Bei schönem Wetter kann jeder

Bischofswiesen bei Berchtesgaden

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir unsere Ferienwohnung bezogen. Während eines Kaffees auf unserem Balkon änderte sich alles – ein Gewitter tobte über uns. Das Wetter änderte sich schlagartig. Kalt, bewölkt und regnerisch. Der Traum eines jeden Urlaubers. Das ist die Geschichte, wir uns dennoch einen schönen Wanderurlaub Berchtesgadener Land gestalteten.

Oh – was nun?

Am nächsten Morgen hingen alle Berge ringsum im Nebel. Ein guter Gedanken sollte den ersten Urlaubstag retten. Wir steigen über 2000 Meter und sehen, ob da wieder die Sonne scheint. Greifbar hatten wir zwei Berge zur Auswahl. Einmal den Watzmann, naja eigentlich nicht diskutabel.

Auf zum Schneibstein

Vom Parkplatz Hinterbrand starteten wir unsere Tour. Wir waren auch nicht die Einzigen. Ich hörte nur – bei schönem Wetter kann jeder. Im vermuteten unteren Wolkenband waren die Sichtweiten teilweise unter 10 Meter. Das ist schon heftig. Allerdings konnten wir uns auf dem Fahrweg nicht verirren.

Bei der Besteigung des Schneibstein führt der Weg durch das Salzburger Land, nicht mehr auf breiten Fahrwegen, sondern auf verschlungenen Pfaden aber auch noch gut ausgezeichnet.

Nach der Ausschilderung sollten es zum Gipfel noch etwa 45 Minuten sein. Da tauchten im Nebel ein paar junge Frauen auf, die uns berichteten, dass sich der Nebel weiter oben auch nicht auflöst und die Wegmarkierungen schlechter werden.

Schade, aber Grund genug, unsere Tour zu beenden. Auf unsrem Rückweg kehrten wir in das Carl-von-Stahl-Haus ein. Nach einer kurzen Rast ging es weiter. Wir wollten wenigsten den Jenner-Gipfel umrunden, natürlich weiter im Nebel aber dafür wieder auf breiten Fahrwegen.

Carl-von-Stahl-Haus

Ausschilderung

Vielleicht einmal etwas zur Ausschilderung in dieser Gegend. Diese ist nicht schlecht.

Blau gekennzeichnete Wege sind gut begehbar, häufig auch breite Fahrwege.

Rot gekennzeichnete Wege führen meist auf Waldwegen oder Bergpfaden entlang. Manchmal ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Wer Höhenangst hat, sollte sich vorher über solche Wege genauestens informieren. Auch gibt es hier schon Wegstellen, die mit Stahlseilen gesichert werden.

Schwarz werden Wege gekennzeichnet auf denen unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich sind.

Die Zeitangaben auf den Wegweisern sind teilweise kurios und weichen manchmal in den einzelnen Etappen des Weges stark voneinander ab. Wer also abhängig von der Zeit ist, sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen.

Wanderung zum Kehlsteinhaus

Auch der zweite Tag war nicht viel besser. Es regnete zwar nicht, aber die Wolken hingen wieder tief. Gegen Mittag soll es etwas auflockern. Vielleicht ist eine Tour zum Kehlsteinhaus eine gute Idee. Fragt sich nur noch, wollen wir zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren? Wir entschieden uns für das Wandern.

Geparkt haben wir an der Bergstation der Obersalzbergbahn am Gasthaus Sonneck. Der nicht gerade bestens ausgeschilderte Wanderweg wurde im letzten Drittel wieder neblig, ist aber leicht begehbar. Mal abgesehen von den etwa 900 Höhenmetern, die wir zu überwinden hatten.

Vom oberen Busparkplatz haben wir auch die letzten 120 Höhenmeter überwunden. Den Aufzug haben wir abgelehnt. Oben angekommen war das viel gepriesene Aussichtspanorama in den Wolken versunken und es begann auch gerade, zu regnen.

Das Kehlsteinhaus seine ungeliebte Geschichte

Die Geschichte des Kehlsteins ist mit dem Leben von Adolf Hitler eng verbunden. Er bereiste das Berchtesgadener Land seit Anfang der 20er-Jahre. 1933 kaufte Hitler ein Haus am Obersalzberg, welches er Jahre zuvor jedes Jahr im Sommer gemietet hatte. Das Anwesen wurde von ihm Berghof genannt.

Hier wurden auch repräsentative internationale Persönlichkeiten empfangen. Mehrere Monate im Jahr verrichtete Hitler im Berghof seine Regierungsgeschäfte. Viele hochrangige Politiker dieser Zeit bauten ebenfalls ihre Residenzen am Obersalzberg.

Die Grundstücke wurden meist vonAuf Betreiben von Martin Bohrmann wurde das Kehlsteinhaus errichtet und Hitler zum 50. Geburtstag 1939 von der NSDAP geschenkt. Hitler selbst soll das Kehlsteinhaus nur sehr wenig besucht haben, da es nach seiner Meinung unter anderem keine ausreichenden Fluchtmöglichkeiten bei feindlichen Fliegerangriffen bot und der Aufzug bei Blitzschlag nicht sicher sei.

Nicht eindeutig zu belegen ist der Name Teehaus (T-Haus; Haus-T; D-Haus – Diplomatenhaus usw.). Bergbauern entweder gekauft oder wer sich quer stellte, wurde schlicht enteignet. Das Areal, welches bis zum Kehlstein reichte, wurde komplett umgebaut, erhielt eine Bunkeranlage und wurde zum Führersperrgebiet erklärt. Für die Öffentlichkeit war das Gebiet damit nicht mehr zugänglich.

Den Namen „Eagles Nest“ (Adlerhorst) soll das Kehlsteinhaus von einem französischen Diplomaten noch während des Krieges erhalten haben. Die Bombardierung zum Ende des Krieges hat das Kehlsteinhaus überstanden. So genau konnte man damals noch keine Bomben abwerfen.

Wer sich noch mehr mit der Geschichte am Obersalzberg auseinandersetzen möchte, sollte das Dokumentationszentrum am Obersalzberg besuchen. Es befindet sich am Parkplatz Obersalzberg.

Panorama vom Kehlsteinhaus

Ich glaube, mein Panoramablick vom Kehlstein ist kaum zu übertreffen. Nach kurzer Rast sind wir wieder abgestiegen. Der Regen hörte auf und das Kehlsteinhaus wurde beim Abstieg sichtbar.

Vom Königssee zur Archenkanzel

Mittlerweile hatten wir uns schon angewöhnt, während unseres Frühstücks im Bayrischen Fernsehen das Alpenpanorama anzusehen. Das war für uns eine gute Entscheidungshilfe für unsere Tagesplanung. Heute sah es auf den Bergen, das heißt für uns die Webcam auf dem Kehlstein, nicht schlecht aus.

Das Wetter erscheint gut genug für eine Wanderung am Königssee. Von der Archenkanzel soll man einen wunderschönen Blick auf den Königssee genießen können. Obwohl die Archenkanzel nur 1342 Meter hoch ist, hatten wir dennoch einen Höhenunterschied von über 800 Meter zu überwinden. Der Weg ist breit, steil und ständig ansteigend.

Nur ein kurzes Teilstück zur Kührointalm (1420 m) ist eben. Auch bei den herrschenden 12 °C kommt man da ins Schwitzen. Unsere Rast war geplant an der Archenkanzel, die nicht mehr weit von der Alm entfernt ist. Die Aussicht ist wirklich fantastisch. Also Rucksack absetzen, Foto rausholen und … und … das darf jetzt nicht wahr sein, Nebel mit Nullsicht. Etwas verärgert, zumindest ich, haben wir trotzdem erst einmal gerastet.

Rinnkendlsteig

Der Aussichtspunkt ist beliebt, sodass viele, die den anstrengenden Aufstieg zur Kanzel unternommen hatten, auch enttäuscht wurden. Kurz bevor wir gegangen sind, konnte ich doch noch ein Foto schießen.

Rinnkendlsteig

Als Abstieg haben wir den Rinnkendlsteig mit schwarzer Markierung gewählt. Ein traumhafter Weg für „erfahrene Bergwanderer“. Für Kinder unter 14 Jahre halte ich diesen Steig für bedenklich. Denn hier sollte man wirklich trittsicher sein und Höhenangst darf man auch keine haben. Der Steig gut gesichert, aber teilweise ausgesetzt.

Für erfahrene Bergfreunde mit etwas klettertechnischen Kenntnissen aber kein Thema.

In St. Bartholomä angekommen sind wir mit einem der umweltfreundlichen Elektroboote auf dem Königssee zurückgefahren. Verabschiedet haben wir uns mit dem legendären Blick auf St. Bartholomä und der Watzmann Ostwand.

Während der Rückfahrt auf dem Schiff haben wir erfahren, dass häufig Wanderer den Rinnkedlsteig unterschätzen und damit sich und andere in Gefahr bringen.

So soll erst vor drei Tagen (Tag unsere Ankunft im Urlaub) eine Familie mit Kindern total erschöpft und durchnässt, weil sie vom Gewitter überrascht wurden, in St. Barthalomä angekommen sein. Natürlich haben sie auch noch das letzte Schiff verpasst. Das klingt nicht nur gefährlich, sondern ist es auch. Ein Gewitter in den Bergen ist lebensgefährlich.

Salzburg als Antwort auf rauschenden Regen

Noch vor dem Aufstehen haben wir das Rauschen des Regens wahrgenommen. Berge brauchen wir gar nicht erst in Angriff nehmen. Die totale Schlechtwettervariante heißt: „Salzburg“.

In den neunziger Jahren waren wir schon einmal in der Mozartstadt. Die Hinfahrt führte uns problemlos zum unterirdischen Altstadtparkplatz im Mönchsberg.

Am Geburtshaus von Mozart vorbei über die Staatsbrücke sind wir direkt zu Schloss Mirabell und den Mirabellgarten gegangen. Erbaut 1606 von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau für seine Geliebte Salome Alt. Heute residiert, der Magistrat und der Bürgermeister im Schloss und der Marmorsaal zählt zu den schönsten Trauungssälen der Welt.

Der Mirabellgarten wurde Anfang des 17. Jh. von Anton Danreiter nach modernster Gartenbaukunst gestaltet. Dafür stiftete Erzbischof Harrach seinem Gärtner eine achtjährige Reise nach Dresden, Holland und Versailles. Sachsens Glanz war eben schon vor August dem Starken bekannt. Dresden hatte zu dieser Zeit schon einige gute Gartenanlagen.

Interessant für uns ist, dass auch der als Arzt und Alchimist bekannte Paracelsus in Salzburg gewirkt hatte, wenn auch nur kurze Zeit. Von ihm kennen wir ja den Spruch: „Alles ist Gift, es kommt immer auf die richtige Dosierung an“. Ich denke nur an unsere Ernährung … , eigentlich vergiften wir uns selbst mit einer falschen Dosierung unserer Nahrungsmittel. Dick werden ist das erste Anzeichen.

Die Grabstätte des großen Meisters befindet sich auf dem Friedhof der St. Sebastiankirche. Auch ruhen auf diesem Friedhof Mozarts Gattin Constanze, sein Vater Leopold und weitere Persönlichkeiten.

Salzburg

Wir gingen wieder über die Salzach und spazierten durch die schmalen Gassen der Altstadt. Es gibt sicherlich noch vieles zu berichten, auch über die Festung Hohensalzburg die hoch auf dem Mönchsberg thront. Was die Menschen aber wirklich nach Salzburg zieht, hat der in Salzburg geborene Dichter Georg Trakl in folgenden Zeilen wiedergegeben.

Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn
Im klaren Blau, die weiszen zarten.
Bedächtig stille Menschen gehen
Am Abend durch den alten Garten.

Der Ahnen Marmor ist ergraut.
Ein Vogelzug streift in die Weiten.
Ein Faun mit toten Augen schaut
Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.

Das Laub fällt rot vom alten Baum
Und kreist herein durchs offne Fenster.
Ein Feuerschein glüht auf im Raum
Und meldet trübe Angstgespenster.

Ein weiszer Fremdling tritt ins Haus.
Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.
Die Magd löscht eine Lampe aus,
Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.

Damit verabschieden wir uns von Salzburg und kehren zurück ins Berchtesgadener Land, wo es aufgehört hat zu regnen.

Auf zum Watzmannhaus

Mit Spannung erwarteten wir am nächsten Morgen das Alpenpanorama des Bayrischen Fernsehens. Schließlich wurde am Vortag in der Wetterprognose eine kleine Sonne gezeigt. Freude, fast in allen hohen Bergregionen wurde klarer Himmel gezeigt.

Schnell den Rucksack packen und losgeht es zum Watzmannhaus. Gestartet sind wir vom Parkplatz der Wimbachbrücke. Der Weg führt ständig steil nach oben, ist aber leicht begehbar. Eine Weile war das Wetter noch trüb, dann neblig und dann kam Freude auf.

Wandern zum Watzmannhaus

In Höhe der Stubenalm bei etwa 1100 Metern lichteten sich die unteren Wolken, die ersten Sonnenstrahlen waren zu spüren und in der Ferne war die Silhouette des Watzmanns zu erkennen. Egal, in welchem Gebirge man ist, der Moment, indem man aus den Wolken heraustritt, ist einer der schönsten. Danach steht man über einem Meer aus Watte, ein immer wieder faszinierender Anblick.

Hinter der Mitterkaseralm geht der Weg in einen leicht begehbaren Bergpfad über, der sich unaufhörlich zum Watzmannhaus windet. Nachdem wir etwa 1300 Höhenmeter überwunden haben, standen wir vor dem Watzmannhaus in 1930 Meter Höhe.

Majestätisch blickt der über 2700 Meter hohe Gipfel des Watzmanns auf uns herab. Der Berg lockte uns zum Weitergehen. Es war ja gerade erst 12 Uhr und die Tage im Juni sind sehr lang. Die Vernunft sagte uns, Nein.

Auch wenn der Aufstieg zum Hocheck ohne klettertechnische Schwierigkeiten mit knapp 3 Stunden angegeben wird, es sind aber immerhin noch weitere 600 Höhenmeter. Schließlich müssen wir ja alles wieder absteigen.

Wer gern weitergehen will, sollte im Watzmannhaus übernachten. Das ist nur auf Vorbestellung möglich. Wir hatten bei der allgemein schlechten Wetterlage nichts vorbestellt. Unsere Rast am Watzmannhaus haben wir genossen. Was wir aber nicht beachtet haben, wir haben viel Sonne aber keinen Sonnenschutz mitgenommen. Das reichte für einen Sonnenbrand.

Watzmann

Der Rückweg führte uns über den Falzsteig, ein schwarz gekennzeichneter Weg. An einigen Passagen muss man an angebrachten Sicherheitsseilen etwas hangeln. Also auch nicht für jedermann gedacht. Über die uns schon bekannte Kühriontalm sind wir dann in endlosen Serpentinen zum Parkplatz an der Wimbachbrücke abgestiegen.

Auf dem breiten Fahrweg kamen uns einige Biker entgegen, die noch die 800 Höhenmeter bis zur Kühriontalm im Sattel bergauf überwinden wollen. Hut ab, keiner von ihnen hat geschoben, egal wie steil der Fahrweg war. Entspannter waren jedoch ihre Gesichter bei der Abfahrt.

Zur Gotzenalm

An unserem letzten Urlaubstag regnete es nicht. Die dichten Wolken waren in einer Höhe von etwa 1500 Metern. Die Gotzenalm, vorbei an der schönen Aussicht des Feuerpalfen ist heute ein lohnenswertes Ziel.

Unser Ausgangspunkt war wieder der Parkplatz in Hinterbrand. Der über 1800 Meter hohe Jenner war wieder einmal im Nebel. Doch nach reichlich einer Stunde löste sich dieser auf. Der Jenner war zu sehen und wir konnten auch das Carl-von-Stahl-Haus sehen, in welchen wir am ersten Tag eingekehrt waren.

Der Bergpfad des Unteren Hirschlauf ist nicht schwierig, auch wenn einige Sicherungsseile angebracht sind. Nach kurzer Zeit war die Sonne wieder verschwunden und es begann zu regnen. Bis zur Gotzenalm war es noch eine Stunde, die Kennzeichnung des Weges blau, also leicht.

Wir überlegten, zogen unsere Regenkleidung an und gingen über den breiten Fahrweg zurück. In der Hälfte des Rückweges überraschte uns ein sintflutartiger Regenfall, wir konnten keine 10 Meter weit sehen. Aber so schnell dieser Regenguss gekommen war, so schnell war er wieder verschwunden.

Wetter heißt passende Kleidung und Ideen

Wie sagten wir anfangs, bei schönem Wetter kann jeder. Im Berchtesgadener Land gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, um bei Schlechtwetterlagen einen schönen Urlaub zu verbringen. Gefragt sind nur Ideen. Ich hoffe, die gehen niemals aus.

Überarbeitet: 2020

Ein Gedanke zu „Bei schönem Wetter kann jeder“

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