Autoreisen leicht organisieren

Autoreisen leicht organisiert

Canossa, den Ort des Bußganges von König Heinrich IV. haben wir am späten Nachmittag hinter uns gelassen. In weiten Schleifen fahren wir stetig bergan. Es scheint als ob wir immer tiefer in einen dunklen Märchenwald fahren. Auf einmal Licht – endlich, wie das Hexenhäuschen Rotkäppchens Märchen, erscheint eine Herberge. So endet eine total verplante Etappe meiner Autoreise. Zu straff geplant! Genau so kann eine ganze Autoreise ins Trudeln geraten. Damit euch so etwas nicht passiert, bekommt ihr neun Tipps, wie ihr eure Autoreisen leicht organisieren könnt.

Tipp 1: Ein Grundgerüst durch Zeit und Raum

Eine Grundidee für euer Reiseziel habt ihr natürlich schon. Ohne tief zu graben, schaut ihr euch die Route auf der Karte an. Erste Aktivitäten werden festgehalten.

Beim ersten Blick auf die Karte geistern euch viele Dinge durch den Kopf. Wie kommt ihr zu eurem Reiseziel? Könnt ihr gleich von der Haustür mit dem eigenen Auto fahren? Oder ist die Anreise mit eigenem Auto zu aufwendig?

Reist ihr mit dem Flugzeug an und übernehmt einen Mietwagen. Welcher ist dann für eure Reise geeignet.

Wie viel Zeit steht euch für eure Autoreise zur Verfügung? Was kostet euch diese Reise? Um nur einige Fragen zu nennen.

Wer noch keine Autoreise organisiert hat, kann nach den ersten Überlegungen schon ins Schwitzen kommen.

Allein die ersten Aktivitäten im Reiseziel, die Anzahl der Reisetage und die Form der Anreise brauchen ein tragfähiges Grundgerüst. Schritt für Schritt könnt ihr dann damit eure Autoreise aufbauen.

Tipp 2: Was gibt’s noch zu sehen

Macht ja nicht den Quatsch und fragt im Internet oder Freunde, was man im Reiseziel gesehen haben muss? Damit zerstört ihr nur eure eigenen Urlaubsideen.

Ein vietnamesisches Sprichwort besagt:

Wenn man nur das sucht, was man unbedingt gesehen haben muss, geht man am Wesentlichen vorbei.

Indessen sucht zielgerichtet nach dem, was ihr erleben wollt. Sucht nach Geschichten erzählenden Bauwerken, schaut nach Öffnungszeiten von Märkten, schaut nach stattfindenden Veranstaltungen, sucht nach Ausgangspunkten für Wanderungen, schaut nach Unterkünften mit Erholungswert, recherchiert nach Panoramastraßen und allem, was euch interessiert.

Plant auch ein paar Ruhetage. Nicht überall an eurer Reiseroute werdet ihr Unterkünfte mit Flair finden. Wählt also diese mit Bedacht.

Denkt daran, ihr seid im Urlaub und nicht auf der Flucht. Außerdem braucht ihr Zeit für Abstecher. Alles will gut überlegt sein.

Tipp 3: Welche Autoreisen empfehlen Reiseveranstalter

Reiseveranstalter verwenden das Know-how der Vorortagenturen. An erster Stelle stehen Highlight-Touren zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Genauer gesagt, dass was man gesehen haben muss. In den letzten Jahren sind Routen mit Themenreisen hinzugekommen.

Davon abweichende Touren solltet ihr unbedingt unter die Lupe nehmen. Manche dieser Touren versteckt gute Reiseideen.

Anderseits werden auch schöne Strecken angeboten, die durchaus ansprechend sind. Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, über diese Routenführungen nachzudenken.

Autoreisen leicht organisieren

Ein weiterer Vorteil von Veranstalterreisen ist, diese Reisen werden für gewöhnlich als Pauschalreisen angeboten. Ein Gedanke, den ihr im Focus behalten solltet.

Gut, ihr habt recht. Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook sagt etwas anderes. Ich hoffe, dass die Lobbyisten der Bundesregierung bald einen akzeptablen Vorschlag als Gesetzesvorlage einbringen. Damit Pauschalreisen wieder sicher werden. Darüber reden wir später noch.

Tipp 4: Nicht jeden Tag den Koffer packen müssen

Jeden Morgen Koffer packen und abends im nächsten Hotel wieder auspacken. Findet ihr das auch nervig? Ist es nicht besser, wenn ihr mehrere Übernachtungen an einem Standort habt?

Auf diese Weise konnten meine Frau und ich die Arena di Verona besuchen. Bizets Oper „Carmen“ ist noch heute eines unserer schönsten Reiseerlebnisse.

Vorteilhaft bei mehreren Übernachtungen an einem Ort sind spontane Änderungen des Reiseablaufes. Manchmal trefft ihr zufällig auf Veranstaltungen. Spontan könnt ihr dann den Ablauf der Reise ändern.

Ob ihr nun nur einen Standort wählt oder mehrere, bleibt euch überlassen. In jedem Fall habt ihr bei mehreren Übernachtungen an einem Ort weniger Reisestress.

Meine Empfehlung: Zwei bis vier Übernachtungen sind an einem Standort ausreichend. Wählt die Entfernungen zwischen den Unterkünften nicht zu groß. Auf diesen Strecken macht ihr auch unerwartete Entdeckungen.

Tipp 5: Streckenabschnitte und Fahrzeiten

Bei der Planung der zu fahrenden Kilometer am Tag verschätzen sich die meisten. 200 km sind in Deutschland schnell gefahren. Mehr als dreieinhalb Stunden werden nicht eingeplant. Bei einer Autoreise im Ausland ist das viel zu wenig.

Rechnet ihr mit 50 km/h, dann braucht ihr schon einmal vier Stunden. Auch das ist sehr wenig. Stadtverkehr, schmale, sich schlängelnde Straßen fordern zeitlichen Tribut. Abhilfe könnten Autobahnen und Schnellstraße schaffen. Auf Autoreisen sind diese jedoch unbeliebt.

Im Urlaub will auch niemand ständig früh aufstehen. Morgentoilette, um 8 Uhr frühstücken, auschecken aus dem Hotel, da dreht sich vor halb zehn kein Rad.

Die Fahrt wir mit vielen Pausen für Besichtigungen unterbrochen. Mittagessen und weitere Besichtigungen. Und abschließend noch das Hotel für die Übernachtung suchen.

Da vergehen schnell acht Stunden. Wann waren wir heute Morgen losgefahren? Halb zehn! Da kommt ihr gut und gerne abends halb sechs beim nächsten Hotel an. Gerade noch richtig zum Einchecken.

Schaut euch die Strecken genau an. Plant großzügig. Sonst werden eure Tage zu kurz.

Tipp 6: Wie findet ihr eure Hotels.

Hi Tech Freaks nehmen das Navi vom Smartphone oder ein separates Navi, tragen die Hoteladresse ein und los geht’s.

Nachteil dieser Art des Reisens. Ihr überlasst der Technik die Orientierung. Sie berechnet eure Route, die nicht die schönste sein muss. Technische Ausfälle darf es auch nicht geben, sonst steht ihr mit eurem Auto irgendwo im Nirwana.

Ein Autoatlas mit einem Maßstab meist größer als 1:100.000 ist hier wenig zweckdienlich.

Entweder besorgt ihr euch Detailkarten mit Maßstäben 1:50.000 oder 1:30.000 beziehungsweise Stadtpläne. Oder ihr druckt euch die Anfahrten zu den Hotels via Google-Maps aus. Das funktioniert.

Tipp 7: Abenteuerlich – Übernachtung finden aufs Geratewohl

Klar, dann könnt ihr dann vor Ort entscheiden, wie lange ihr da bleibt. Das ist nicht von der Hand zu weisen.

Ich hab‘s probiert und bin nicht begeistert. Schon am zeitigen Nachmittag habe ich mit der Suche begonnen. Einmal war es zu teuer, ein anderes Mal zu abgelegen oder die Zimmer haben uns, gelinde ausgedrückt nicht gefallen.

Wer in seinem Urlaub etwas auf Wohlbefinden achtet, braucht bei dieser Suche starke Nerven. Ganz zu schweigen von der Zeit, die ihr damit verschwendet.

Ich will diese Methode der Hotelsuche nicht verteufeln. Manch einer liebt sie. Hin und wieder könnt ihr sogar um den Preis feilschen. Allein bei diesem Gedanken schlagen manche Herzen höher.

Tipp 8: Sicherheiten einer Pauschalreise

Eine Pauschalreise ist einfach zu erklären. Das sind zwei einzelne Reiseleistungen (Flug und Hotel), die in „einer Buchung“ angelegt und nur „mit einem Preis“ ausgewiesen werden.

Derjenige, der die Reiseleistungen bündelt und mit einem Preis versieht, ist Reiseveranstalter. Dieser ist für die ordnungsgemäße Durchführung der Reise verantwortlich. Ihr bekommt ein Formblatt vom Reiseveranstalter, welches euch das bescheinigt. Und, ihr bekommt einen Sicherungsschein, der euch vor Insolvenz des Reiseveranstalters schützt.

Ihr seid geschützt vor solchen Insolvenzen bis insgesamt 110 Mio. Euro im Jahr für alle Veranstalter-Insolvenzen. Geht ein Dinosaurier, wie Thomas Cook mit 400 Mio. Euro Pleite, reicht das Geld natürlich nicht.

Da die deutsche Gesetzgebung ihren Pflichten nicht nachgekommen ist, springt der Steuerzahler dieses Mal für das Versäumnis ein.

Tipp 9: Sicherheiten verbundener Reiseleistungen

Noch irrer steht es um verbundene Reiseleistungen. Ein riesiges Verwirrspiel. Meines Erachtens ohne Nutzen. Verbundene Reiseleistungen sind mindestens zwei Reiseleistungen, die für eine Reise gebucht werden. Der Unterschied zur Pauschalreise ist: Jede Reiseleistung wird in einer Buchung mit einem Preis ausgewiesen.

Bei einer Mietwagenreise sind das, die Buchungen des Fluges, der Hotels und des Mietwagens. Alles bekommt ihr in separaten Buchungen und separat ausgewiesenen Preisen. Die drei Reiseleistungen haben nicht den Status einer Pauschalreise.

Ihr seid für alles selbst verantwortlich und habt keinen Insolvenzschutz. Außer ihr zahlt eine der Reiseleistungen nicht direkt beim Veranstalter (z. B. Airline), sondern im Reisebüro. Dann bekommt ihr einen Sicherungsschein vom Reisebüro.

Damit sind die Gelder die ihr dem Reisebüro, als Bestandteil verbundener Reiseleistungen anvertraut in Höhe von 110 Mio. Euro vor einer Insolvenz des Reisebüros versichert.

Einen Haken hat die Sache. Da beispielsweise Thomas Cook und Reisebüros bei Insolvenz aus dem gleichen Topf versichert werden, bekommen im Fall einer Reisebüro-Insolvenz nach der Thomas Cook Pleite die Kunden keinen Cent.

Ins Tagesgeschehen wurde der Mangel nur gerufen, weil erstmals ein Dinosaurier in der Branche insolvent wurde.

Wir reden hier über Reisen. Sicherheit ist immer relativ zu sehen. Deshalb ist es gut, über Sicherheiten zu reden, um Risiken schon während der Planung zu minimieren.

Fazit

Auto- bzw. Mietwagenreisen sind nach wie vor sehr beliebt. Eigene Vorstellungen, bestimmte Qualitäten, die Bewertung von Risiken und selbst ein Ablauf der Reise sind wesentlichste Bestandteile einer guten Vorbereitung.

Die beschriebenen Risiken von der Buchung bis zur Abwicklung gab es schon immer. Nur sind diese vor ein paar Jahren nicht so markant aufgetreten. Das lag auch daran, dass Reiseveranstalter früher großzügiger waren.

Ein paar Anregungen für Autoreisen in Europa – 2020

Wie plant ihr eure Autoreisen? Vielleicht habt ihr noch ein paar weitere Anregungen. Ich freue mich über eure Hinweise.

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