Landesgrenze Sachsen

Der Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Elbe-Radweg IV – Spuren sächsischer Geschichte – der Osten

Der Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden ist gepackt voller Geschichte und Geschichten. Erstaunliches und Überraschendes erwartet uns auf dem letzten Streckenabschnitt. Der Park eines sozial engagierten Fürsten, Vorbereitungen auf den 500. Jahrestag an dem Luther seine 95 Thesen an das Kirchentor geschlagen hat bis zum Schwur zweier großer Armeen: Nie wieder Krieg!

Die längste Etappe der Radtour

Ohne den Dom von innen gesehen zu haben, verlassen wir Magdeburg. Von der Sternbrücke aus betrachten wir noch einmal das monumentale Bauwerk. Der Elbe-Radweg schlängelt sich über Elbarme. Im Gegenlicht sehe ich drei Angler, wie Bronzefiguren im Wasser stehen. Sie nutzen die morgendliche Stille für ihren Sport. Ob sie ihre gefangenen Fische auch selber essen werden? Ich habe die Angler nicht gefragt.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir unsere erste Sehenswürdigkeit, das Steinzeitdorf in Randau. Leider ist es noch geschlossen. Wir fahren nach ein paar Blicken über den Zaun weiter. Mich hätte schon einmal ein Blick in ein steinzeitliches Langhaus interessiert. Schade!

Steinzeidorf Ronda - Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Die heutige Etappe ist lang. Hinter Schönebeck hat sich die Elbe in weite Schlaufen gelegt. Wir radeln und radeln und radeln. Irgendwie nehmen wir über unsere Sinne nichts weiter auf. Es wird wärmer und wärmer.

Linker Hand sehen wir einen kleinen See. Das Motiv erinnert mich an einen Filmausschnitt aus der Krankenhausserie „In aller Freundschaft“. Wir fahren weiter auf einer Asphaltstraße durch Kiefernwälder. Die Wärme und nichts Sehenswertes machen diesen Streckenabschnitt trostlos. Oder treten erste Verschleißerscheinungen ein?

Hinter Steckby sehen wir bedenklich dunkle Wolken auf uns zukommen. Weit und breit ist kein Unterstand zu finden. Bis nach Dessau sind es noch 15 Kilometer. In Aken queren wir die Elbe und sehen regennasse Fahrbahnen. Wenigstens etwas Gutes dieser Etappe. Der Regen ist an uns vorbei gezogen. In unserem Hotel schauen wir auf unseren Kilometerzähler. 90 Kilometer, damit wird diese Etappe zur längsten unserer Fahrt.

Im Dessauer 4-Sternehotel haben wir uns prächtig erholt. Fit, wie ein paar neue Turnschuhe sind wir am nächsten Tag aufgebrochen. Mit der heutigen 40 Kilometeretappe fühlten wir uns, wie auf eine Erholungstour.

Der Wörlitzer Park eine Augenweite

Nach einem knappen Stündchen erreichen wir den Wörlitzer Park. Wer einmal in der Nähe ist, muss sich diesen unbedingt ansehen. Besser ist es eine Führung oder eine Gondelfahrt zu unternehmen. Wir machten Zweites.

Unser Bootsführer weiß Interessantes zu berichten. Dabei erfahren wir, wie anfällig unsere Tier- und Pflanzenwelt ist und welche Mühen von der Parkverwaltung unternommen werden, dieses Naturparadies zu erhalten. Natürlich haben wir auch viel über Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt Dessau, dem Erbauer der öffentlichen Anlage erfahren. Beeindruckt hat uns sein soziales Verhalten während des Baues dieser Parkanlage, aber auch das Engagement den Park allen Menschen zugänglich zu machen.

Eine Geschichte hat es uns besonders angetan. Die Ehefrau von Fürst Franz brachte ein kleines Mädchen zur Welt, welches noch vor der Taufe starb. Als das Baby auf dem Friedhof beerdigt werden sollte, wurde das von den Kirchenvätern verweigert, weil es noch nicht getauft war.

Wörlitzer Park - Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Während unserer Bootsfahrt fahren wir an einer riesigen goldenen Urne vorbei. Hier hat Fürst Franz seine Tochter begraben. Den Wald, der die Sicht von der Kirche zur Urne versperrte, ließ Fürst Franz fällen. Seit dieser Zeit muss die Kirche auf das Grab eines unschuldigen Mädchens sehen, dem eine christliche Beerdigung verweigert wurde.

Beeindruckt fahren wir mit dem Boot weiter und sehen in der Ferne den künstlichen Vulkan des Wörlitzer Parks. Anlässlich des 200. Todestages von Lady Hamilton wird der Vulkan am 20. August 2016 ausbrechen.

Das ist ein pyrotechnisches Spektakel der besonderen Art und sehr teuer. Deswegen bricht dieser Vulkan nur zu bestimmten Anlässen aus.

Die Luther-Stadt Wittenberg – Reformation – Inquisition

Bis zur Lutherstadt Wittenberg sind es nur wenige Kilometer. Sobald wir die Altstadt betreten, stehen wir vor der eingerüsteten Schlosskirche. Viele Gebäude der Altstadt werden zu Ehren des 500. Jahres der Reformation renoviert. 1517 hat Luther am 31. Oktober seine 95 Thesen an die Kirchenpforte geschlagen.

Luthers 95 Thesen an der Schlosskirche - Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Wir checken im Hotel ein und unternehmen einen Spaziergang durch die Altstadt. Fast alles, was mit Luther zu tun hat, ist eingerüstet. Während des Altstadtbummels muss ich an eine Geschichte denken, die sich hier ereignete.

Vor 280 Jahren wurde hier eine Frau eingesperrt, die eines ihrer vier Kinder mit Gift getötet haben soll. Es gab Kompetenzschwierigkeiten mit der Gerichtsbarkeit. August der Starke, Dresdens berühmter Barockfürst legte fest, dass nach kanonischem Recht geurteilt werden soll. Die Inquisition verhörte die Frau und sprach sie schuldig. An einem Morgen im Oktober wurde Susanne Zimmermann auf den Markplatz geschleift und gerädert. Ein grausamer Tod. Was mich in Erstaunen versetzt, offiziell wurde das Inquisitionsgericht erst 1908 abgeschafft. Das ist gerade einmal 100 Jahre her. Ich denke auch an die Sharia. Meines Erachtens nach, eine nicht weniger grausame Gerichtsbarkeit.

Sächsische Geschichte am Elbe-Radweg

Der nächste Morgen ist kühl. Der Radweg führt kaum noch über Deichkronen, sondern meist entlang wenig befahrener Straßen. Um 11:45 Uhr ist es so weit, wir überqueren die Grenze zum Bundesland Sachsen. Das Gelände wird scheinbar hügliger.

Nachmittags treffen wir in Torgau ein. Klar doch, dass wir am Denkmal der Begegnung haltmachen. Schließlich sind sich hier am 25. April 1945 die sowjetischen und amerikanischen Truppen begegnet. Oder oder fand der Elbe Day damals wo doch anders statt?

Mahnmal Elbe-Day 1945 Torgau - Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Heute übernachten wir im Goldenen Anker, dem ersten Haus am Marktplatz. Herr Schumann der Besitzer des Hotels hat um 17:30 Uhr alle Radfahrergäste zu einer Stadtführung eingeladen. Die ist sehr interessant. Viele kleine Geschichten, von denen nicht alle zu ernst genommen werden dürfen. Immerhin haben wir erfahren, dass die erste Begegnung der sowjetischen und amerikanischen Truppen nicht in Torgau stattfand. Eine mediale Show um wichtige Ereignisse war eben damals schon beliebt.

Unsere vorletzte Etappe ist mit 40 Kilometern wieder sehr kurz. Also Zeit für ein paar Umwege. Wir fahren nach Belgern, um uns eine sechs Meter hohe Rolandfigur anzusehen. Sie stellt in unserer Region ein Symbol der Freiheit dar.  Die Symbolfigur eines Ritters, der in zwei Zeilen der Biografie Karls des Große erwähnt wird und über den in Zeiten des Minnesanges das Rolandlied entstand. Keine schlechte Kariere meine ich.

Wir fahren weiter und queren die Elbe. Bei Mühlberg finden wir einen Gedenkstein. Am 24. April 1547 fand hier unmittelbar an der Elbe eine Schlacht zwischen einem katholischen und einem protestantischen Heer statt. Es war eine Schlacht von geschichtlicher Bedeutung. Einerseits bedeutete der Sieg des katholischen Heeres das Ende des Schmalkaldischen Bundes.

Schlacht bei Mühlberg 1547 - Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Eine Änderung gab es im bereits geteilten Sachsen. Die Ernestiner, die aufseiten der Protestanten kämpften haben nach ihrer Niederlage die Kurfürstenwürde an die Albertiner abgeben müssen. Die kämpften im kaiserlich-katholischen Heer. Herzog Moritz übernahm die Kurfürstenwürde. Er ist ein Vorfahre von August dem Starken.

Genug des geschichtlichen Ausfluges. Ich stelle mir vor, wie kalt wohl die Elbe im April 1547 gewesen sein mag, als Teile der kaiserlichen Truppen sie durchquert haben.

Begegnung und Schwur zweier großer Armeen

Nach ein paar weiteren Kilometern entspannten Radelns gelangen wir in ein kleines verschlafenes Örtchen namens Kreinitz und sehen ein Schild vor einer Hauswand.

Der wirkliche Elbe-Day 1945 i - Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresdenn Kreinitz

Nanu, die wirkliche Begegnung der sowjetischen und amerikanischen Truppen sieht auf dem Bild mit der Ziehfähre nicht so spektakulär aus. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Gedenkstein.

Diese Worte sollten sich Politiker auf ihre Fahnen schreiben und bei jedem Amtseid schwören.

«Hier wurde geschworen: NIE WIEDER KRIEG!»

Schwur - nie wieder Krieg

So kurzlebig sind Schwüre, wenn ich nur daran denke, in wie viele Kriege wir Deutschen heute schon wieder verwickelt sind. Wenn die Soldaten von damals heute Regierungschefs wären, würde es keine Kriege geben. Naja glaube ich nicht wirklich, aber ich darf ja mal träumen.

Endstport auf dem Elbe-Radweg von Magdeburg bis Dresden

Wir gelangen in unsere letzte Unterkunft und hören, dass Herr Frank L. ein lanjähriger Kunde angerufen hat. Wir hatten mit Herrn L. ausgemacht, dass wir ihn auf der letzten Etappe besuchen. Es muss umgeplant werden. Abends holt uns Frank L. zum Grillen ab. Ein würdiger Abschlussabend für unsere schöne Radtour, die morgen zu Ende geht. Vielen Dank Familie L. für diesen schönen Grillabend.

Unser letzter Reisetag ist nach den nächtlichen Regenfällen kühl und wolkenverhangen. Das Tagesziel ist unser zu Hause. Die Tatsache, dass wir den Elbe-Radweg ab hier schon kennen, lässt uns schneller radeln. Die Strecke hinter Meißen gehört schon zu unserer Hausstrecke. Es scheint windstill zu sein. Das heißt, wir haben einen für diesen Streckenabschnitt seltenen Rückenwind.

Wir fahren in Dresden über den Theaterplatz und gelangen zum Zwinger. Und hier endet unsere Radreise entlang des Elbe-Radweges – von St. Pauli bis zum Dresdner Zwinger. Nach Hause brauchen wir noch 5 Minuten.

Dresdner Zwinger

Zum Pferdemittag sind wir zu Hause. Auf unseren Gesichtern liegt ein Ausdruck von Freude. Noch ein Blick auf den Kilometerzähler: 721 Kilometer. Bei diesem Ende unserer Reise fällt mir ein Sprichwort eines Unbekannten ein.

«Das Schönste am Reisen ist das Ankommen zu Hause»

Erlebnisberichte


Ps.: Die Sehenswürdigkeiten der letzten Kilometer beschreibe ich in einem gesonderten Beitrag

Bitte folge und like uns

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.