Radreise entlang des Elbe-Radweges von Hamburg nach Dresden Teil 2

Der Elberadweg von Hamburg bis Dresden 2

Elbe-Radweg II – Der interessante Norden

Die Sonne scheint und wir sind aufgeregt. Geht es doch jetzt per Pedalen über 700 Kilometer entlang des Elbe-Radweges von Hamburg in unsere Heimatstadt Dresden. Uns quält die Frage: Haben wir auch schönes Wetter? Oder erleben wir die nächsten Tage nur Regen. Die Wetterkarte zeigt nur Regen und im Süden hat es verheerende Hochwasserschäden gegeben. Was wird uns erwarten? Schon jetzt sind wir gespannt, was werden wir während unserer Radtour alles erleben?

Um in Hamburg vom Radweg abzukommen, braucht man sich nicht sehr bemühen. Gleich zweimal haben wir ratlos in unsere Karte geschaut und zweimal haben uns nette Hamburger ihre Hilfe angeboten. Dankend haben wir diese Hilfe angenommen. Ein bisschen beschämt hat mich das schon. Ich glaube in Dresden, passiert das kaum jemanden der in seine Karte schaut.

Elbe-Radweg Hamburg Dresden - Reetgedecktes Haus

Ab der Brücke nach Entenwerder verlassen wir endlich den städtischen Bereich von Hamburg. Stille tritt ein. Kein dröhnender Autolärm, nur das Singen der Vögel begleitet unseren Tritt in die Pedale. Entspannt radeln wir auf mit Bäumen und Sträuchern gesäumten Radwege. Hin und wieder begegnen uns idyllisch liegende reetgedeckte Backsteinhäuser, dahinter endlos erscheinende Wiesen mit kleinen Seen und künstlich angelegten Wassergräben. Die Froschkonzerte um die Liebsten übertönen sogar die Vogelgesänge. Für Biologen und Ornithologen wäre das ein Ohrenschmaus.

Elbe-Radweg Hamburg Dresden - Auenalndschaft

Es wird windig, wir müssen bei unseren Fahrrädern einen Gang zurück schalten. Das laute Rauschen der Windräder zur Stromerzeugung verstummt nahezu. Wir haben den Windpark Neuengamme erreicht. Ein Schild weist die technischen Daten aus. Jeder Generator erzeugt eine Leistung von 500 bzw. 600 KW. Im Jahr kann jedes dieser Windräder 720.000 KWh erzeugen. Betrachte ich unseren Haushalt, so verbrauchen wir im Jahr etwa 2.000 KWh. Rechne ich das fix mal hoch, könnten mit einer Turbine etwa 360 Zweipersonenhaushalte gleichzeitig versorgt werden; die Windstille nicht eingerechnet.  Aber so wie wir jetzt gegen den Wind strampeln müssen, geben die Windräder gerade ihre volle Leistung ab.

Der Ort Neuengamme ist mir irgendwoher bekannt. Im Ort Altengamme fällt der Groschen am Wegweiser. Konzentrationslager Neuengamme. Die Gedenkstädte besuchen wir nicht. Ein Besuch im Konzentrationslagers Buchenwald liegt mir noch heute im Magen. Die lebendige Beschreibungdes Lagerlebens im Roman von Bruno Apitz in „Nackt unter Wölfen“ tut das Übrige. Ebenfalls die beiden Filme zum Buch. Eine DDR-Verfilmung und eine neue deutsche Verfilmung. Den i-Punkt setzt das Buch von Robert Merle:“Der Tod ist mein Beruf.“ Das handelt allerdings vom Konzentrationslager Auschwitz. Diese beiden Bücher machen diesen Teil Deutscher Geschichte lebendig und unvergessen.

Wir Touren weiter auf dem ehemaligen Gleisbett der Hamburger Marschbahn. Langsam wird es sonnig und schwül. Die einzige Staustufe der Elbe bei Geesthacht, ist jetzt zu sehen. Die Elbe macht hier einen Bogen und wird angestaut. Über zwei Fischtreppen am Wehr überwinden die Fische den Höhenunterschied. In der parallelen Kanalverbindung zum Stauwerk befindet sich eine Doppelschleuse.

Elbe-Radweg Hamburg Dresden

Wir haben uns nur kurz die Schleuse angesehen. Das Stauwerk nicht. Ich glaube, ich wäre nie auf die Idee gekommen mich mit den Aufgaben der Staustufe in Geesthacht zu beschäftigen, hätte ich nicht diese Radreise unternommen. Einerseits begrenzt sie den vom Meer herkommenden Gezeitenstrom und anderseits hält die Staustufe Wasser zurück und macht so den Elbe-Lübeck-Kanal ganzjährig schiffbar. Ökologisch scheint hier eine Staustufe keinen Schaden anzurichten.

Rechtselbich fahren wir auf dem Elbe-Radweg weiter. Hinter Geesthacht kommen wir an einem Pumpspeicher-Kraftwerk vorbei. Aha denke ich so. Hier ist der Energiespeicher in Betrieb und in Niederwartha bei Dresden wird er einfach abgeschaltet. Wir fahren weiter. Plötzlich, beginnen unsere Fahrräder zu leuchten. Wir fahren direkt am Atomkraftwerk Krümmel vorbei. Quatsch, nichts leuchtet und der moderne Bau des AKW ist gut gesichert. Was mir aber durch den Kopf geht, ist die Halbwertszeit des verwendeten Urans. Die soll 700.000.000 Jahre betragen. Dagegen verrottet jeder Plastikmüll in der Zeitspanne eines Wimpernschlages. Ob bei der langen Lagerung des Atommülls, die drei Groschen für den Rückbau der Atomanlagen reichen? Wohl kaum.

Elbe-Radweg Hamburg dresden - AKW Krümmel

Halleluja! Jetzt kommt ein richtig steiler Anstieg mitten durch ein Waldstück. Wir quälen uns nicht, steigen ab und schieben. Das letzte Stück nach Lauenburg geht es bergab. Der Rufer in Lauenburg heißt uns in seiner Stadt willkommen. Etwas weiter ist unser kleines Hotel. Kaum haben wir unser Zimmer bezogen, kommt ein Gewitterguss. Perfektes Timing sage ich da nur. Das wird uns noch einige Male so passieren. Als hätte es der Regengott aufgegeben, uns zu ärgern.

Der nächste Morgen ist kühl und trübe, richtig angenehm zum Radfahren. Wir queren die Elbe und fahren neben den Deichbauten, die das angrenzende Land und die darauf befindlichen Häuser vor Hochwasserfluten schützen sollen.

Weitläufig ist die Landschaft des Elbetales. Das trübe Wetter wirkt mit seiner Stimmung beruhigend. Radeln ist ein richtiger Genuss.

Elbe-Radweg Hamburg Dresden - Elbeaue im Morgennebel

Keine Menschenseele ist zu sehen. Nicht einmal Radfahrer begegnen uns. Ich schaue in die Ferne und entdecke immer wieder kleine schmale Felder. Für mich ist das ungewohnt.

Aus meiner Heimatregion kenne ich nur riesige Felder, die mit schweren Landmaschinen bearbeitet werden. Die ehemaligen LPG-en waren in den 1950er Jahren sicherlich eine gute Idee. Seit einigen Jahren weiß man jedoch, dass diese Großfeldwirtschaft letztlich eine Fehlentwicklung ist. Selbst unter wirtschaftlichen Betrachtungen ist die Rentabilität heutzutage zweifelhaft.

In den neuen Bundesländern werden wir an immer mehr Rapsfeldern vorbeikommen. Je weiter wir nach Sachsen vordringen, umso mehr nimmt meine Nase, den unter dem Siegel der Nachhaltigkeit bestellten Nahrungsmittelkonkurrenten wahr. Das Thema beschäftigt mich immer wieder. Was im Osten die Rapsfelder sind, sind im Westen die Maisfelder. Ich frage mich, ob der Anbau und die Verwendung wirklich nachhaltig sind.

Rechtselbisch fahren wir jetzt schon im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Wir sehen die Grenztürme einer ehemals sehr bedeutungsvollen Grenze.Elbe-Radweg Hamburg Dresden - ehemaliger Grenzwachturm an der Elbe

Wieder brennt die Sonne. Meine Nase ist schon ganz rot trotz Sonnenschutz und mein Körper sehnt sich nach Wasser. Unserem nächsten Etappenziel Hitzacker nähern wir uns nur langsam. Endlich, noch eine Fährfahrt und wir sind angekommen.

Wie Lauenburg ist Hitzacker ein beschauliches Städtchen mit einer schönen historischen Altstadt. Mir fallen sofort die Hochwasserschutzanlagen um die Altstadt und am Elbezufluss der Jeetzel auf. Gleich dreimal wurde die Altstadt zwischen 2002 und 2006 mit einem sogenannten „Jahrhunderthochwasser“ überflutet. Erst dann wurden die Hochwasserschutzanlagen gebaut und weitere Elbeüberflutungen in 2011 und 2013 erfolgreich abgewehrt. Auf dem Bild ist leicht zu erkennen, dass die Hochwassermarken von 2002 und 2006 darüber liegen. Hoffentlich werden diese Pegelstände nie wieder erreicht.

Elbe-Radweg Hamburg Dresden - Hochwassermarken in Hitzacker

In unserer Pension sind noch mehr Gäste, die auf dem Elbe-Radweg fahren. Am nächsten Morgen, als wir aufbrechen wollen, hören wir, wie ein Radreisender sagt, dass er heute die nächste Etappe mit dem Zug fährt, um seinen Allerwertesten zu schonen. Dabei haben wir erst zweimal 55 Kilometer zurückgelegt und die langen Etappen folgen erst noch.

Nach dem Regen am letzten Abend ist es wieder trübe und frisch. Wir verlassen Hitzacker und fahren ein Stück mit einer Kleingruppe. Es dauert auch nicht lange, da vergrößert sich der Abstand. Das wundert uns nicht. Anhand der Ausrüstung sehen wir, dass ein Teil der Radler öfters solche Touren machen und die anderen fahren E-Bike.

Wenn man sich in der Geschwindigkeit mit seinem Partner abstimmen kann, braucht man kein E-Bike. Während unserer Radreise haben wir einiges gesehen, was nicht nachahmenswert ist. Darüber schreibe ich noch.

Elbe-Radweg Hamburg Dresden - Elberadweg auf der Deichkrone

Bei Dömitz schaue ich über die Elbe. Da steht eine fünfeckige Bastion mit Wassergraben und Gegenwall aus dem 16. Jahrhundert. Bastionen waren mit dem Aufkommen der Kanonen bessere Verteidigungsanlagen.  Das ist sicherlich interessant.  Dresden hatte beziehungsweise hat noch Überreste einer solchen Bastion. Deswegen haben wir darauf verzichtet.

Ein paar Kilometer weiter liegt Gorleben. Ein kleiner Ort, in dem Geschichte geschrieben wurde und wird. Ich sage nur Kastortransporte, Atommüll-Endlager oder auch Atommüll-Zwischenlager. Und schon haben uns die 700 Millionen Jahre Atommüll wieder eingeholt. Während ich durch den kleinen Ort fahre, denke ich an vergangene Proteste. Das waren teilweise kriegsähnliche Zustände. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Gorlebener Angst um ihr Hab und Gut bekommenhaben.

In Schnakenburg setzen wir über die Elbe und finden eine Gedenktafel, die an das geteilte Deutschland erinnert. Nun verabschieden wir uns endgültig von den alten Bundesländern.

Gedenktafel über die Teilung Europas

Auf der anderen Elbseite radeln wir weiter. Es wird wieder schwül und Gewitterstimmung liegt in der Luft. Bei Cumlosen finden wir einen kleinen Unterstand. Wir beschließen, die dunklen Wolken vorbeiziehen zu lassen. Schon prasselte der Regen unter dösendem Gedonner hernieder. Nach 20 Minuten ist alles vorbei und die Sonne lacht. Jetzt ist es warm und feucht. So fahren wir Wittenberge entgegen. Bitte Wittenberge nicht verwechseln mit der Lutherstadt Wittenberg. Da kommen wir erst viel später hin.

Elbe-RadwegBrauhaus in Wittenberge

Am späten Nachmittag erreichen wir umhüllt mit ureigenem Körpergeruch unser 4-Sternhotel. Jetzt geht alles schnell – 1 fix 3 unter die Dusche. Danach fühlen wir uns wieder wie Menschen.

Am Abend sitzen wir gemütlich im Brauereirestaurant der Alten Ölmühle bei Kirsch- und Honigbier und lassen die zurückgelegten 200 Kilometer Revue passieren.

Wie es weiter geht, erfahren Sie im nächsten Beitrag unserer Radreise von Hamburg bis Dresden.

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2 Gedanken zu „Der Elberadweg von Hamburg bis Dresden 2“

  1. Hallo Peter,

    letzte Woche gab es bei Zielbar einen Artikel zum Thema „Bildhaft schreiben: So wird Lesen zum Kopfkino“. Das hast Du in diesem Artikel mal wieder geschafft, dass man meint, dabei zu sein.

    Viele Grüße
    Claudia

    1. Hallo Claudia,

      Vielen Dank für Deinen bildhaften Vergleich mit dem Kopfkino. Das ist ja auch Sinn dieser Beiträge. Wer sie liest, soll schon einmal Kostproben bekommen, was man erleben kann. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, dass jeder Radler über anderes erzählen kann.

      Viele Grüße
      Peter

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