeburg höre, muss ich daran denken, dass hier Otto von Guericke lebte. Ein Physiker, der durch seinen Versuch mit den „Magdeburger Halbkugeln“ eine neue Ära mit einleitete. Nämlich die Grundlagen dafür zu legen, Luft als Medium zu verstehen. Zu damaliger Zeit war das eine Erkenntnis, wie heute die Entdeckung der „Dunklen kosmischen Energie“. Nach dem Abendessen beenden wir diesen Tag.

Morgen brechen wir auf in den dritten Radlerabschnitt, der uns nach Hause bis Dresden führt.

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